Erste-Hilfe-Kurse

Malteser warnen vor Ersthelfer-Engpass in Gelsenkirchen

Die Malteser bieten Erste-Hilfe-Kurse an. Wegen der Corona-Pandemie hatten sie jedoch in diesem Jahr nur sehr wenige Teilnehmer.

Die Malteser bieten Erste-Hilfe-Kurse an. Wegen der Corona-Pandemie hatten sie jedoch in diesem Jahr nur sehr wenige Teilnehmer.

Foto: Michael Schneider, Bramsche

Gelsenkirchen.  Nur wenige Gelsenkirchener haben in diesem Jahr einen Erste-Hilfe-Kurs gemacht. Die Malteser machen sich große Sorgen um die Folgen.

Der Malteser-Hilfsdienst warnt vor einem coronabedingten Engpass an Ersthelfern. Sven Weinberg, Stadtbeauftragter für Gelsenkirchen, zeigt sich besorgt angesichts der geringen Teilnehmerzahlen bei den Erste-Hilfe-Kursen der Malteser: 2019 haben sich rund 500 Menschen zum Ersthelfer ausbilden lassen – und das sei schon ein schwaches Jahr gewesen. 2020 waren es bis jetzt rund 110. „Wenn es sehr gut läuft, schaffen wir in diesem Jahr vielleicht 170“, sagt Weinberg. In einem starken Jahr kämen 750 bis 800 Menschen zum Erste-Hilfe-Kurs.

Das fehlende Interesse an den Erste-Hilfe-Kursen führt Weinberg zum einen auf die Angst der Menschen zurück, sich im Kurs anzustecken. Zum anderen hätten viele im Jahr der Pandemie einfach andere Dinge im Kopf. Vor allem Unternehmen hätten in der Krise gesteckt und um Arbeitsplätze gekämpft, sodass sie die Ersthelferausbildung ihrer Mitarbeiter hinten angestellt hätten. Während der Kontaktsperre mussten die Malteser ihre Kurse außerdem komplett einstellen. „Wir hatten ein riesiges Sommerloch von März bis August“, so der Gelsenkirchener Stadtbeauftragte.

Gelsenkirchener Stadtbeauftragter: Ersthelfer-Wissen muss aufgefrischt werden

Dabei sei der Besuch von Erste-Hilfe-Kursen enorm wichtig. „Bei einem Schlaganfall oder Herzinfarkt sind die ersten Sekunden und Minuten entscheidend“, weiß Weinberg. Und: „Was ich nicht übe, kann ich nicht ausführen.“ Vor allem Methoden wie die Herz-Lungen-Wiederbelebung benötigten eine regelmäßige Auffrischung, bestenfalls alle zwei Jahre. Doch es gehe gar nicht nur um konkrete Handlungen, sondern auch darum, Abläufe zu verinnerlichen: Wie definiert sich überhaupt ein Notfall? Was muss ich als erstes tun, wenn ein Mensch reglos ist? Was mache ich als nächstes?

Nichts zuletzt brächten Erste-Hilfe-Kurse auch das nötige Selbstvertrauen, um überhaupt auf einen Menschen in Not zuzugehen und bis zum Eintreffen des Rettungswagens bei ihm zu bleiben. „Gut wäre es, wenn sich jeder trauen würde, sich zu kümmern, zu organisieren, andere Leute zu mobilisieren“, so Weinberg. „Keiner erwartet von einem Jogger, dass er ein Erste-Hilfe-Paket dabei hat. Die erste Hürde ist aber häufig schon, hinzugehen und zu fragen: ‘Kann ich Ihnen helfen?’“

Jeweils zehn Personen können an den Erste-Hilfe-Kursen in Gelsenkirchen teilnehmen

Ab Oktober starten wieder neue Erste-Hilfe-Kurse der Malteser in Gelsenkirchen. Aufgrund der Abstandsregelungen können im Moment nur jeweils zehn Personen an einem Kurs teilnehmen. „Ich fürchte aber schon fast, dass wir auch diese Plätze nicht besetzen werden können“, sagt Weinberg. Zumal ja im Moment die Infektionszahlen wieder stiegen. Dabei hätten sie sogar die Kapazitäten, um noch mehr Kurse anzubieten – sofern eine entsprechende Nachfrage da wäre: „Wenn zum Beispiel eine Firma einen Kurs für acht bis zehn Personen buchen wollte, könnten wir sicherlich noch zusätzliche Termine anbieten.“

Melanie Adelstein, Ausbildungsleiterin der Malteser in der Diözese Essen, ermutigt ebenfalls zur Teilnahme an den Erste-Hilfe-Kursen. „Im Notfall ist schnelle Hilfe wichtig. Da sind Ersthelfer die Personen, die über Leben und Tod entscheiden können“, so die Ausbildungsexpertin. Das Hygienekonzept in den Kursen sei sicher: „Wir bilden Menschen aus, damit sie anderen Menschen helfen. Dabei ist Eigenschutz immer ein wichtiger Punkt.“ In der gesamten Diözese Essen konnten die Malteser von Januar bis August 2020 nur 321 Kurse mit 3236 Teilnehmern durchführen. Im Vorjahreszeitraum waren es 715 Kurse mit 8139 Teilnehmern.

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