Bundestagswahl

Oliver Wittke pflegt Wahlkampf mit politischem Kaffeeklatsch

Den selbstgebackenen Kuchen verteilt CDU-Bundestagskandidat Oliver Wittke (Mitte, neben Gastgeber Heinrich Karl Klein) selbst. Die Gäste sind (von links nach rechts) Amelie Hensel, Kirsten Link, Brigitta und Timo Becker, Christine Primavesi, Norbert Maßloh, Hans-Georg Evers und Ferdinand Trinidade. Foto:Joachim Kleine-Büning

Den selbstgebackenen Kuchen verteilt CDU-Bundestagskandidat Oliver Wittke (Mitte, neben Gastgeber Heinrich Karl Klein) selbst. Die Gäste sind (von links nach rechts) Amelie Hensel, Kirsten Link, Brigitta und Timo Becker, Christine Primavesi, Norbert Maßloh, Hans-Georg Evers und Ferdinand Trinidade. Foto:Joachim Kleine-Büning

Ückendorf.   Politischer Frühschoppen war gestern: CDU-Kandidat Oliver Wittke lässt sich lieber von Bürgern zum Tee einladen – und bringt Kuchen mit.

Im Anzug, aber mit Kuchen-Tupperdose in der Hand schellt Oliver Wittke an der Tür von Hildegard und Heinrich Karl Klein. In dem Einfamilienhaus nahe dem Wissenschaftspark wird der CDU-Bundestagskandidat bereits erwartet. Haustürwahlkampf mit Kaffeeklatsch und geladenen Gästen. Wobei Oliver Wittke gar keinen Kaffee, sondern Tee trinkt.

Im Wohnzimmer warten bereits die geladenen Gäste. Freunde und Bekannte der Familie Klein, die gern die Gelegenheit nutzen, mit dem Kandidaten – für die meisten ist es wohl „ihr“ Kandidat – zu diskutieren. Als erstes wird der mitgebrachte Kuchen getestet. „Seite 12 aus meinem Backbuch, eineinhalb Teelöffel Backpulver“, erklärt er das Rezept für seinen Walnuss-Schoko-Kuchen. Das Backbuch samt Backpulver hat er für jeden dabei. „Kugelschreiber sind out, Backbücher der Renner. 5000 sind schon so gut wie weg, wir müssen nachdrucken,“ freut er sich. Ob er den Kuchen WIRKLICH selbst gebacken hat? „Ja natürlich. Vor einer Stunde hab ich ihn aus dem Ofen geholt.“ Er ist tatsächlich noch warm. Und lecker.

„Ich rede nicht mit Leuten, die Menschen ‘entsorgen’“

Aber dann geht es schnell zur Politik. Beim Endspurt jetzt müsse man „eine Schüppe drauflegen“. Auch, weil die FDP wieder mit der Zweitstimmenkampagne beginne. „Man kann gar nicht oft genug sagen, dass die Zweitstimme die viel wichtigere ist. Auch wenn die nicht direkt mich wählt!“ Timo Becker, der mit seiner Mutter gekommen ist, hält bei der Wahl die absolute Mehrheit für denkbar. Oliver Wittke relativiert: „Früher war in Gelsenkirchen für die SPD nur die Frage, ob sie über oder unter 60 Prozent liegt. Heute reden wir über 40 Prozent plus oder minus. Aber bei der letzten Bundestagswahl hat Gelsenkirchen für die SPD das beste Stadtergebnis eingefahren.“

Brigitta Becker sieht schlafendes Wählerpotential für die CDU bei AfD-Wählern im Stadtsüden. Oliver Wittke ist da skeptisch. „Hohe AfD-Ergebnisse gab es in Gelsenkirchen vor allem in klassischen SPD-Bezirken wie Scholven, die kriegen wir nicht.“ Mit AfD-Kandidaten will er nicht reden. „Ich rede nicht mit Leuten, die Menschen entsorgen und an der Grenze schießen wollen.“

Kritik am Umgang der Banken mit kleinen Unternehmen

Ferdinand Trinidade ist nicht nur glücklich mit der CDU-Politik. „Ich bin am Kunstmarkt aktiv und kann meine deutschen Kulturgüter nicht mehr veräußern. Die Sachen haben sehr stark an Wert verloren nach dem Verkaufsverbot,“ klagt er. Außerdem seien kleine Unternehmen unzufrieden, weil sie keine Bankkredite mehr bekommen. Auch dass es bis heute nicht gelungen sei, Großkonzerne wie Google und Amazon zum Steuernzahlen in Deutschland zu zwingen, stört ihn.

Endlich Steuern von Großkonzernen eintreiben

Beim Thema Kulturgutschutz hält Wittke dagegen: „Alle Länder schützen ihre Kulturgüter. Das Verbot trifft nur einen sehr kleinen Teil des Kunsthandels. Etwas wie das Evangeliar Heinrich des Löwen muss bei uns bleiben.“ Bei den Krediten räumt er Handlungsbedarf ein und beim Thema Google und Co verweist er auf das Wahlprogramm, das einen Staatsminister im Kanzleramt für Digitalisierung vorsehe, damit künftig schnell und ohne interministerielle Hürden gehandelt werden könne. Überhaupt: Gegen allgemeine Unzufriedenheit helfe die Stärkung kleiner Einheiten, von der Familie über den Verein bis zu Unternehmen am besten. Das stehe ebenfalls im Programm.

Kritik an der Bezeichnung „Ehe“ für Partnerschaften

Beim Umgang mit dem Thema Familie sieht Hans-Georg Evers Verbesserungsbedarf. „Dass wir bei der Gleichstellung der Partnerschaften den Begriff ‘Ehe’ verwenden, finde ich nicht in Ordnung. Die Ehe verstehe ich als christlichen Begriff.“ Er habe nichts dagegen, Partnerschaften rechtlich gleich zu stellen, wenn Menschen füreinander Verantwortung übernehmen; es gehe um die Bezeichnung als „Ehe“.

Gastgeber Heinrich Karl Klein schaltet sich hier ein: „Das fand ich bei Angela Merkel, von der ich ohnehin begeistert bin, so toll: Sie hat die Abstimmung darüber freigegeben, selbst aber klar Stellung bezogen gegen den Begriff ,Ehe’ in dem Zusammenhang.“ Kleins Schwärmen für die Kanzlerin nimmt Wittke als willkommenes Schlusswort. Er will weiter nach Düsseldorf, zum Sommerfest der Landtagsfraktion. Abends daheim muss er noch das Geschirr vom Backen abwaschen – „meine Frau ist auf Klassenfahrt“. Bis zur Bundestagswahl will er noch 15 Kuchen für private Kaffeerunden backen.

>>> Rezept für Walnuss-Schoko-Kuchen à la Wittke

250 Gramm Butter, 200 Gramm Puderzucker, 250 Gramm Mehl, 4 Eier, ½ Päckchen Backpulver, 100 Gramm Walnüsse in Hälften, 100 Gramm geraspelte Schokolade.

Die Butter mit dem Puderzucker schaumig schlagen und nach und nach die Eier dazu geben. Mehl und Backpuver miteinander vermengen. Die Mehlmischung nach und nach uner die Butter rühren. Walnüsse grob mit den Händen zerbröseln und gemeinsam mit der geraspelten Schokolade dazu geben. 50 bis 60 Minuten bei 200 Grad backen.

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