Streik

Öffentlicher Dienst Gelsenkirchen streikt: „Wir sind sauer“

Beschäftigte des öffentlichen Dienstes streiken in Gelsenkirchen für mehr Gehalt. Die Gewerkschaft Verdi hatte zu einer Kundgebung in der Innenstadt aufgerufen.

Beschäftigte des öffentlichen Dienstes streiken in Gelsenkirchen für mehr Gehalt. Die Gewerkschaft Verdi hatte zu einer Kundgebung in der Innenstadt aufgerufen.

Foto: Ingo Otto / FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen.  Bevor die Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst weiter gehen, hat die Gewerkschaft Verdi zum Streik aufgerufen. So lief die Kundgebung.

Sie haben die alten Schilder wieder herausgeholt, die mit der Aufschrift „Wir sind es wert“. Schon bei vorherigen Tarifverhandlungen zwischen den Dienstleistungsgewerkschaften und dem Kommunalen Arbeitgeberverband war diese Botschaft oft zu sehen. Im Corona-Jahr 2020 bekommt dieser Satz noch einmal einen besonderen Stellenwert, findet Iris Jackschat.

Die 53-Jährige ist eine von etwa 100 Verdi-Mitgliedern, die am Dienstag um fünf vor zwölf ihr Protestschild in den nass-grauen Himmel auf dem Heinrich-König-Platz recken. Als Personalrätin bei der Stadt Gelsenkirchen weiß Jackschat von „vielen Kollegen“ zu berichten, „die regelrecht sauer sind.“ Monatelang hätten sie etwa im Gesundheits- oder Ordnungsamt und beim Reinigungsdienst von früh bis spät gearbeitet, seien Mitarbeiter aus anderen Abteilungen eingesprungen und hätten die unter Corona-Dauerstress stehenden Kollegen unterstützt, sogar in anderen Städten habe man Amtshilfe geleistet, so die Gewerkschafterin.

Verdi fordert Erhöhung der Tabellenentgelte um 4,8 Prozent

Nun sei es an der Zeit, dass dieser Einsatz auch angemessen wertgeschätzt werde. „Den warmen Worten und dem Applaus für die systemrelevanten Kollegen müssen jetzt Taten folgen“, fordert ein aufgebrachter Verdi-Sprecher am Mikrofon und erinnert beispielsweise an die Erzieherinnen und Erzieher in den Kindergärten, die auch während des Lockdowns dafür gesorgt hätten, dass etwa Kinder des dringend benötigten medizinischen Personals betreut wurden.

Dass es durchaus auch Kritik an der Arbeitsniederlegung gibt, dass nicht alle damit einverstanden sind, dass ausgerechnet in diesem Jahr einmal mehr Kitas wegen des Streiks am Dienstag geschlossen wurden, obwohl viele Eltern ihren Jahresurlaub schon während des Lockdowns im Frühjahr für die Kindesbetreuung aufgebraucht haben und Großeltern als Kita-Ersatz möglichst gemieden werden sollen, ist auch Verdi-Sprecherin Andrea Bornemann bewusst, wie sie sagt.

„Arbeitgeber tragen die Verantwortung für den Streik“

„Die Verantwortung dafür tragen aber die Arbeitgeber, die im Frühjahr nicht auf unser Angebot eingegangen sind, die Tarifverhandlungen aufs nächste Jahr zu verschieben und den Kollegen dieses Jahr eine Einmalzahlung zukommen zu lassen. Jetzt müssen wir eben streiken“, so Bornemann.

Die dritte Verhandlungsrunde soll am 22. und 23. Oktober in Potsdam laufen. Die Gewerkschaft fordert vor allem eine Erhöhung der Tabellenentgelte um 4,8 Prozent, mindestens aber um 150 Euro monatlich, mindestens 100 Euro monatlich mehr für Auszubildende und eine Laufzeit von zwölf Monaten. Aber auch Forderungen zur Arbeitszeit, besserer Samstagsentlohnung für Krankenhausmitarbeiter und mehr werden gestellt.

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