Neue Philharmonie Westfalen

Neue Philharmonie Westfalen plant außergewöhnlichen Neustart

Musiker der Neuen Philharmonie Westfalen und Generalmusikdirektor Rasmus Baumann (stehend) bei einem ihrer letzten Konzerte vor der Corona-Krise im Februar 2020 im Gelsenkirchener Musiktheater im Revier.

Musiker der Neuen Philharmonie Westfalen und Generalmusikdirektor Rasmus Baumann (stehend) bei einem ihrer letzten Konzerte vor der Corona-Krise im Februar 2020 im Gelsenkirchener Musiktheater im Revier.

Foto: Michael Korte / FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen.  Hinter der Neuen Philharmonie Westfalen liegt eine denkwürdige Spielzeit. Nun ist ein besonderer Neustart in Gelsenkirchens Musiktheater geplant.

Mit Beginn der Corona-Pandemie geriet auch der Rhythmus der Neuen Philharmonie Westfalen komplett aus dem Takt. Klangvolle Harmonie nach Noten wich ab März der lähmenden Stille. Wie so viele Kulturschaffende in Gelsenkirchen aber machte auch das Orchester nach und nach aus der Not eine Tugend, ging zunächst mit Videos ins Internet, später mit kleinen Formationen vor Publikum ins Freie.

Die Neue Philharmonie Westfalen plant außergewöhnlichen Neustart

Jetzt geht eine denkwürdige Spielzeit zu Ende, und Generalmusikdirektor Rasmus Baumann plant einen ebenso außergewöhnlichen Neustart im September.

Mit Optimismus, aber auch mit jeder Menge Kopfschmerzen: „Die Corona-Schutzverordnung für Orchester hat sich in den letzten Wochen gleich mehrfach geändert, das erschwert die Planung ungeheuer.“ So galt bis Ende Mai für die Bühnenproben ein Mindestabstand zwischen den Musikern von 1,50 Metern.

Alle Planung war plötzlich hinfällig

Am 30. Mai dann verlangte die NRW-Landesverordnung einen Abstand von zwei Metern, unabhängig davon, ob es sich bei den Musikern um Streicher oder Bläser handelt. Der Dirigent reagierte damals schockiert: „Das zog mir plötzlich den Boden unter den Füßen weg, denn alle Planung war hinfällig.“ Auch wenn die Bühne des Musiktheaters groß ist, bei einem solchen Abstand reduziert sich die mögliche Besetzung und damit das Repertoire doch drastisch.

Aber auch mit der Situation hat sich der Chefdirigent inzwischen arrangiert. „Ich habe gleich vier Alternativen für die ersten Konzerte im September und Oktober entwickelt.“ Zunächst bleibt die ursprüngliche Planung für den Start am 14. September stehen. Dann steht Ludwig van Beethovens Schauspielmusik „Egmont“ und Robert Schumanns Sinfonie Nr. 2 auf dem Plan. Als Sprecher ist der prominente Schauspieler Dominique Horwitz eingeladen, den Gesangspart soll die ehemalige Opernsängerin am MiR, Dorin Rahardja, übernehmen.

Es wurde vorgesorgt - mit gleich drei alternativen Programmen

Sollte dieses Programm nicht realisiert werden können, hat der Maestro mit gleich drei alternativen Programmen vorgesorgt: „Ich plane mit 46, 33 oder 26 Musikern auf der Bühne.“ Mal ist eine Pause vorgesehen, mal nicht, je nachdem, wie sich die aktuelle Corona-Lage im September darstellt. Zur Not gibt’s ein Programm für ein Kammerorchester. „Fürs Abstandmessen haben wir inzwischen einen 1,50 und einen Zweimeter-Stock parat liegen.“

Ein 2. Sinfoniekonzert mit mehreren Alternativen peilt Baumann für den 5. Oktober an, den Jahresrest lässt er erst einmal offen. Der 46-jährige GMD aber freut sich trotz aller Probleme zusammen mit seinem Orchester, wenn es denn überhaupt wieder auf die Bühne gehen kann: „Wir haben alle eine große Sehnsucht, wieder vor Publikum zu musizieren.“

Das Programm für die übernächste Spielzeit steht bereits

Seit seinem Abitur, sagt Rasmus Baumann, habe er noch nie eine so lange Zeit ohne Live-Musik verbracht. Einen winzigen Vorteil hatte der Lockdown aber auch für den Planer am Pult: „Das Programm für die übernächste Spielzeit steht bereits.“

NPW-Marketing-Chefin Lioba Krause sorgte in den letzten Tagen für zumindest Mini-Musikevents in den drei Trägerstädten: „Wir haben Senioreneinrichtungen angesprochen, um in Gärten und Innenhöfen kleine Konzerte geben zu können. Die gerieten auf Anhieb zu einem Riesenerfolg“, bilanziert Krause. „Über 30 Konzerte haben Solisten und Duos gegeben.“

Konzerte in Senioreneinrichtungen soll es weiterhin geben

Die beiden letzten fanden in der ASB-Einrichtung am Bergmannsheil Buer mit Flötistin Kathrin Jöris und dem Geiger Markus Wallrafen und im Evangelischen Seniorenstift in der City mit den Violinistinnen Kristin Fournes-Schleich und Sophie Kühn statt.

Auch Baumann faszinieren die positiven Reaktionen auf diese Konzerte: „Das wollen wir in Senioreneinrichtungen in Zukunft möglichst weiterhin anbieten. Hier wohnen ja zumeist Menschen, die nicht mehr ins Opernhaus kommen können.“

Videos der Neuen Philharmonie gibt es auf der Homepage und Youtube

Für die und alle anderen bietet die Neue Philharmonie Westfalen derzeit auch Videos auf ihrer Homepage oder Youtube an. Rasmus Baumann zum Beispiel führt unter dem Titel „NPW Backstage“ durch das Probenzentrum im ehemaligen Straßenbahn-Depot in Recklinghausen, öffnet jede Menge Türen und präsentiert, was sich dahinter verbirgt.

Unter „NPW stayathome“ erklingen spannende musikalische Perlen. Daran können sich Musikfreunde nun auch in der Theaterpause erfreuen, die am Musiktheater im Revier begonnen hat und im September wieder enden soll.

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