Musiktheater im Revier

Opernsänger Joachim Maaß feiert eine Sternstunde

Szene mit Joachim Gabriel Maaß in „Die Sternstunde des Josef Bieder“. Die Produktion feierte umjubelte Premiere am Musiktheater.

Szene mit Joachim Gabriel Maaß in „Die Sternstunde des Josef Bieder“. Die Produktion feierte umjubelte Premiere am Musiktheater.

Foto: Pedro Malinowski

Gelsenkirchen.   Bassbariton Joachim Gabriel Maaß glänzt in einem großartigen Solo im Musiktheater im Revier als tragikomischer Requisiteur. Eine Paraderolle.

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„Denn die im Dunkeln sieht man nicht“, textete einst schon Bertolt Brecht. Die im Dunkeln, das sind auch die Menschen hinter den Kulissen eines Theaterbetriebs, die Abend für Abend dafür sorgen, dass Schauspieler und Sänger im rechten Licht glänzen können. Einer von denen steht unverhofft selbst im Rampenlicht. Und macht seinen Auftritt zur „Sternstunde des Josef Bieder“.

Im Kleinen Haus des Musiktheaters schlüpft Bassbariton Joachim Gabriel Maaß, seit vielen Jahren erfolgreiches und beliebtes Ensemblemitglied am MiR, in die dankbare Rolle des Requisiteurs. Er füllt sie in jeder Sekunde sehr präsent mit Verve, mit komödiantischer Finesse und Eindringlichkeit, mit schauspielerischer und gesanglicher Leidenschaft überaus vergnüglich und überzeugend aus.

Tragikomische Liebeserklärung ans Theater

Das Solo für Maaß, es geriet am Opernhaus zu einer kurzweiligen, tragikomischen Liebeserklärung ans Theater und an seine Macher. Maaß scheint der Monolog auf den Leib geschneidert. Was hohe Kunst ist, hier wirkt sie leicht. Immer präzise artikuliert, brillant und nuancenreich in Szene gesetzt.

In schweren Arbeitsschuhen stiefelt der Mann gedankenverloren auf die Bühne. Der Job von Josef Bieder beginnt. Als Requisiteur rückt er penibel die Utensilien zurecht, mit denen die Darsteller später brillieren werden. Doch ein Blick in den Zuschauerraum lässt ihm ganz offensichtlich das Blut in den Adern gefrieren. „Was machen Sie denn hier?“

Eine verhinderte Rampensau

Denn eigentlich ist spielfreier Tag am Theater. Eine echte Dispositionspanne also! Was tun mit den Menschen? „Ich darf hier gar nichts entscheiden!“ Der Requisiteur versucht die Disponentin zu erreichen, die aber „wie immer“ nicht ans Telefon geht. Um pflichtbewusst die Situation zu retten, beginnt der Bühnenarbeiter, sich mit dem Publikum zu unterhalten – und mutiert dabei selbst zum glänzenden Unterhalter.

Denn in dem Mann hinter den Kulissen steckt, ganz klar – eine verhinderte Rampensau. Ein Sänger gar, der sich eigentlich berufen fühlt, die Menschen mit seiner Kunst zu erfreuen, aber im wahren Leben nur anderen den Boden für ihre Darstellung bereiten darf. Ein verkanntes Genie sozusagen, und da legt die Komödie ihre tragischen Züge bloß.

Lehrstunde in Sachen Nähkästchen

Diese Sternstunde ist auch eine Lehrstunde in Sachen Nähkästchen. Denn das Stück aus der Feder von Eberhard Streul verrät so manches über das, was sich hinter den Kulissen abspielt. Über die Rolle des Intendanten zum Beispiel oder die der Disponentin, über den hintersinnigen Unterschied von Zuständigkeiten, wenn mal eine Glühbirne nicht funktioniert. Wunderbar die Szene über das perfekte und den meisten Applaus versprechende Verbeugen am Ende der Vorstellung, wenn der Künstler aus seiner Rolle gar nicht mehr herauskommt.

Regisseurin Barbara Hauck setzt ohne zusätzliche Mätzchen vor allem auf das Talent ihres Solisten. und tut gut daran. Sein tatsächliches Gesangstalent darf Maaß in gleich vier Nummern demonstrieren. Da passt Frank Sinatras Evergreen „I did it my Way“ gleichermaßen zu Bieder und zu Maaß. Viel Beifall!

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