Ferienaktion

Mädchen aus Schalke stärken ihr Selbstbewusstsein

Melek (12, von links), Sude (12), Antigona (10) und Gülbeyaz (9) rühren ihren Lipgloss zusammen. Sie besuchen regelmäßig den Stadtteilladen an der Josefinenstraße und nehmen jetzt an der Ferienfreizeit „Ich bin schön“ teil.

Foto: Martin Möller

Melek (12, von links), Sude (12), Antigona (10) und Gülbeyaz (9) rühren ihren Lipgloss zusammen. Sie besuchen regelmäßig den Stadtteilladen an der Josefinenstraße und nehmen jetzt an der Ferienfreizeit „Ich bin schön“ teil. Foto: Martin Möller

Gelsenkirchen.   In den Osterferien nehmen Mädchen aus Schalke-Nord an der Aktion „Ich bin schön“ im Stadtteilladen teil. Dabei geht es um mehr als um Kosmetik.

Diese Osterferienwoche gehört nur den Mädchen. Jungs sind ausnahmsweise unerwünscht. Dabei bilden sie sonst im Stadtteilladen Schalke-Nord die Mehrheit. Jetzt läuft an der Josefinenstraße aber die Aktion „Ich bin schön“ von der Mobilien Jugendarbeit und dem Mädchenzentrum.

Am Dienstagmorgen stellen acht Mädels aus der Nachbarschaft eigene Bodylotion und rosa Lipgloss her. „Weil wir sie selbst machen, wissen wir, was drin ist. Das ist ein gutes Gefühl“, findet Sude Özem (12), die bei ihrer Kosmetik gerne auf Alkohol und Tierversuche verzichtet. Dass sie und die anderen während der Aktionswoche unter sich sind, freut sie ebenfalls.

Die Ferienfreizeit soll das Selbstvertrauen stärken

„Endlich sind hier keine schreienden Jungs, die uns schlagen“, sagt sie und lacht. Echte Gewalt gebe es aber nicht in dem Jugendzentrum. Dass sich Jungs und Mädchen zunächst beleidigen und dann boxen, sei eher „Käbbeln aus Spaß“ als eine Prügelei.

Die acht Mädchen im Stadtteilladen sind selbstbewusst, und ihr Selbstvertrauen soll durch die Ferienaktion noch wachsen. „Sie bestimmen selbst, was schön ist“, sagt Simone Clever vom Mädchenzentrum. „Sie finden Selbstbewusstsein schön.“ Mit der Gruppe hat sie bereits über Schönheitsideale gesprochen, über gesunde Ernährung und Magersucht. Stolz ist sie auf die ersten Ergebnisse der jungen Schalkerinnen. So sagt ein gemeinsam erarbeitetes Plakat etwa, dass auch dicke Mädchen schön sind und dass Schönheit nichts mit teuren Markenklamotten zu tun hat.

Derya Yaman ist ebenso wie ihre Freundin Aylin Bislimi (13) regelmäßig nach der Schule im Stadtteilladen, um zusammen Spaß zu haben, beim Sport, Basteln, Kochen oder Spielen. Zudem machen sie Ausflüge mit. Sie sind sich einig: „Langweilig wird’s hier nie.“

Besucher lernen ein respektvolles Miteinander

Diana Böhm, Mitarbeiterin im Stadtteilladen, kennt alle Mädchen, die die Ferienfreizeit besuchen, aus der offenen Jugendarbeit und der Hausaufgabenbetreuung. „Wir werden hier gebraucht, viele Kinder verlassen sich auf uns“, ist sich die 21-jährige Lehramtsstudentin sicher. Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 16 Jahren kommen montags bis donnerstags zu ihr und ihren Kollegen, einige jedoch „aus problematischen Familien, können kaum Deutsch und haben keine guten Umgangsformen“, sagt Böhm, doch in dem Jugendzentrum lernen sie die Sprache und wie ein respektvolles Miteinander funktioniert.

Viele Kinder haben einen Migrationshintergrund oder sind Flüchtlinge. Deutsche, Roma, Türken oder Libanesen freunden sich durchs gemeinsame Spielen an. Manchmal spricht Böhm zwar ein strenges Wort, weil Kinder sich beleidigen oder sich mal einen Ball wegnehmen. Mal gibt es sogar Liebeskummer. Das seien aber Probleme, die es überall mit Kindern gebe.

Mädels kokettieren mit schlechtem Ruf der Gegend

Allerdings kokettieren die Mädels jetzt durchaus damit, aus einer verrufenen Gegend zu kommen. „Abends ist es hier schon ein bisschen gefährlich“, sagt Derya, „aber Angst haben wir nicht.“ Fast alle Mädchen wissen von unangenehmen Begegnungen in der Siedlung zu berichten: von betrunkenen Männern, die aus Gebüschen springen, von unflätigen Pöbeleien oder rücksichtslosen Autofahrern. Dies sei aber alles längst nicht so schlimm, finden sie, denn vieles werde auch stark aufgebauscht.

Auch Diana Böhm möchte eine Lanze für die Siedlung und Schalke-Nord brechen: „Es ist hier sehr schön, und auch als Frau habe ich hier abends nie Angst. Es gibt viele Vorurteile gegen den Stadtteil, weil hier viele Migranten leben. Davon kann ich aber kein einziges bestätigen.“ Als sie aber an die Schrottimmobilien denkt, die gibt es etwa an der Josefinenstraße, räumt sie ein: „Einige Ecken sind inzwischen leider verkommen und verwahrlost.“ Doch die Menschen, die im Stadtteil leben und arbeiten, wollen, dass es besser wird. Und der Stadtteilladen hilft dabei, beispielsweise mit Nachbarschaftsfesten. Diana Böhm ist überzeugt: „Wir leisten hier wichtige Arbeit.“

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