Erziehung

Gewaltdebatte nach Doku - Ministerium überprüft Elternschule

Viel Kritik, aber auch Zustimmung von Experten gab es für die Filmdokumentation „Elternschule“. Zu sehen übrigens immer noch in der Schauburg Buer und ausgewählten Programminos in anderen Städten.

Viel Kritik, aber auch Zustimmung von Experten gab es für die Filmdokumentation „Elternschule“. Zu sehen übrigens immer noch in der Schauburg Buer und ausgewählten Programminos in anderen Städten.

Foto: Heinrich Jung

Gelsenkirchen-Buer.   Nach Strafanzeige und Kritik von Verbänden an im Film „Elternschule“ gezeigten Methoden der Kinderklinik Buer lässt nun das Ministerium prüfen.

Nach Gewaltvorwürfen gegen die Kinder- und Jugendklinik in Buer ist nun auch das NRW-Gesundheitsministerium aktiv geworden. Anlass war die von einem Kinderarzt erstatteten Strafanzeige gegen die Klinik wegen des Verdachts auf Misshandlung und Klagen des Deutschen Kinderschutzbundes über im Dokumentarfilm „Elternschule“ gezeigte Szenen, die auf Gewaltanwendung hinwiesen.

Herbe Kritik am Film „Elterschule“

Zuletzt hat auch die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie in einer Stellungnahme herbe Kritik an den im Film gezeigten Therapiemethoden geübt.

Die Filmdokumentation „Elternschule“ begleitet eine mehrwöchige Behandlung von psychosomatisch erkrankten Klein- und Vorschulkindern mit unter anderem massiven Ess- und Schlafstörungen. In dem Film wird etwa gezeigt, wie Kinder mit Schlafstörungen allein in einem dunklen Schlafzimmer die Nacht verbringen – und irgendwann durchschlafen können.

Thema im NRW-Familienausschuss

Der Film und die Kritik daran war auch Thema im NRW-Familienausschuss. Aufgrund der Vorwürfe von Experten soll nun geklärt werden, ob es bei den Therapien Freiheitsentziehungen gab und falls ja, ob die erforderlichen Genehmigungen dafür vorlagen. Diese Prüfung läuft. Die geäußerte Kritik an dem Film, so heißt es im Ministeriumsbericht, sei aufgrund der Filmsichtung zwar nachvollziehbar.

Ein Film könne aber „nicht aufklären, ob ärztliche und therapeutische Maßnahmen gegen Berufspflichten verstoßen.“ Die Ärztekammer Westfalen-Lippe und die Psychotherapeutenkammer NRW sollen nun die Arbeit der Klinik bewerten. Die Klinik selbst verweist auf ihre „leitliniengerechte und wissenschaftlich abgesicherte Arbeit“ sowie positive Stellungnahmen renommierter Fachgesellschaften wie der AG für Pädiatrische Psychosomatik in der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (AGPPS) und der Deutschen Gesellschaft für Psychologie.

Anmerkung der Redaktion:

Die Essener Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen gegen die Einrichtung mittlerweile eingestellt. „In dem Film ist nichts zu sehen, was als Straftat zu werten wäre», sagte eine Sprecherin der Essener Ermittlungsbehörde am Freitag in der Begründung für die Ermittlungen zu den Strafanzeigen gegen den Film „Elternschule“. Auch eine unangemeldete Kontrolle der Klinik durch die Bezirksregierung Münster habe keinen Anlass für Ermittlungen ergeben.

Die Staatsanwaltschaft Essen hatte wegen möglicher Freiheitsentziehung und Gewalt gegen die Kinder ermittelt. Es hatte mehrere Strafanzeigen wegen im Film gezeigter Szenen gegeben. Heftige Kritik an den gezeigten Therapiemethoden hatte es unter anderem von der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP) und dem Deutschen Kinderschutzbund gegeben.

Anzeigen von Eltern habe es nicht gegeben, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Deshalb habe sich das Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft allein auf den Film bezogen.

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