Sinfoniekonzert

Neue Philharmonie überzeugt mit Sound der freien Welt

Die Neue Philharmonie Westfalen überzeugte unter der Leitung von Rasmus Baumann mit dem ersten Sinfoniekonzert der neuen Saison im Musiktheater Gelsenkirchen.

Die Neue Philharmonie Westfalen überzeugte unter der Leitung von Rasmus Baumann mit dem ersten Sinfoniekonzert der neuen Saison im Musiktheater Gelsenkirchen.

Foto: Barbara Zabka

Gelsenkirchen.   Die Neue Philharmonie Westfalen widmete sich im 1. Sinfoniekonzert der neuen Saison wunderbaren Werken, die sich mit Politik auseinandersetzen.

Punktlandung! Besser hätte ein Konzertkonzept zur Eröffnung der Spielzeit der Neuen Philharmonie Westfalen kaum gewählt und umgesetzt werden können. Noch am Sonntag standen sich in der Gelsenkirchener City Rechtspopulisten und Gegendemonstranten gegenüber und nur einen Tag später dokumentierte das Landesorchester im Musiktheater im Revier eindrücklich, wie Kultur auf Gesellschaftszustände zu reagieren vermag.

Sinnstiftender Abend

Ein sinnstiftender, anregender Abend mit aufregenden Werken: Das 1. Sinfoniekonzert der Saison hatte Generalmusikdirektor Rasmus Baumann unter das Thema „Politik“ gestellt. Orchester und Dirigent zelebrierten ein großartiges, intensives Konzerterlebnis mit einem außergewöhnlichen Gast, dem Schauspieler August Zirner. Der sprach eindringlich und berührend, doch ohne ins Pathos abzugleiten, die Zitate in Coplands „Lincoln Portrait“.

Das Konzert begann mit einer schrillen, ironischen Verhöhnung des russischen Diktators Stalin, dem Dmitri Schostakowitsch 1945 mit seiner neunten Sinfonie mutig musikalisch eine lange Nase zeigte. Als Gegenstück dazu erklang die Hommage von Aaron Copland an den aufrichtigen amerikanischen Präsidenten und Menschenrechtler Abraham Lincoln (1809-1865).

Beide Werke spiegeln die politischen Katastrophen ihrer Zeit und die Reaktionen der Künstler wider. Copland setzte dem großen Demokraten Lincoln, der einst die Sklaverei abschaffte, im Kriegsjahr 1942 ein Denkmal, und Schostakowitsch, selbst im Würgegriff der Macht, entlarvte den Machthaber mit beißendem Witz statt Pomp.

Scharfe Töne und geschliffene Einsätze

Die Neue Philharmonie Westfalen drehte im ersten Konzertteil glänzend inspiriert und bestens vorbereitet auf. Unter der Leitung von Rasmus Baumann punkteten in Schostakowitschs Sinfonie vor allem die Bläser mit scharfen Tönen und geschliffenen Einsätzen.

Die betont einfachen Motive im Stile einer Zirkusnummer im ersten Satz ließen selbst so manchen Musiker schmunzeln. Später verschatteten melancholische Klänge die schräge Ausgelassenheit, bevor am Ende ein gewaltiger Kehraus das turbulente Treiben beendete.

Zitate von Lincoln erzählen von Toleranz

Mit nahezu filmmusikalischer Opulenz und Schönheit huldigt Cop­lands Komposition den Werten der freien Welt, von der Neuen Philharmonie brillant und mit emotionaler Tiefe zum Klingen gebracht. Der prominente und fernsehbekannte Schauspieler August Zirner sprach, mikronverstärkt, über die Musik Zitate von Lincoln, die von Freiheit, Toleranz, und Demokratie erzählen.

Nach so viel sattem Sound der amerikanischen Moderne wirkte der zweite Konzertteil fast wie ein Bruch. Mit Ludwig van Beethovens großartiger 3. Sinfonie, der Eroica, konnte die Philharmonie dann nur noch bedingt punkten.

>>> Die Aufführungen und die Tickets

Wer das Sinfoniekonzert verpasst hat: Es erklingt am heutigen Mittwoch um 19.30 Uhr noch einmal in der Konzertaula Kamen, am 20. September, 19.30 Uhr, im Kulturzentrum Herne und am 29. September in Wesel.

Das 2. Sinfoniekonzert im Musiktheater findet am Montag, 15. Oktober, um 19.30 Uhr statt. Das steht dann unter dem Motto „d-moll“ mit Werken von Brahms, Mozart und Sibelius. Infos und Karten: 0209 4097 200.

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