Musiktheater im Revier

Operette Frau Luna: Schiller reist als PC-Nerd zum Mond

Das Musiktheater im Revier eröffnet nach einem halben Jahr Pause die neue Spielzeit mit einer komplett aufpolierten Wiederaufnahme von „Frau Luna“. Premiere ist am Samstag, 5. September, um 19.30 Uhr im Großen Haus des Gelsenkirchener Theaters. Sänger Sebastian Schiller (m.) spielt den Nerd Fritz Steppke.

Das Musiktheater im Revier eröffnet nach einem halben Jahr Pause die neue Spielzeit mit einer komplett aufpolierten Wiederaufnahme von „Frau Luna“. Premiere ist am Samstag, 5. September, um 19.30 Uhr im Großen Haus des Gelsenkirchener Theaters. Sänger Sebastian Schiller (m.) spielt den Nerd Fritz Steppke.

Foto: Foto: B.HICKMANN / Musiktheater im Revier

Gelsenkirchen.  Sänger Sebastian Schiller berichtet vor der Operetten-Premiere in Gelsenkirchen wie Corona das Künstlerleben verändert hat.

Die Liebe verglühte plötzlich. Im Oktober 2019 spielte Sebastian Schiller erstmals die Rolle des Fritz Steppke in „Frau Luna“. Wegen der Corona-Pandemie aber ging im März auch das Licht auf dem Mond aus, die weiteren geplanten Vorstellungen der Paul-Lincke-Operette fielen ins Wasser. Am heutigen Samstag aber nimmt die spacige Truppe wieder volle Fahrt auf. Das Musiktheater im Revier eröffnet nach einem halben Jahr Pause die neue Spielzeit mit einer komplett aufpolierten Wiederaufnahme von „Frau Luna“.

Sänger Sebastian Schiller, seit 2016 festes Ensemble-Mitglied des Gelsenkirchener Opernhauses, kannte seine Rolle als Fritz Steppke in- und auswendig. „Jetzt musste ich ganze Textpassagen neu einstudieren.“ Denn das Corona-Virus hinterlässt auch in der kurzweiligen Revue rund um eine verrückte Reise zum Mond seine Spuren. So geht die neue Version nicht mehr im Kleinen, sondern im Großen Haus über die Bühne.

Konzentration und Disziplin gefragt bei den neu überarbeiteten Texten

Zudem gilt es, überarbeitete Textpassagen einzustudieren. Eine echte Herausforderung für die eingespielten Akteure: „Beim Proben merkte ich, wie die alten Texte immer wieder hoch kommen. Die sitzen tatsächlich tief im Unterbewusstsein.“ Da sind Konzentration und Disziplin gefragt.

Nicht die einzige Hürde der neuen Version von „Frau Luna“. Sebastian Schiller, 1981 in Berlin geboren, lacht: „Die häufigste Regieanweisung bei den Proben lautete: Abstand, Abstand!“ Gar nicht so einfach bei innigen Liebesszenen.

Während der kompletten Proben und auch während der geplanten elf Vorstellungen werden die Sängerinnen und Sänger Gesichtsvisiere tragen, die Tanztruppe Masken. „Das ist natürlich ein Fremdkörper im Gesicht“, beschreibt Sebastian Schiller die physische und psychische Herausforderung: „Die eigene Stimme klingt, als hätte man einen Eimer auf dem Kopf.“ Der Schall des Gesangs fliege nun nicht mehr ungebremst in den Raum: „Sondern er bleibt zu einem großen Teil bei einem selbst.“ Das Publikum aber wird in einen ungetrübten Klanggenuss kommen: „Unsere Soundabteilung macht da einen ganz tollen Job.“ So werden die Stimmen zum Beispiel mit Mikrofonen verstärkt. Und auch die Zuschauer erwarten einige überraschende Kunstgriffe, zum Beispiel beim Einsatz des Chores.

Große Freude, endlich wieder auf der Bühne stehen zu dürfen

Das große Glück, endlich wieder künstlerisch vor Publikum arbeiten zu dürfen, übertreffe derzeit alles, strahlt Schiller: „Ich bin einfach froh, überhaupt wieder auf der Bühne stehen zu dürfen.“ Dass es nun gar die imposante große ist, sei ebenfalls wunderbar: „Da wollen wir doch eigentlich immer alle drauf!“ Sebastian Schiller probt derzeit nicht nur für seine Rolle des Fritz Steppke in „Frau Luna“. Er studiert auch den Wilhelm im Musical „The Black Rider“ ein (Premiere am 19. September).

Heute aber erst einmal die Reise zum Mond. Denn Fritz Steppke, der Computernerd, lässt sich auch von einer Pandemie nicht ausbremsen und tritt mit seinen Freunden den Flug ins abenteuerliche All an. Die Rolle der funkelnden „Frau Luna“ übernimmt am Samstag erstmals Sopranistin Bele Kumberger.

Operette, das weiß auch Sänger Sebastian Schiller, klingt in den Ohren junger Menschen erst einmal angestaubt. Doch dieser Fritz Steppke ist in der Gelsenkirchener Sicht des Regisseurs Thomas Weber-Schallauer auch ein Heutiger. „Steppke ist ein Visionär“, sagt Schiller über seine Figur. „Er will etwas verändern, so wie viele junge Leute heute auch.“ Auf dieser Ebene könne sich auch junges Publikum mit ihm identifizieren.

Die kurzweilige Tour dauert insgesamt 90 pausenlose Minuten.

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