Down-Syndrom

Mit Down-Syndrom fest im Sattel beim Schalker Einradversand

„Ich mag es hier so sehr“: Janine Knegt ist der Sonnenschein des Einradversands Ajata in Schalke. Dass sie trotz ihres Gendefekts in der kleinen Firma arbeiten kann, ist durch finanzielle Förderung möglich.Foto Services

Foto: Martin Möller

„Ich mag es hier so sehr“: Janine Knegt ist der Sonnenschein des Einradversands Ajata in Schalke. Dass sie trotz ihres Gendefekts in der kleinen Firma arbeiten kann, ist durch finanzielle Förderung möglich.Foto Services Foto: Martin Möller

Gelsenkirchen.   Janine Knegt hat das Down-Syndrom und arbeitet beim Fachhandel Ajata in Schalke. Heute erinnern die Vereinten Nationen weltweit an den Gendefekt.

„Ich liebe meinen Job so sehr“, schwärmt Janine Knegt und grinst zufrieden. Der Enthusiasmus der 21-Jährigen ist überzeugend. Dabei kennen die Firma nur Eingefleischte einer überschaubaren Szene. Sie arbeitet beim Einradversand Ajata. Heute ist in doppelter Hinsicht ein besonderer Tag: Das Unternehmen feiert seinen 14. Geburtstag und der 21. März ist Welt-Down-Syndrom-Tag. Auch Janine Knegt hat diesen Gendefekt und freut sich, dass sie trotzdem die Chance bekommen hat, in der Schalker Firma an der Königsberger Straße zu arbeiten.

Dass sie jemals Einradreifen, Sattelklemmen oder Pedale versandfertig machen würde, hätte die junge Frau noch vor wenigen Jahren nicht gedacht, „aber ich habe von der Firma gehört, fand sie interessant und habe es hier versucht“. Seit fast drei Jahren verstärkt Knegt das Team nun schon. „Solche Mitarbeiter gibt es sonst nirgends“, freut sich Firmengründer Hendrik Eichholz über das Engagement seiner Aushilfskraft. Er betreibt die Firma mit seinem Mitgründer nebenberuflich und ist selten im Lager. „Wir brauchen Leute, die den Job lieben und auf die wir uns verlassen können.“

Finanzielle Förderung sichert den Arbeitsplatz

Janine Knegt und die übrigen beiden Teilzeitangestellten erfüllen diese Voraussetzung. Zwar ist der Einradversand in Gelsenkirchen einer der größten in Europa, doch es gibt nicht viele ernsthafte Mitbewerber; einen in Bayern, weitere in Dänemark, Italien und Frankreich. Kunden sind vor allem Einradvereine, etwa aus Buer, Bottrop oder Duisburg. Es ist ein Nischenmarkt, und über die Firmenseite gehen die Bestellungen nicht so schnell hintereinander ein, dass sie im Akkord verpackt werden könnten. Daher kann sich Janine Knegt die Zeit nehmen, die sie als Lagerhilfe benötigt, wenn sie bestellte Artikel und Werbematerial zum Versand heraussucht.

Ihr liegt die Lagerarbeit, dafür fährt sie extra mit dem Zug von Unna nach Gelsenkirchen. Außerdem freut sie sich immer, ihre beiden Kollegen zu sehen. Zuvor hat sie in einem Kindergarten und einem Altenheim gearbeitet. Derzeit hilft sie auch in einem Café in Unna aus.

Besonders gerne ist sie bei Ajata. „Ich mag es hier so sehr.“ Sie kniet sich richtig rein und erfüllt bisher alle Erwartungen. Viele Aufgaben erledigt sie selbstständig, hat sich für komplizierte Abläufe extra eine Mappe als Gedankenstütze angelegt. „Sie ist sehr verlässlich“, lobt Eichholz. „Allen macht es Spaß mit Janine.“ Ohne Förderung durch den Landschaftsverband und andere könnte sie jedoch nicht bei Ajata arbeiten. Denn Knegt bekommt als Hilfsarbeiterin den Mindestlohn.

„Es ist ein gutes Gefühl“

Für Eichhorn ist es aber eine Selbstverständlichkeit, Knegt oder anderen Behinderten möglichst eine Chance zu geben. Nicht zuletzt, weil der Sohn seines Geschäftspartners auch das Down-Syndrom hat. „Alle Eltern von Behinderten wünschen sich, dass ihre Kinder auf dem ersten Arbeitsmarkt eine Chance bekommen und nicht in einer Behindertenwerkstatt Schrauben zählen müssen“, sagt Eichhorn. „Es ist ein gutes Gefühl, Janine hier zu haben.“

Janine Knegt will jetzt viel Berufserfahrung in Schalke sammeln und in einigen Jahren ein eigenes Geschäft eröffnen – vielleicht sogar für Einräder.

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