Historiker

Neuer Leiter des ISG ist Geschichts-Kenner des Ruhrgebiets

Im Wissenschaftspark hat Daniel Schmidt sein Büro und das ISG seinen Sitz. Die Mitarbeiter, sagt der Historiker, seien „ein Superteam. Das hat mir auch sehr geholfen in der nicht ganz einfachen Phase des Übergangs.“

Im Wissenschaftspark hat Daniel Schmidt sein Büro und das ISG seinen Sitz. Die Mitarbeiter, sagt der Historiker, seien „ein Superteam. Das hat mir auch sehr geholfen in der nicht ganz einfachen Phase des Übergangs.“

Foto: Frank Oppitz

Gelsenkirchen.   Daniel Schmidt wird neuer Leiter des Instituts für Stadtgeschichte. Der promovierte Historiker ist Experte für das Ruhrgebiet und die NS-Zeit.

Seit 2012 arbeitet Daniel Schmidt als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am ISG, dem Institut für Stadtgeschichte. Nun wechselt er an die Spitze des Instituts und tritt die Nachfolge von Prof. Stefan Goch an, der Anfang September als stellvertretender Leiter in die Planungsgruppe für das Haus der Geschichte NRW gewechselt ist.

Der Besetzungs-Vorschlag für die Bestellung war für Annette Berg nach dieser Zeit naheliegend: „Ich habe Herrn Schmidt als sehr engagierten und eloquenten Historiker kennengelernt, vor allem natürlich als Experten für die Zeit des Nationalsozialismus“, so die Bildungs- und Kulturdezernentin.

Seine Heimat ist Inhalt seiner Bücher

Daniel Schmidt, Jahrgang 1977, stammt aus dem Ruhrgebiet und hat sich in seiner Laufbahn immer mit dem Ruhrgebiet beschäftigt. Auch in Gelsenkirchen: Dauerausstellungen und Fachtagungen hat er in dieser Zeitspanne konzipiert und begleitet, (Lese-)Bücher zur Stadtgeschichte herausgebracht, den Katalog zur 2015 runderneuerten Dauerausstellung „Gelsenkirchen im Nationalsozialismus“ für die Erler Dokumentationsstätte erarbeitet.

Seine Schwerpunktthemen: Migrations-, Sozial- und Zechengeschichte, Geschichte der Arbeitswelt, Folgen und Veränderungen der Industrialisierung – auch ausgelöst durch die NS-Zeit, für Schmidt „ein Pflichtthema“, mit dem sich das Institut weiter intensiv befassen werde. Wichtig ist ihm auch, die Dokumentationsstätte mit ihrer sehenswerten Dauerausstellung noch stärker in das städtische Bewusstsein zu holen und als außerschulischen Lernort zu stärken.

Geschichte mit lokalem Fokus

Der lokale Fokus bietet Schmidt durchaus Perspektiven, auch wenn Historiker aktuell eher zur internationalen Betrachtung neigten: „Geschichte findet nicht nur an Hotspots statt“, alle Geschichte, „die passiert, passiert auch in der Stadt, dementsprechend steht einem das gesamte Feld der Geschichte offen“, schlägt der promovierte Historiker aus lokaler Sicht einen weiten Bogen und ist überzeugt, dass „die neue Aufgabe einem viele thematische Freiheiten gibt“.

15 Stellen hat das Institut mit dem angeschlossenen Stadtarchiv insgesamt. Der Sitz ist im Wissenschaftspark. Auch hier hat Schmidt den Anspruch, dass das Archiv künftig noch mehr ein Ort werden soll, an dem Geschichte erfahrbar wird. Archive bergen aber noch eine ganz andere Herausforderung – als öffentliche Gedächtnisspeicher stehen sie vor radikalen Veränderungen.

Die Digitalisierung wird die Aufgabe der Zukunft sein, und Gelsenkirchen als Modellkommune eine der Pionierstädte, zum Beispiel wenn die digitale Akte kommt. „Wir brauchen neue Speichermedien und müssen Wege finden, wie wir Metadaten dauerhaft zugänglich machen“, sagt Schmidt und glaubt, dass eine Lösung nur im Verbund möglich ist.

Zeitzeugenprojekt geplant

Mehr oder weniger unbeackert ist noch die jüngere Zuwanderungsgeschichte. Sie gelte es zu erforschen, besonders da sie ja die eigenen Erfahrungen und Familiengeschichten vieler Gelsenkirchener unmittelbar betrifft. Zudem plant Schmidt ein Zeitzeugenprojekt: „Wir wollen mit den Menschen ihre Erinnerungen als historischen Schatz sichern und für zukünftige Forschungen zur Verfügung stellen.“

Weitergeführt werden ebenso die Projekte mit Schulen und (bisher vier) Bildungspartnerschaften, die erfolgreich laufen. Aktuell beschäftigen sich Max-Planck-Gymnasiasten mit der Geschichte des Bergbaus und werden dabei historisch durch das ISG gecoacht.

>>> Experte für neue deutsche Geschichte

Neuere und neueste Geschichte, Politikwissenschaften und Philosophie in Münster hat Daniel Schmidt studiert und 2007 mit einer Arbeit über die preußische Schutzpolizei im Ruhrgebiet zum Dr. phil. promoviert. Acht Monographien und Sammelbände sowie über 40 Beiträge in Fachzeitschriften hat Schmidt bislang veröffentlicht.

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