Trinitatis-Kirchengemeinde

Menschenfischer Venjakob geht in den Ruhestand

Ein Jahr früher als geplant geht Pfarrer Klaus Venjakob in den Ruhestand. Er will mehr Zeit für seine bald sechs Enkel, für Reisen und Hobbys haben. Ab 2019 möchte er sich aber in der Gemeinde ehrenamtlich engagieren. Foto:Heinrich Jung

Ein Jahr früher als geplant geht Pfarrer Klaus Venjakob in den Ruhestand. Er will mehr Zeit für seine bald sechs Enkel, für Reisen und Hobbys haben. Ab 2019 möchte er sich aber in der Gemeinde ehrenamtlich engagieren. Foto:Heinrich Jung

Gelsenkirchen-Buer.   Nach rund 37 Jahren in Buer geht Pfarrer Klaus Venjakob von der Evangelischen Trinitatis-Kirchengemeinde nun in den Ruhestand.

Heute hier, morgen dort? Nein, berufliche Flatterhaftigkeit kann man Klaus Venjakob nun wirklich nicht vorwerfen. Seit rund 37 Jahren arbeitet der Pfarrer der Evangelischen Trinitatis-Kirchengemeinde in Buer, gehört mit seinem Fahrrad und der Aktentasche beinahe so zum Stadtbild wie Apostel- oder Stephanuskirche. Lust auf Neues hatte der vierfache Vater trotzdem immer. Und so ging er mit Krabbelkindern auf Entdeckungstour, initiierte den Eine-Welt-Laden mit, knüpfte in Tansania Partnerschaftskontakte für den Kirchenkreis und begleitete 1997 die Hugo-Bergleute bei ihrer 40-tägigen Mahnwache in der Apostelkirche. Am Sonntag, 17. Juni, wird er in den Ruhestand verabschiedet.

Ob Venjakobs Oma ahnte, welche Karriere sie lostrat, als sie ihren Enkel oft ermahnte: „Junge, vergiss das Beten nicht!“ – Der gebürtige Dortmunder war, so scheint’s, selbst überrascht, als er seinen Berufswunsch, Französisch- und Religionslehrer zu werden, an den Nagel hängte – und begann, Theologie in Bielefeld-Bethel, Bochum und Münster zu studieren. Offenbar wirkte noch die Zivildienstzeit in einer Gemeinde nach, „wo ich mich sehr wohl fühlte.“

Politisch etwas bewegen

Schon die Vikariatszeit 1979-1981 führte ihn und seine Frau Irene nach Buer und Bismarck. In Buer wurde er dann 1981 Pastor und trat nach der Ordination 1982 seine erste Pfarrstelle an (1984). Hier kamen auch die Kinder Arne, Peter, Antje und Inga zur Welt. Und hier wollte er „Vollgas geben“, sprich: gesellschaftlich-politisch etwas bewegen. So organisierte er Gesprächskreise zu aktuellen Themen – von Adoption über Organspende bis zu sozialer Gerechtigkeit und fairen Handel.

„Das Thema Eine Welt lag mir immer am Herzen. Ich wollte mir selbst treu bleiben, indem ich die Überwindung der Spaltung zwischen Arm und Reich auf die lokale Ebene herunterbrach und darüber diskutierte, welche Macht Verbraucher haben.“ Konkretes Ergebnis war die Eröffnung des Eine-Welt-Ladens 1985 mit vielen Ehrenamtlichen in der Apostelkirche. „2017 musste er leider schließen, weil zu wenige dort einkauften, da es fair gehandelte Produkte nun ja in vielen Supermärkten gibt.“

Hugo-Kumpel bei Mahnwache begleitet

Eng mit diesem Schwerpunkt verbunden ist auch sein Einsatz für die Partnerschaft des Kirchenkreises mit dem in Morogoro (Tansania), die er ab 1991 mit aufbaute. Noch heute hat er Kontakt mit der Familie von Pfarrer Matandika, die einige Jahre in Buer lebte. „Mir geht es darum, mit den Menschen auf Augenhöhe zu sprechen und zu fragen, wie die Erde nach Gottes Willen gestaltet sein soll. Es ist wichtig, über den eigenen Tellerrand zu schauen.“

Unvergessen bleibt Venjakob auch die Mahnwache der Hugo-Kumpel 1997 in der Apostelkirche, mit der diese ein Zeichen gegen das Aus ihrer Zeche setzen wollten. „Es war toll, die Bergleute in Gesprächen und Gebeten zu begleiten.“ Überhaupt: „Menschen nahe zu sein, ihnen in schwierigen Situationen beizustehen, bedeutet mir viel“, sagt der Pfarrer, der sich als „Menschenfischer und Teamarbeiter“ im Pfarrkollegium sieht – und täglich gerne zur Arbeit ging. „Es macht mir Freude, Menschen zur Mitwirkung zu befreien, Talente zu entdecken und zu entwickeln.“

Im Ruhestand will Venjakob viel reisen und lesen

„Beschwerlich“ seien freilich die letzten Jahre mit ihren Veränderungen im Zuge der Vereinigung zur Großgemeinde (2007) gewesen, die er in leitender Funktion mitverantwortete. „Die Aufgabe der Markus- und Stephanuskirche hat kolossal Kraft gekostet, weil wir den Abschiedsschmerz ja auch teilen.“ Er fühle sich schließlich nicht nur der Apostelkirche verbunden – obwohl er für deren Turmsanierung 2008/09 Klinken putzte, um Spenden zu sammeln.

Buer bleibt Venjakob künftig erhalten. Viel unterwegs sein will er dennoch, um seine bald sechs Enkel in Köln, Berlin und Brandenburg zu besuchen oder Reisen in die Bretagne oder Uckermark zu unternehmen. „Ich freue mich auf freie Wochenenden und Abende, an denen ich endlich länger historische Krimis oder Zeitungen lesen kann. Ich bin gespannt, wie sich das anfühlt: so viel Zeit zu haben.“

>> INFO-BOX: Abschieds-Gottesdienst mit Madrigalchor

Die Evangelische Trinitatis-Kirchengemeinde Buer verabschiedet Pfarrer Klaus Venjakob und seine seit Jahren ehrenamtlich engagierte Frau Irene am Sonntag, 17. Juni, 10 Uhr, mit einem Gottesdienst in der Apostelkirche, Horster Straße 35.

Der Gottesdienst wird vom Madrigalchor gestaltet. Auch Superintendent Heiner Montanus hat sich angekündigt.

Anschließend findet ein Empfang im Gemeindehaus an der Horster Straße 35 statt.

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