Theaterprojekt

Musiktheater packt die „Oper aus dem Koffer“

In der Sternschule zeigten Künstler des Musiktheaters im Revier die Oper aus dem Koffer. Die kleinen Zuschauer waren fasziniert.

In der Sternschule zeigten Künstler des Musiktheaters im Revier die Oper aus dem Koffer. Die kleinen Zuschauer waren fasziniert.

Foto: Joachim Kleine-Büning

Gelsenkirchen.   Das mobile Musiktheater machte Station in der Sternschule Gelsenkirchen und begeisterte Drittklässler im Klassenzimmer mit Musik und Spiel.

Die Kinder kichern. Komische Töne erklingen da plötzlich im Klassenzimmer, als eine Sopranistin laut zu singen beginnt. Doch es bedarf nur weniger Sekunden, da hat sie ihr Publikum im Musiksaal der Sternschule schon erobert, da stehen die Münder der Drittklässler offen vor Staunen. Das Musiktheater im Revier packte wieder seine „Oper aus dem Koffer“, und darin steckte eine packende Geschichte mit Tiefgang.

Auf die ungewöhnliche Bühne kam „Babbel“ aus der Feder der Autorin Paula Fünfeck, die sich am biblischen Stoff vom Turmbau zu Babel orientiert. Um die zu erzählen, bedurfte es für das fantastische Künstlertrio nur weniger Requisiten, die die sehr präsente und ausdrucksstarke Sängerin und Schauspielerin Marie Alishia Funken aus dem Koffer zauberte. Da mutierte ein blaues Tuch zum Fluss, ein paar bunte Federn verwandelten die Sängerin in ein Huhn, der König trug natürlich Goldkrone.

Gackern wie ein Teichhuhn

Die beiden Musiker Sebastian Gokus und Rene Grau untermalten die Geschichte über den größenwahnsinnigen Turmbau mit Tönen und Klängen, schlüpften auch schon mal in die Rolle des Erzählers. Quaken wie ein Frosch, plätschern wie ein Fluss, gackern wie ein Teichhuhn: für diese Musiker kein Problem dank jeder Menge Percussion und einer glänzenden Posaune. Und das Schilf, es raschelte und rauschte, auch mit Hilfe der Kinder.

Ein Spiel mit vielen Botschaften

Das Projekt „Oper aus dem Koffer“, finanziert von der MiR-Stiftung und der Ele, soll Grundschülern das Theater nahebringen. Hautnah sozusagen. Die 25 Schülerinnen und Schülern sitzen rund um die Akteure, dichter kann man tatsächlich kaum dran sein. Alle zwei Jahren geht das Gelsenkirchener Opernhaus mit seinem mobilen Kindertheater erfolgreich auf Tour durch die Grundschulen.

In der Regie von Sabine Loew erzählt die neue „Oper aus dem Koffer“ vom Traum des Königs, einmal den Himmel berühren und nach den Sternen greifen zu können. Dafür will er den höchsten Turm der Welt bauen, was dem lieben Gott bekanntlich missfiel und er zur Strafe für babylonische Sprachverwirrung sorgte.

An wichtigen Botschaften präsentiert das mit gut 50 Minuten ziemlich zeitintensive Stück eine ganze Menge. Möglicherweise gar ein wenig zu viel.

Von Gier und Großmannssucht

Das Stück erzählt von Gier und Großmannssucht. Es dokumentiert auch den üblen Raubbau an der Natur, denn für die Herstellung der zahllosen Turmziegel muss viel Schlamm aus dem Fluss geholt, müssen Pflanzen und Tiere verdrängt werden. Dann greift das Spiel auch noch Hierarchien und Ungerechtigkeit auf, wenn der König die Sklaven antreibt und nicht zuletzt die Vielfalt der Sprache. Die Oper zeigt aber auch: Die Sprache der Musik verstehen alle.

>> Eine Erfolgsgeschichte

Das Projekt „Oper aus dem Koffer“ der MiR-Stiftung ist eine echte Erfolgsgeschichte. „Allein die letzte Produktion ,Gold’ wurde über 85 Mal aufgeführt“, sagt Stiftungsvorsitzender Dr. Klaus Bussfeld.

Für die neue Oper sind bereits 35 Aufführung an Grundschulen geplant, Fortsetzung sehr wahrscheinlich.

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