Krimilesung

Lesung in Gelsenkirchen: „Mutter Beimer“ kann auch böse

Schauspielerin Marie-Luise Marjan und Autor Herbert Knorr lasen in der „Kaue“ aus Knorrs neuem Krimi "Pumpernickelblut".

Foto: Michael Korte

Schauspielerin Marie-Luise Marjan und Autor Herbert Knorr lasen in der „Kaue“ aus Knorrs neuem Krimi "Pumpernickelblut". Foto: Michael Korte

Gelsenkirchen.   Marie-Luise Marjan und Herbert Knorr präsentierten in der Gelsenkirchener Kaue den Krimi „Pumpernickelblut“. Die Lesung begeistert das Publikum.

Ein musikalischer Vorspann ähnlich den alten Edgar-Wallace-Filmen stimmt am Sonntagabend die rund 180 Gäste in der Kaue auf die Lesung ein – keine Frage also, hier wartet Kriminalistisches. Und zwar vom Feinsten. „Pumpernickelblut“, eine Buchpremiere, druckfrisch. Autor Herbert Knorr, Leiter des Westfälischen Literaturbüros Unna und Festivalleiter von „Mord am Hellweg“, hat eine Menge Erfahrung mit wüsten Kapitalverbrechen – literarisch gesehen natürlich.

Nahe liegt da, dass auch sein zweites Werk ein Thriller ist. „Über Pumpernickel wollte ich schon mein Leben lang schreiben“, feixt er. „Als kleiner Junge zogen mir jeden Morgen die süßsauren Düfte von Prünte durch die Nase“, schließlich ist er in Schalke aufgewachsen. Locker humoristisch gibt Knorr den Rahmen des 480 Seiten langen Werkes bekannt.

Schauplatz ist ein Altenheim in Lippe-Neutrup

Ein Altersheim im fiktiven Lippe-Neutrup („irgendwo zwischen Dülmen, Haltern und Dorsten“), die junge Belegungsmanagerin Anna Müller und die energische Hobby-Detektivin Else Erpenbeck, Bewohnerin der Seniorenresidenz. Dann geht der Vorhang auf für Marie-Luise Marjan, die „Mutter Beimer“ aus der „Lindenstraße“ besticht durch eine phänomenale Bühnenpräsenz. „So viele wunderbare Frauencharaktere in diesem Buch, da konnte ich nicht nein sagen“, strahlt sie ins Publikum.

Böse Schlange und todkranke Frau

Die beiden tauchen also ein in die Gegebenheiten von „Haus Fröhlich Abendschein“. Marjan wird zur bösen Schlange Margarete Schlachtbauer, die mit hinterlistigem Blick andere Senioren um ihr Geld zu bringen scheint, schlüpft dann nahtlos in die Rolle der todkranken Frau Mittendorf, die sich trotz Leberzirrhose verstohlen Wacholder-Schlückchen aus dem Flachmann gönnt – westfälischer Dialekt inklusive. Und zwischen den Leseeinlagen immer wieder kurzweilige Einblicke in das erfahrungsreiche Leben der Marie-Luise Marjan. Begegnungen mit Gustav Gründgens oder Claus Peymann, Erinnerungen an das erste Engagement in Basel, mit Tourneen durch die Schweizer Provinz. Köstlich.

Handsignierte Exemplare am Ausgang

Parallel steigt die Spannung, wie geht es weiter im Kriminalfall der verschwundenen Gelder und toten Rentner? Da wird nachts auf dem Friedhof gebuddelt, ein Krippenspiel inszeniert, in Münster der unmoralische Ex-Mann der Müller beschattet – doch ob am Pumpernickel noch anderes Blut klebt als das der Westfälischen Blutwurst, drei Zentimeter dick geschnitten, das bleibt an diesem Abend Knorrs und Marjans Geheimnis. Schließlich steht am Ausgang der Büchertisch. Signiert wird selbstverständlich für die zahlreichen Käufer.

Info: Herbert Knorr: „Pumpernickelblut“, Pendragon-Verlag, 15 Euro, ISBN 978-3-86532-586-0

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