Ballett

Mitreißender Bewegungsstrudel beim Ballett in Gelsenkirchen

Dem „Ameisenphänomen“ auf der Spur: Die Ballettcompagnie im Musiktheater im Revier beim „Open (S)pace“.

Foto: Costin Radu

Dem „Ameisenphänomen“ auf der Spur: Die Ballettcompagnie im Musiktheater im Revier beim „Open (S)pace“. Foto: Costin Radu

Gelsenkirchen.   Choreopgraph Jeroen Verbruggen arbeitet bei der Ballettperformance „Open ‘(S)pace“ im Musiktheater in Gelsenkirchen gezielt mit Reizüberflutung.

„Killerameisen“ treten in Horden auf und fressen alles, was ihnen in die Quere kommt. Blind folgen sie dabei mit der Nase ihrem Anführer. Verlieren sie diese Spur, folgen sie nur noch dem Vordermann, bis alle nur noch im Kreis laufen und schließlich vor Erschöpfung sterben. Diesem so genannten „Ameisenmühlen“-Phänomen widmet der Choreograph Jeroen Verbruggen seine Inszenierung „Open (S)pace“ in Gelsenkirchen.

Schon der Titel spielt mit der Doppeldeutigkeit: Es geht um den „offenen Raum“ und um „offene Pfade“, die nicht ausgetreten sind. Das Musiktheater im Revier lud den gefragten Choreografen ein, einen derart offenen Raum zu bespielen: Bühnenbildnerin Ines Alda, die auch für die minimalistischen Kostüme und (mit Andreas Gutzmer) für das Lichtkonzept verantwortlich zeichnet, schuf einen gläsernen Käfig, dessen acht Seitenscheiben zerbrochen sind. Die Zuschauer im Kleinen Haus sitzen rundherum, so dass ein 360 Grad Spielraum entsteht. Ein „Open Space“.

Ensemble wandelt auf vielseitigen Pfaden

Jeroen Verbruggen lässt das Ensemble des Ballett im Revier hier auf sehr vielseitigen Pfaden wandeln. Lässt es eine wilde Mischung tanzen aus neoklassischem Spitzenballett und modernem Tanztheater, das die Grenzen zur Akrobatik durchbricht. Lässt es wie kleine Insekten über die Bühne kriechen oder wild mit Knochen zu Tribal-Rhythmen durch den Raum wirbeln.

Das Gelsenkirchener Ballettensemble lässt sich mitreißen von diesem Bewegungsstrudel, hat sichtlich Spaß daran, diese neuen Pfade zu betreten. Und es zeigt in „Open Space“ wie eng diese Compagnie inzwischen zum Team verwachsen ist, jedes Detail ist perfekt aufeinander abgestimmt.

Der unterlegte Soundteppich von Benjamin Magnin untermalt die Szenen mit sphärischer elektronischer Musik, unterbrochen von musikalischen Zitaten aus Oper und sakraler Musik, mit einem Ausschnitt aus Sigmund Rombergs Operette „The Desert Song“ klingt gar eine politische Ebene an.

Nachdenklich stimmende Coda

„Open (S)pace“ startet ruhig und bedächtig mit einem pulsierenden Herzschlag und Menschen auf der Suche, bildgewaltig schichtet Verbruggen in 75 Minuten Motiv an Motiv, treibt das Publikum mit acht Tanzbildern bis an die Grenze der Reizüberflutung und läuft gegen Ende Gefahr, die große Kunst zu einem grellen Spektakel verkommen zu lassen.

Dann reißt der belgische Choreograph in quasi letzter Minute das Ruder noch einmal herum und lässt die Tänzer eine sinnliche und nachdenklich stimmende Coda tanzen. „Open (S)pace“ wird man daher nicht so schnell vergessen, auch wenn sich nicht alles auf den ersten Blick erschließt.

>>>DJs spinnen Herzschlag des Stücks weiter

  • Nach der nächsten Vorstellung am morgigen Mittwoch, 9. Mai, wird das Münsteraner DJ-Team „The Droids“ den Herzschlag des Stückes im Foyer weiterspinnen. Die Performance beginnt um 19.30 Uhr im Kleinen Haus des MiR am Kennedyplatz 1.
  • Weitere Vorstellungen gibt es am Samstag, 12., Sonntag 13., Freitag, 18., Pfingstmontag, 21., Donnerstag, 31. Mai sowie am Sonntag, 3. Juni. Am Abschlusstag gibt es erneut ein DJ-Set. Die Kartenvorbestellung läuft unter 0209 4097200.

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