Inklusionsbetriebe

Neue Nischen in Gelsenkirchen für Arbeit mit Handicap

Blick in die Werkstätten der Dachorganisation St. Georg, drittgrößtes Inklusions-Unternehmen in NRW, das Menschen mit Handicap in Arbeit und Qualifikation bringt. Im Bild: Aygül Alagoez mit Bereichsleiterin Petra Keggenhoff.

Blick in die Werkstätten der Dachorganisation St. Georg, drittgrößtes Inklusions-Unternehmen in NRW, das Menschen mit Handicap in Arbeit und Qualifikation bringt. Im Bild: Aygül Alagoez mit Bereichsleiterin Petra Keggenhoff.

Foto: Ralf Rottmann

Gelsenkirchen.   Neuer Dienst „Zabi“ unterstützt Menschen mit Assistenzbedarf. Hilfe für die, die sonst durch das Raster fallen. Anschubförderung: 300.000 Euro.

Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung sinken, nichtsdestotrotz ist es immer noch ungleich schwerer, Menschen mit Assistenzbedarf ins Erwerbsleben einzugliedern. Insbesondere jene Menschen, die mangels fehlender formaler Zugangskriterien wie beispielsweise ein festgestellter „Grad der Behinderung“ durch das Raster für eine zusätzliche Unterstützung und Förderung fallen.

Diese Lücke im System will nun das Sozialwerk St. Georg und die dazugehörige Tochter Intzeit-Arbeit mit „Zabi“ schließen. Hinter dem Kürzel verbirgt sich das neue „Zentrum für ambulante betriebliche Inklusion“, dessen Start von drei Partnern – die Aktion Mensch, die Ruhrkohle AG und die Versicherungsgruppe Rheinland – über den Zeitraum von drei bis fünf Jahren mit 300.000 Euro Fördergeld angeschoben wird.

Das Besondere: „Das Angebot bezieht sich nicht nur auf Klienten des Sozialwerks und seiner Tochterfirmen, sondern ist offen für den kompletten Sozialraum Gelsenkirchen“, sagt Thomas Grigo, Geschäftsführer von Intzeit-Arbeit.

Wege in den Arbeitsmarkt ebnen

„Es begegnen uns stetig Menschen, die durchs Raster fallen“, erklärt dazu auch Linda Wuttke. Als Beispiel nennt die Zabi-Projektleiterin Menschen mit sozialen Schwierigkeiten, psychischen Erkrankungen oder einer Autismus-Spektrums-Störung. Ihnen will das Projekt Wege in Betriebe des allgemeinen Arbeitsmarktes ebnen. Praktika und Hospitationen gehören dabei ebenso zum Leistungsspektrum des Zentrums wie niederschwellige Qualifizierungsangebote. left

Für den Lückenschluss braucht es zudem eng kooperierende Partner. Deshalb sollen bereits vorhandene Kontakte des Sozialwerks zu Betrieben und weiteren Netzwerkpartnern wie der Stadt Gelsenkirchen, der Agentur für Arbeit und dem Integrationscenter für Arbeit gezielt weiterentwickelt werden. Große Hoffnungen setzt das Sozialwerk auch auf einen Unternehmertreff am 11. April, der Betrieben neue Möglichkeiten aufzeigen will– zum einen, um die Arbeitsverdichtung für Fachkräfte zu entzerren, und zum anderen, um Beschäftigungsnischen für Menschen mit Handicap zu schaffen.

Handwerkgehilfen und Alltagshelfer

Dazu plant Zabi ein Bildungsangebot zum Handwerksgehilfen. Dabei sollen Grundfertigkeiten vermittelt werden, so dass die so Qualifizierten in der Lage sind, Handwerkern aus ganz verschiedenen Bereichen zur Hand zu gehen. Hier bietet die Intzeit-Arbeit durch ihren breit aufgestellten Dienstleistungssektor (Gastronomie, Garten- und Landschaftspflege, Maler, Lackierer, Hausmeister etc.) verschiedene Möglichkeiten, trotz Handicap sich praktisch auszuprobieren und erste Erfahrungen zu sammeln.

„Ein weiteres Beispiel ist der Alltagshelfer“, erklärt Wuttke. „Aufgrund des demografischen Wandels werden diese immer mehr gebraucht, um etwa mit alten Menschen spazieren zu gehen, Besorgungen zu machen oder gemeinsam zu kochen.“ Praxisnah würde die Qualifizierung direkt am Einsatzort stattfinden, beispielsweise in den Wohneinrichtungen am Schacht Bismarck.

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