Sonntagskonzert

Neue Philharmonie schafft in Gelsenkirchen Glücksgefühle

Der erst 17 Jahre junge Pianist Robert Neumann zauberte am Konzertflügel, obwohl das Instrument selbst ein wenig zu wünschen übrig ließ. Foto:Heinrich Jung

Der erst 17 Jahre junge Pianist Robert Neumann zauberte am Konzertflügel, obwohl das Instrument selbst ein wenig zu wünschen übrig ließ. Foto:Heinrich Jung

Gelsenkirchen-Altstadt.   Musikalische Glücksgefühle an einem verregneten Sonntag: Der Neuen Philharmonie Westfalen gelang das in Gelsenkirchen mit ihrer Matinée.

Gastdirigent Werner Ehrhardt machte es spannend am Sonntag im Hans-Sachs-Haus. Der Kölner ließ die Musiker der Neuen Philharmonie und das Publikum mehrere Minuten in kompletter Stille warten, bevor er endlich die Bühne zum Matinee-Konzert betrat. Vielleicht gehörte auch das zu den „Mannheimer Manieren“. Auf dem, für die Zuhörer fehlenden, Programmzettel standen vier Komponisten, die im 18. Jahrhundert am Hofe des kunstsinnigen Kurfürsten Karl Theodor musizierten und mit der „Mannheimer Schule“ den Weg zur modernen Sinfonie ebneten.

Carl Philipp Stamitz’ Sinfonie d-moll jedenfalls entschädigte sofort mit einem fluffigen „presto“, da wechselten donnerbrausende Hörner mit lieblichen Sonnenstrahl-Streichern, eine lebendige Wetter-Klangwolke, die angenehm den grauen Nieselregen draußen vergessen ließ. Drei herrlich effektvolle Sätze mit unzähligen Crescendi-Descrescendi, genau das Richtige für einen trüben Sonntagmorgen.

Sturm und Drang von einem 17-Jährigen interpretiert

Das anschließende Konzert für Klavier und Orchester Nr. 9 von Wolfgang Amadeus Mozart brachte intensive Emotionen in den Saal. Der siebzehnjährige Robert Neumann interpretierte den modernen „Sturm und Drang“ Stil in Perfektion, punktgenaue Dialoge mit den Orchestermusikern, anmutige Oboen warfen ihm gefühlvoll die Einsätze zu, die Streicher bereiteten großflächig die langen Solo-Passagen am Klavier vor.

Der zweite Satz eröffnete Klangebenen, die auf eine Zeit weit nach Mozart hinwiesen, Neumann zauberte unglaublich zärtliche „pianissimi“. Schade nur, dass der kleine Konzertflügel etwas harsch im Raum verhallte, da hätte das junge Ausnahmetalent ein besseres Instrument verdient gehabt.

Mannheimer Raketen in die Luft geschossen

Der Faden der feinen „Unterhaltungsmusik“ vergangener Zeiten spann sich nach der Pause mit Christian Cannabichs Sinfonie Es-Dur weiter. Ehrhardt ließ das Orchester schwungvoll „Mannheimer Raketen“ in die Luft schießen, die Streichersektionen glänzten mit präsenter Dynamik. Noch mehr Dramatik brachte die Sinfonie in g-moll von Anton Fils. Vier Sätze unterschiedlichster Couleur, teils mit einer Dichte, die Vorreiter einer späteren Epoche waren.

Gut vorstellbar, dass die Musikgeschichte durch den frühen Tod des Komponisten einen großen Verlust erlitten hat. Am Ende der zweistündigen Matinée viel verdienter Applaus für die Neue Philharmonie Westfalen. Was vor gut 250 Jahren bei den wöchentlichen Akademie-Konzerten in Mannheim funktionierte ist auch heute in Gelsenkirchen einfach nur wunderschön.

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