Karneval

Jeck im Hospiz: Letzter Gruß für todkranken Gelsenkirchener

Die Showtanzgruppe „Bömmskens“ der „Jecken vom Pütt“ tanzt im Innenhof des Gelsenkirchener Emmaus Hospizes für ihr Mitglied Karl Englich.

Die Showtanzgruppe „Bömmskens“ der „Jecken vom Pütt“ tanzt im Innenhof des Gelsenkirchener Emmaus Hospizes für ihr Mitglied Karl Englich.

Foto: Ingo Otto / FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen-Resse.  Um zu zeigen, dass er nicht vergessen ist, besuchten Mitglieder des Gelsenkirchener Karnevalsvereins „Jecken vom Pütt“ Karl Englich im Hospiz.

Laut schallt der musikalische Bergmannsgruß „Glück Auf“ im Innenhof des GelsenkirchenerEmmaus Hospizes. Der Spielmannszug der Bülser Schützen geht voran, zahlreiche Mitglieder der „Jecken vom Pütt“ folgen. Auf dem Balkon steht Karl Englich – zu Tränen gerührt. „Watt is’ los?“, fragt er die vielen Besucher unten auf der Wiese.

Ganz einfach: Sie alle sind gekommen, um ihrem langjährigen Weggefährten eine Freude zu bereiten, ihm einen letzten karnevalistischen Gruß zu erweisen. Die neue Tanzgruppe, die „Bömmskens“, nimmt Aufstellung. Einige Englichs gehören zum Team. Nicht nur deshalb spendierte Karl Englich der Truppe die Erstausstattung, T-Shirts mit dem Logo und dem jeweiligen Namen des Tänzers.

Der Gelsenkirchener war selbst viele Jahre lang Tambourmajor

Aus der aufgestellten Box auf der Wiese erklingt „Happy“. Dazu gibt es eine fröhlich-beschwingte Choreografie der Showtanzgruppe. Karl Englich nickt erst mit dem Kopf, dann klatscht er mit. Der Rhythmus liegt ihm schließlich im Blut. Lange Jahre führte er selbst als Tambourmajor einen Spielmannszug an. Das allerdings war erst nach seiner erfolgreichen Laufbahn als Kunstradfahrer, erzählt die Tochter, Susanne Englich-Meyer. Sie hat vor einigen Wochen die Idee zu dieser besonderen Überraschung. „Das ist ein kleines Abschiednehmen, damit er spürt, er ist wichtig und nicht vergessen.“ Alle, sagt sie, seien gleich bereit gewesen.

„Das ist Ehrensache“, sagt Dominic Schneider vom Vorstand des Karnevalsvereins. „Dafür holt man auch außerhalb der Session die Couleur raus.“ Im Verlauf wendet er sich auch persönlich an Karl Englich. „Wir danken dir für deine Unterstützung“, sagt er und ringt um Fassung. „Deswegen haben wir heute groß aufgefahren.“

Die „Bömmskens“ spielen das Lieblingslied von Karl Englich

So ist es tatsächlich. Die noch neue Tanzgruppe zeigt ihr ganzes Können, tanzt zu Harpos „Moviestar“ wie auch zu Lady Gagas „Pokerface“. Der Spielmannszug steuert Traditionelles bei von „Muss i denn zum Städele hinaus“ bis „Hoch auf dem gelben Wagen“.

Der emotionalste Moment folgt alsbald. Eine Tanzperformance haben die „Bömmskens“ nur für „ihren“ Karl einstudiert – zu dessen Lieblingslied „Aber dich gibt’s nur einmal für mich“. Die junge Leyla interpretiert das Stück ganz allein. Alle anderen bilden um sie einen Kreis. Es ist eine besonders ergreifende Darbietung, für alle, die dabei sind, besonders aber für den 85-Jährigen. Ganz fest hält ihn jetzt sein Sohn, Karl Englich, benannt nach dem Papa, im Arm. „So emotional habe ich ihn noch nie gesehen“, erzählt er ein paar Minuten später. „Er war hin und weg.“

Bei Kaffee und Kuchen gibt es viel zu erzählen

Gut, dass es jetzt noch ein, zwei heitere Programmpunkte gibt bei diesem besonderen Besuch. Dann marschieren alle zur Musik der Spielmannszuges aus und kehren sogleich im Café des Hauses ein. Viel hat man sich jetzt zu erzählen. In diesem Moment kommt Karl Englich selbst um die Ecke, will seine Besucher begrüßen, ein bisschen mit ihnen erzählen und in Erinnerungen schwelgen.

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