Gericht

Mord-Vorwurf: Ehefrau bei Unfall auf A42 getötet worden

Der Angeklagte Firat I. soll seine Frau bei einem Verkehrsunfall getötet haben. Sein Verteidiger Mustafa Kaplan (rechts) zweifelt an der Ermittlungsarbeit.

Der Angeklagte Firat I. soll seine Frau bei einem Verkehrsunfall getötet haben. Sein Verteidiger Mustafa Kaplan (rechts) zweifelt an der Ermittlungsarbeit.

Foto: Stefan Wette

Gelsenkirchen.  Ein Niederländer soll seine Ehefrau bei einem absichtlichen Autounfall auf der A42 bei Gelsenkirchen getötet haben. Die Frau sei wehrlos gewesen.

Ende einer Ehe: Der Rotterdamer Firat I. (25) soll seine Ehefrau am 2. Februar 2017 durch einen Verkehrsunfall auf der A 42 bei Gelsenkirchen-Schalke umgebracht haben. Er selbst hatte den Zusammenprall mit einem Lkw mit schwersten Verletzungen überlebt. Seit Freitag muss er sich wegen heimtückischen Mordes vor dem Schwurgericht in Essen verantworten.

Das Bild eines gewalttätigen, unkontrollierten Mannes zeichnet die Anklage, die Staatsanwältin Birgit Jürgens vorliest. Seit 2013 kannte das niederländische Pärchen sich, am 9. April 2016 schlossen sie die Ehe nach islamischem Recht. Doch geprägt wurde die Beziehung von Gewalttaten, sagt die Anklage. Nahezu wöchentlich habe Firat I. sie misshandelt. Auch als sie schwanger war. Einmal soll er bereits in der Vergangenheit einen Verkehrsunfall provoziert haben, bei dem beide aber unverletzt blieben.

Angeklagter habe beide durch Unfall töten wollen

Schließlich trennte die Frau sich von ihm, ging ins Frauenhaus. Dort trieb sie das gemeinsame Kind ab, erwirkte für ihren Mann auch ein gerichtliches Verbot. Seitdem durfte er sich ihr nicht mehr nähern.

Doch am 2. Februar 2017 stieg die Frau zu ihm ins Auto. Offenbar, so nimmt die Anklage an, wollte das zerstrittene Paar einen islamischen Schlichter in Deutschland aufsuchen. Firat I. habe aber schon da “mit dem Gedanken gespielt, durch einen Verkehrsunfall” gemeinsam aus dem Leben zu scheiden.

Ehefrau sei bei Autofahrt arg- und wehrlos gewesen

Um 19 Uhr fuhren sie im blauen Seat Toledeo los. Gegen 21.10 Uhr soll Firat I. kurz nach der Abfahrt Nr. 17 in Gelsenkirchen-Schalke beschlossen haben, seinen Plan zu verwirklichen. Ungebremst und gezielt hätte er den Pkw mit Tempo 150 unter den Aufleger eines Sattelschleppers gelenkt. Dabei habe er auch seinen eigenen Tod billigend in Kauf genommen, glaubt die Anklage. Seine Ehefrau sei bei dieser Fahrt “arg- und wehrlos” gewesen. Sie verblutete am Unfallort.

Die Staatsanwaltschaft stützt ihre Vorwürfe auf die Vorgeschichte des Paares, außerdem hatten Zeugen auf der Autobahn keinerlei Fahrauffälligkeiten des Angeklagten vor dem Unfall registriert.

Auswertung niederländischer Protokolle steht aus

Für Verteidiger Mustafa Kaplan ist die Anklage dagegen das Ergebnis schlechter Ermittlungsarbeit. Da seien “Dorfpolizisten und Hilfssheriffs” am Werk gewesen. An den Vorwürfen sei nichts dran.

Das Verfahren kommt am Freitag nur schleppend in Gang, weil erst einen Tag zuvor mehrere Akten aus den Niederlanden eingetroffen waren. Sie enthalten Vernehmungsprotokolle der Polizei in Rotterdam und müssen erst ins Deutsche übersetzt werden. Für das Verfahren hat das Schwurgericht insgesamt vier Verhandlungstage angesetzt.

Leserkommentare (2) Kommentar schreiben