Kultur & Musik

Neue Philharmonie stellt Programm für Spielzeit 2020/21 vor

Rasmus Baumann, der Generalmusikdirektor der Neuen Philharmonie Westfalen, will die kommende Spielzeit 2020/21 auch dazu nutzen, um im Beethoven-Jahr ganz besondere Werke des Titans zu präsentieren.

Rasmus Baumann, der Generalmusikdirektor der Neuen Philharmonie Westfalen, will die kommende Spielzeit 2020/21 auch dazu nutzen, um im Beethoven-Jahr ganz besondere Werke des Titans zu präsentieren.

Foto: Oliver Kleine

Gelsenkirchen.  Neue Philharmonie Westfalen stellt ihre Pläne für die Spielzeit 2020/21 vor. Generalmusikdirektor Rasmus Baumann erwartet spannende Gäste.

Die Bühne verwaist, die Musikerpulte so leer wie der komplette Probensaal. Ob die Neue Philharmonie Westfalen (NPW) die aktuelle Spielzeit mit dem 9. Sinfoniekonzert im Juni überhaupt zu Ende bringen kann, ist sehr unwahrscheinlich. Stattdessen aber steht nun zumindest die Planung für die kommende Spielzeit 2020/21. Das Programmheft liegt vor, die Konzert-Pläne klingen aufregend und vielversprechend. Doch auch für die nächste Saison, die am 22. August eröffnet werden soll, bleibt die Lage in der Corona-Krise spielentscheidend.

Generalmusikdirektor Rasmus Baumann hofft auf eine Verbesserung der Situation: „Wir leben vom Live-Erlebnis, von der Begegnung mit dem Publikum. Das fehlt jetzt schon sehr.“ Dennoch weiß der Chefdirigent um die Schwierigkeiten: „Das Orchester sitzt normalerweise sehr eng beieinander. Das geht jetzt natürlich nicht.“ So bleibt zunächst einmal der Blick in die Zukunft und aufs neue Programm.

Beethoven bildet zu Beginn der neuen Spielzeit den Schwerpunkt

Das steht zu Beginn ganz im Zeichen Ludwig van Beethovens, dessen 250. Geburtstag die Musikwelt in diesem Jahr feiert. „Mein Ziel ist es nicht, möglichst viel Beethoven zu spielen, sondern ganz besondere Werke in ganz besonderen Kombinationen.“ Denn der Titan sei einfach mehr als „Tatatataaa“ und „Für Elise“. Das dokumentiert gleich das erste Sinfoniekonzert am 14. September im Musiktheater im Revier. Unter dem Titel „Himmelhoch jauchzend…“ trifft Beethovens Egmont-Schauspielmusik auf Robert Schumanns Sinfonie Nr. 2. Mit dabei sollen dann zwei ganz besondere Gäste sein: Zum einen das ehemalige MiR-Ensemblemitglied Dorin Rahardja, inzwischen Sopranistin am Staatstheater Mainz, dem Ruhrgebiet aber weiter eng verbunden, und der prominente Schauspieler Dominique Horwitz.

Zu einer „Landpartie“ lädt das Orchester am 5. Oktober mit Beethovens Sinfonie Nr. 6, der „Pastorale“, ein. In die Weite der Natur Skandinaviens entführen der dänische Komponist Niels Wilhelm Gade („Sommertag auf dem Lande“) und der Finne Einojuhani Rautavaara mit „Dances with the Winds“. Als einen der Höhepunkte der Saison empfiehlt Baumann das 3. Sinfoniekonzert am 9. November, wenn unter dem Motto „Krieg und Frieden“ Beethovens „Wellingtons Sieg oder die Schlacht bei Vittoria“ auf Dmitri Schostakowitschs Sinfonie Nr. 7, der „Leningrader“, trifft. Ein Fanal gegen die Barbarei des Zweiten Weltkriegs.

Drei junge, erfolgreiche Pianistinnen zu Gast in Gelsenkirchen

Gleich einige beachtliche Gastsolisten konnte Baumann für Konzerte mit der Neuen Philharmonie gewinnen, darunter allein drei junge und bereits sehr erfolgreiche Pianistinnen. Die erste Begegnung findet am 7. Dezember mit der deutsch-italienischen Solistin Sophie Pacini statt. Die Beethoven-Botschafterin des Bayerischen Rundfunks ist geradezu berufen, gemeinsam mit der NPW Beethovens Konzert für Klavier und Orchester Nr. 5 zu interpretieren. Am Pult steht Simon Gaudiz, GMD der Philharmonie Jena.

Am 18. Januar widmet sich die Pianistin Claire Huangci Frederic Chopins hauchzartem 1. Klavierkonzert. Das Werk trifft auf Tschaikowskys Sinfonie Nr. 3, die „Polnische“. Und auch die Begegnung mit einem weniger bekannten Werk ermöglicht die Neue Philharmonie einmal mehr, hier mit Karol Symanowskis Konzertouvertüre E-Dur.

Eines der schönsten und bekanntesten Violinkonzerte erklingt am 8. Februar, wenn Maria Duenas das 1. Violinkonzert von Max Bruch spielt. Unter dem Motto „Antipoden“ stehen zudem Franz Liszts „Les Preludes“ und Johannes Brahms‘ 3. Sinfonie auf dem Programm.„Very british“ wird es am 15. März mit Edward Elgar (Konzert für Violoncello und Orchester op. 85) und Ralph Vaughan Williams (Sinfonie Nr. 2). Mit der russischen Pianistin Olga Scheps gastiert am 12. April eine der großen ihrer Zunft im Musiktheater (Clara Schumann, Konzert für Klavier und Orchester), die estnische Dirigentin Anu Tali steht am Pult.

Musik auch für die Fans der 90er und alle Cineasten

Mit „Hörnerschall“, Pauken und Trompeten und Richard Strauss‘ Konzert für Horn und Orchester Nr. 2 wird die Sinfoniekonzertreihe am 28. Juni beendet. Aber auch in der nächsten Saison bietet das Orchester weit mehr als das: Die Sparkasse Gelsenkirchen präsentiert ab 20. September im Hans-Sachs-Haus vier Sonntagskonzerte, die sich vor allem dem Werk Mozarts widmen. Klassik-Dialoge erklingen auf Einladung des Vereins Kek (Kunst entdeckt Kirche) ab 13. September in der Matthäuskirche.

Und natürlich sind auch für die nächste Saison „MiR goes …“-Konzerte geplant. „MiR goes Pop“ heißt es mit Musik aus den 90ern am 19. November und 6. Dezember. „MiR goes Film“ lockt am 30. Mai die Cineasten. Und vielleicht, wenn die Corona-Krise dann hoffentlich längst Geschichte sein wird, könnte die Operettengala ab 30. April ein ganz besonderer Höhepunkt werden. Sie steht unter dem sehnsuchtsvollen Motto „Das muss ein Stück vom Himmel sein!“

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