ÖPNV

Neue Bahnverbindungen für Gelsenkirchen ab 2019

Die S-Bahn-Linie 2 von Duisburg nach Dortmund soll ab 2019 laut VRR von einer Regionalbahn bedient werden – was auch in Gelsenkirchen zu schnelleren Wegen führen soll.

Foto: Martin Möller

Die S-Bahn-Linie 2 von Duisburg nach Dortmund soll ab 2019 laut VRR von einer Regionalbahn bedient werden – was auch in Gelsenkirchen zu schnelleren Wegen führen soll. Foto: Martin Möller

Gelsenkirchen.   Der Nahverkehr in Gelsenkirchen wird Ende 2019 neu aufgestellt. Mehr Züge und schnellere Verbindungen sollen die Bürger mobil machen

Der Nahverkehr in Gelsenkirchen ist in Bewegung: Bis zum Sommer des nächsten Jahres will die Stadt ihren Nahverkehrsplan (mit leichter Verspätung) fortschreiben. Der Verkehrsverbund Rhein Ruhr (VRR) mit Sitz in Gelsenkirchen ist schon etwas eher dran – diverse Gremien werden in diesen Tagen über den aktuellen Nahverkehrsplan des Verbundes abstimmen, der – vor allem in Hinblick auf den Zugverkehr – auch Gelsenkirchen betrifft.

Vor allem Pendler dürften die geplanten Veränderungen begrüßen: So soll die zentrale West-Ost-Verbindung des Regionalexpresses RE 3 von Dortmund nach Duisburg, die den Gelsenkirchener Hauptbahnhof mit beiden Städten verbindet, durch einen Streckenausbau um zehn Minuten beschleunigt werden. „Und es wird mit der Taktumstellung ab Dezember 2019 eine neue Linie Regionalbahn 32 entstehen, die die S2 zwischen Duisburg und Dortmund ersetzen soll. Sie wird von Gelsenkirchen aus die gleiche Strecke wie der RE 3 fahren, so dass hier der Takt von ein Mal pro Stunde auf zwei Mal pro Stunde erhöht werden kann“, erklärt Dino Niemann vom VRR. Zum gleichen Zeitpunkt soll auch die „Hertener Bahn“ zwischen dem Bahnhof Buer-Nord und Recklinghausen wieder reaktiviert werden.

Der neue Rhein Ruhr Express (RRX) gibt den Takt vor

Diskutiert wird beim VRR laut vorläufigem Nahverkehrsplan zudem eine Angebotsausweitung der „Haltepolitik in Gelsenkirchen Rotthausen“ – dieser Bahnhof könnte ab 2019 zwei Mal statt ein Mal pro Stunde angefahren werden.

Das Rückgrat der Verkehrswege im Revier soll künftig der Rhein-Ruhr-Express (RRX) bilden, der zwar keinen direkten Halt in Gelsenkirchen erhält. Doch alle hier verkehrenden Nahverkehrsbahnen sollen auf die RRX-Takte abgestimmt werden. Die entsprechenden Umstellungen der Nachbarstadt Bochum werden sich auch auf den hiesigen Bus- und Straßenbahnverkehr auswirken, etwa die geplante Taktverdichtung der Straßenbahnlinie 302 (die WAZ berichtete) und die Einführung einer zusätzlichen Straßenbahnlinie 300 zwischen der Haltestelle Heinrich-König-Straße und Bochum Hauptbahnhof.

Gelegenheit für Bürgerbeteiligungen auch online

Eine Umstellung plant Bochum auch für die Buslinie 389, die Wattenscheid-Höntrop mit dem Gelsenkirchener Hauptbahnhof verbindet: Die Linie soll – nach Bochumer Plan – künftig nur noch zwei Mal statt drei Mal pro Stunde fahren. Damit erschwert sich für Gelsenkirchener die An- und Abfahrt zum Marienhospital in Ückendorf und zum Halfmannshof, da dies die einzige Buslinie ist, der die Orte anfährt.

Der Bochumer Nahverkehrsplan wird hinter den Kulissen bereits kräftig diskutiert, die Stadt Gelsenkirchen will ihre Bürger ebenfalls in die Planungen für einen neuen Nahverkehrsplan einbinden: Bereits für April/Mai sind öffentliche Informationsveranstaltungen (zunächst im Rathaus Buer, dann im Hans-Sachs-Haus in der Altstadt) vorgesehen, in denen Bürger ihre Anregungen und Kritikpunkte zu den neuen Plänen anbringen können. Dies soll zudem auch über eine neu gestaltete Internetplattform der Stadt möglich sein. Diese soll interessierte Bürger unter anderem über die Hintergründe und die Fortschreibung des Nahverkehrsplans informieren. „Diese Seite ist noch in Arbeit und wird voraussichtlich im April freigeschaltet“, erklärt Stadtsprecher Martin Schulmann. Der genaue Zeitpunkt werde in Kürze bekannt getgeben. Nicht internet-affine Bürger sollen sich an der Diskussion auch auf dem Postweg oder per Fax beteiligen können.

Stadt wehrt sich gegen den Vorwurf der Verschleppung

Die Stadtverwaltung wehrt sich indes gegen den Vorwurf (unter anderem aus den Reihen Linkspartei), die Bürgerbeteiligung „verschleppt“ zu haben.

„Die Maßnahmen aus dem neuen Nahverkehrsplan werden – ebenso wie bei der Stadt Bochum – erst in 2019, das heißt nach Inkrafttreten der geplanten Direktvergabe der Verkehrsleistungen an die Bogestra AG, umgesetzt. Somit ist sichergestellt, dass unter anderem die Maßnahmen aus den beiden Nahverkehrsplänen (zum Beispiel das kommunale Schienennetz 2020) gemeinsam und zeitgleich in Gelsenkirchen und Bochum umgesetzt werden. Insofern ist es auch nicht von Nachteil, dass die Stadt Gelsenkirchen ihren Nahverkehrsplan später als Bochum fertigstellt“, heißt es von Seiten der Stadt.

Die Zukunftsvisionen für den ÖPNV

Ein Nahverkehrsplan muss nicht nur den Bus- und Bahnverkehr in einer Stadt regeln, sondern auch Aspekte wie Barrierefreiheit, Umweltschutz oder Bevölkerungsentwicklung berücksichtigen. Der VRR hat sich daher bei seiner Nahverkehrsplanung auch auf die Hinweise der von der Landesregierung NRW eingesetzten ÖPNV-Zukunftskommission berufen. Und die sieht durch die demografischen Veränderungen in den kommenden Jahren deutlich geänderte Anforderungen an den öffentlichen Personennahverkehr.

So würden aufgrund der demografischen Entwicklung in den Städten zwar auch für Gelsenkirchen deutlich weniger Einwohner erwartet. Dies bedeutet aber nach Aussagen der ÖPNV-Zukunftskommission nicht automatisch weniger Bedarf bei den Beförderungsfahrten: Durch eine Zusammenlegung von Schulstandorten und einer zunehmenden Zentralisierung von Versorgungs- und Sozialeinrichtungen etwa würden sich – so die Kommission in ihrem Bericht – in Zukunft für viele Bürger längere Wege ergeben, die nicht mehr unbedingt zu Fuß zu bewältigen seien. Dies führe „zum Teil in Summe sogar zu mehr Verkehrsbedarf“, hat die ÖPNV-Zukunftskommission herausgefiltert.

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