Prozess in Essen

Messerangriff in Gelsenkirchen: Täter spricht von Notwehr

Angeklagter spricht vor dem Essener Landgericht von Notwehr.

Angeklagter spricht vor dem Essener Landgericht von Notwehr.

Foto: Volker Hartmann / dpa

Essen/Gelsenkirchen  Ein Kioskbetreiber aus Gelsenkirchen wird nach Feierabend durch einen Messerangriff schwer verletzt. Vor Gericht spricht der Täter von Notwehr.

. Das Opfer hatte die Dramatik erst gar nicht erkannt: Vor sechs Monaten ist in Gelsenkirchen-Buer ein Kioskbetreiber niedergestochen worden. Obwohl Hand und Brustbein durchstochen waren, war er sogar noch zu Fuß ins Krankenhaus gelaufen. Seit Mittwoch steht der Täter in Essen vor Gericht – und spricht von Notwehr.

Beim Angeklaten machten sich Psychosen bemerkbar

Der Angeklagte war früher Taxifahrer – bis sich die ersten Psychosen bemerkbar machten. Seitdem leidet der 44-Jährige offenbar unter ständiger Unruhe. Er fährt mit dem Fahrrad kreuz und quer durch die Stadt, mit dem Bus durch halb Europa und er rennt, soweit ihn die Beine tragen. „Er braucht von Gelsenkirchen-Erle bis nach Bochum-Riemke nur eine halbe Stunde“, sagen seine Schwestern, die beim Prozessauftakt vor dem Essener Schwurgericht dabei waren. Angeklagter war Stammkunde im KioskIn dem Kiosk in Buer war er Stammkunde, bekam dort sogar Kredit. Bis dem Betreiber die Sache zu bunt wurde. „Er kam manchmal rein, nahm sich einfach etwas aus den Auslagen und verschwand wieder“, sagte der 48-Jährige bei seiner Zeugenvernehmung. „So geht es natürlich nicht.“

Noch 50 Euro auf dem Deckel

Es war der 20. November 2018, als die Situation schließlich eskaliert ist. Der Kioskbetreiber hatte seine Verkaufshalle gerade geschlossen, als er vor der Tür auf den Angeklagten traf. Auf dessen „Deckel“ standen zu diesem Zeitpunkt angeblich immer noch 50 Euro. Darüber wurde gestritten. Erst hagelte es Beleidigungen, dann flogen die Fäuste. Am Ende stand der Kioskbetreiber blutend auf der Straße. Er lief mit einem Bekannten, der zufällig aufgetaucht war zum nahen Krankenhaus, zeigte den Ärzten einen Durchstich der linken Hand. Die schwere Verletzung in der Brust hatte er erst gar nicht bemerkt. „Erst als ich meine Jacke ausgezogen haben, habe ich gesehen, dass auch das T-Shirt voller Blut war.“

Kioskbetreiber soll getreten haben

Ein Messer hatte er während der Schlägerei auch nicht gesehen. Der Schmerz sei erst später gekommen. Angeklagten droht die Unterbringung in der Psychiatrie. Die Stiche will der Angeklagte vor Gericht auch gar nicht bestreiten. Von einem versuchten Totschlag könne aber keine Rede sein. Weil er sich doch nur verteidigt habe. Der Kioskbetreiber – so seine Version - soll ihn getreten haben. Um von ihm wegzukommen, habe er schließlich nach dem Messer gegriffen. Er habe auch gar nicht gesehen, was passiert ist. Die Stichbewegungen habe er nach hinten ausgeführt. Am Ende werden die Richter auch darüber zu entscheiden haben, ob der 44-Jährige wegen seiner Psychosen eine Gefahr für die Allgemeinheit ist und in die geschlossene Psychiatrie eingewiesen werden muss.

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