Nikolaus-Feier

Letzter Auftritt von Gelsenkirchens ältestem Nikolaus

Ein Buch mit Erinnerungen in der einen, den Bischofsstab in der anderen Hand: Heinz Banning als Nikolaus.

Ein Buch mit Erinnerungen in der einen, den Bischofsstab in der anderen Hand: Heinz Banning als Nikolaus.

Foto: Martin Möller

Gelsenkirchen-Altstadt  Heinz Banning reicht mit 90 Jahren den Bischofsstab für die Feier im Wilhelm-Sternemann-Haus weiter. Ehrenamtlich engagiert bleibt er aber.

Das weiße Gewand übergezogen, Mantel und Stola umgelegt, Bart und Bischofsmütze zurechtgerückt. Was vor mehr als dreißig Jahren noch einfach von der Hand ging, ist für Heinz Banning ohne Hilfe fast nicht mehr machbar. Heute feiert er seinen 90. Geburtstag – morgen tritt er zum letzten Mal als Nikolaus im Wilhelm-Sternemann-Haus auf.

Mit Wehmut in der Stimme

„Es geht einfach nicht mehr. Man muss irgendwann Abschied nehmen“, sagt Banning. Die Wehmut ist seiner Stimme anzuhören. Kein Wunder, denn seit 1984 hatte er am 6. Dezember seinen großen Auftritt.

Wenn „Lasst uns froh und munter sein“ in der Obdachlosen-Begegnungsstätte der Caritas erklang, zog er mit dem Stab in der Hand ein, um die Geschichten vom heiligen Nikolaus, von Martin und Elisabeth zu erzählen. „Denn der Nikolaus war nicht alleine“, weiß der ehemalige Küster der Pfarrgemeinde St. Augustinus, der Teil der Vinzenzbruderschaft der Propsteigemeinde ist und auch in der Kolpingfamilie aktiv war.

Bastelarbeiten mit den Besuchern

An den Nagel hängt Banning aber nur die Nikolaus-Robe, sein ehrenamtliches Engagement für wohnungslose Menschen – für das er mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde – wird er weiter ausüben. Soweit es noch geht. „Früher habe ich Bastelarbeiten mit den Besuchern gemacht -- Bänke oder Krippen zum Beispiel“, erzählt der gelernte Schreinermeister.

Die Arbeiten wurden verkauft, aber auch den Menschen persönlich etwas Gutes getan. „Durch die Beschäftigung beim Basteln haben wir einen Besucher vom Alkohol wegbekommen. Der ist heute noch trocken", erzählt er stolz. „Wir geben den Menschen nicht nur Essen, wir möchten sie ins Leben zurückführen.“

Heute macht er die Bibelgespräche mittwochs, hilft bei Ausflügen und der Essensausgabe und spielt zu Geburtstagsfeiern Gitarre. „Beim Stimmen muss mein Sohn mir helfen, aber die Grundgriffe spielen, das kann ich noch.“ Mit ihm gibt es aktuell etwa zehn aktive Ehrenamtler, die vor allem an den Wochenenden im Einsatz sind.Frühstück und Mittagessen gibt es im Wilhelm-Sternemann-Haus jeden Tag für 50 Cent, seit der Eröffnung in den 80ern ist die Teestube noch keinen Tag geschlossen und kein Essen ausgeblieben. An Weihnachten und Nikolaus ist die Verköstigung sogar umsonst.

Gut gefüllte Nikolaustüten

„Zu Nikolaus bereiten wir außerdem Tüten vor“, erzählt Banning. Besonderes Highlight: 75 Paar handgestrickte Socken, die Frauen aus der Pfalz den Obdachlosen spenden. „Für warme Füße in der kalten Jahreszeit.“ Neben den Socken sind die Tüten außerdem mit weiteren Spenden gefüllt: Stutenkerle, Nüsse, Obst, Schoko-Nikoläuse, Unterwäsche und ein Päckchen Tabak gefüllt ist darin.

Wer ab dem kommenden Jahr in Bannings Fußstapfen tritt, steht übrigens bereits fest: Heinz Pinnau, der auch in diesem Jahr schon bei der Nikolausfeier dabei sein wird.

Apropos Feier: Seinen 90. feiert Banning am kommenden Wochenende mit Freunden und Familie. Dazu will er aber keine Geschenke: „Ich stelle eine Spendendose für das Wilhelm-Sternemann-Haus auf. Das ist mir wichtig.“

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