Kabarett

Max Uthoff – aus der „Anstalt“ ins Hans-Sachs-Haus

„Menschen aus dem globalen Süden denken, der globale Norden ist das Paradies, weil sogar Tiere ihr Futter in verschiedenen Geschmacksrichtungen fressen können.“ Kabarettist Max Uthoff trat am Freitag im Hans-Sachs-Haus auf.

„Menschen aus dem globalen Süden denken, der globale Norden ist das Paradies, weil sogar Tiere ihr Futter in verschiedenen Geschmacksrichtungen fressen können.“ Kabarettist Max Uthoff trat am Freitag im Hans-Sachs-Haus auf.

Foto: Michael Korte

Gelsenkirchen-Altstadt.   Nachdenkliche Töne, nicht nur Lachsalven: Kabarettist Max Uthoff („Die Anstalt“) kam mit seinem Programm „Moskauer Hund“ nach Gelsenkirchen.

Wer sich nur auf einen Abend voller Lachsalven eingestellt hatte, war bei Max Uthoff falsch. Im ausverkauften Hans-Sachs-Haus präsentierte der Kabarettist am Freitagabend sein Programm „Moskauer Hund“. Natürlich hatte der 51-Jährige auch einige humorvolle Aussagen auf Lager, aber seine satirischen Bemerkungen über den Kapitalismus und das Ungleichgewicht unserer Gesellschaft machten vor allem eins: nachdenklich.

Uthoff wollte nicht nur, dass sich die Zuschauer bequem auf ihren Stühlen zurücklehnen. Er wollte sie wach rütteln. So hielt er den Menschen immer wieder den Spiegel vors Gesicht. „Menschen aus dem globalen Süden denken, der globale Norden ist das Paradies, weil sogar Tiere ihr Futter in verschiedenen Geschmacksrichtungen fressen können“, so eine seiner sarkastischen Feststellungen. Zuvor hatte er seine Zuhörer zumindest symbolisch in den reicheren globalen Norden und den ärmeren globalen Süden unterteilt, um die Ungerechtigkeit der Welt bewusst zu machen.

Kinder lernen Dinge zu tun, auf die sie keine Lust haben

Weiter kritisierte er die ständige Unzufriedenheit und die Sehnsucht nach etwas Besserem. Unter anderem thematisierte er das Gefühl, aus der eigenen Stadt herauskommen zu müssen. „Der Mensch will dauernd irgendwo hin. Doch letztendlich bekommt er nur ein schöneres Schloss oder eine höhere Brücke zu sehen und jede Menge Fotos. Vor jedem Schloss wird die eigene Fresse geparkt, was man wirklich erlebt, spielt eigentlich keine Rolle.“

Auch belächelte er Ansätze der heutigen Kindererziehung. Er sprach über teure bilinguale Kindertagesstätten mit Kinderyogakursen und Kindersauna. „Da lernen Kinder Dinge zu tun, auf die sie garantiert keine Lust haben – eine Vorbereitung auf die spätere Erwerbstätigkeit.“ Uthoffs Worte prasselten oft nur so aufs Publikum nieder. Gefühlt verlor er manchmal Punkt und Komma – so schnell reihte er die Sätze aneinander. Trotzdem kam er nie außer Atem.

„Gewinne werden privatisiert, Verluste kapitalisiert“

Natürlich bekam auch die Politik ihr Fett weg. „Keine Vertreter des Volkes, sondern Vertreter der eigenen Interessen“, nannte er die politisch Aktiven. „Demokratie ist das Betriebssystem des Kapitalismus“, fuhr er fort und ergänzte: „Gewinne werden privatisiert, Verluste werden kapitalisiert.“ Das Publikum klatschte. Und auch die Medien, die zunehmende Digitalisierung und der ständige Wunsch nach Bewertung waren an der Reihe. Zu den Sozialen Netzwerken sagte er: „Protest muss in der Wirklichkeit passieren, nicht im Netz.“

SUV-Fahrer besonders auf dem Kieker

Besonders hatte er die SUV-Fahrer auf dem Kieker. Die Fahrer teurer, umweltverpestender Geländewagen wollte er besonders ausbremsen. „Wie kann man sich selbst nur über tote Objekte definieren?“, fragte er.

Vielleicht war es nicht unbedingt ein Gefühl der Heiterkeit, mit dem der Zuschauer den Saal nach zwei Stunden verlassen haben. Dafür hat ihnen Max Uthoff hier und da eine neue Sichtweise auf die Welt gegeben.

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