Vor der Opernpremiere

L‘Orfeo: Das Gelsenkirchener MiR stimmt auf Monteverdi ein

Sopranistin Alfia Kamalova sang klangschön und berührend den Eingangsprolog in der Rolle der Musica. „L‘Orfeo“ von Claudio Monteverdi feiert am 17. Oktober Premiere in Gelsenkirchen.

Sopranistin Alfia Kamalova sang klangschön und berührend den Eingangsprolog in der Rolle der Musica. „L‘Orfeo“ von Claudio Monteverdi feiert am 17. Oktober Premiere in Gelsenkirchen.

Foto: Ingo Otto / FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen.  Suche nach dem Glück in Coronazeiten: Als Mischung aus Oper, Tanz und Puppenspiel bringt das Gelsenkirchener Musiktheater L’Orfeo auf die Bühne.

Und plötzlich passt die schon so lange geplante Produktion perfekt in diese Zeit. Denn was könnte bei dem derzeit so notwendigen Gebot des Abstandhaltens aktueller sein als die Sehnsucht nach Nähe, Liebe und Umarmung. Die Oper „L‘Orfeo“ von Claudio Monteverdi erzählt aus der Sicht von Regisseurin Rahel Thiel, die das Stück am 17. Oktober in einer Mischung aus Oper, Tanz und Puppenspiel auf die Bühne des Musiktheaters im Revier bringen wird, von genau dieser Suche nach dem Glück des Zusammenseins.

Spartenübergreifende Renaissancespektakel im Musiktheater im Revier

In einer Matinee im Kleinen Haus machte das Regieteam am Sonntagmorgen mit Kostproben Appetit auf das opulente, spartenübergreifende Renaissancespektakel. Dass hier allein über 35 Sänger, Tänzer und Puppenspieler gemeinsam mit einem 25-köpfigen Orchester die erste Oper der Weltgeschichte stemmen dürfen, das empfindet Rahel Thiel als großes Glück „Darum haben wir den Abstand nicht als Problem, sondern als Challenge angenommen“, erklärte sie am Sonntag dem Publikum.

Talkrunde mit dem Chef-Dramaturgen Olaf Roth

Welche Tricks sie dafür gemeinsam mit dem Chef der Tanzcompany, Giuseppe Spota, entwickelt hat, das verrieten Regisseurin und Choreograf in der Talkrunde mit dem Chef-Dramaturgen Olaf Roth. Das Gesangsensemble zum Beispiel wird links und rechts am Bühnenrand auf zwei Podesten platziert, und nur einzeln treten die Solisten aus diesem Chor hervor.

Liebe in Zeiten der Pandemie: „Ja, das ist kompliziert“

„Niemand darf sich berühren“, mahnt Rahel Thiel. Stattdessen umarmen die Tänzerinnen und Tänzer lebensgroße Stoffpuppen und schieben sie in vitalen Duettformationen übers Parkett. Liebe in Zeiten der Pandemie.„Ja, das ist kompliziert“, lächelt der italienische Tanzchef. Die Einsamkeit des Orfeo sei in Corona-Zeiten ein Teil von uns allen geworden. Und doch: „Durch die Pandemiebedingungen entsteht auch eine größere Sensibilität, eine unverhoffte Magie.“

Und eine zauberhafte, wenn auch bittere Geschichte erzählt „L’Orfeo“ schließlich. Dramaturg Olaf Roth erinnerte an den Stoff aus der griechischen Mythologie. Künstler Orpheus trauert um seine verstorbene Braut Euridice, überwindet den Wächter am Tor zur Unterwelt und darf seine Frau aus dem Reich der Schatten entführen. Wenn, ja wenn er sich auf dem Weg hinaus aus dem Totenreich nicht zu ihr umdreht…Beeindruckende Kostproben aus der kraftvollen Choreografie servierten die Tänzerinnen und Tänzer mit Masken vorm Gesicht und Socken an den Füßen. Klar, einfach und stark die Bewegungen zu Klängen, am Klavier gespielt von Massimiliano Toni, die in ihrem höfischen Duktus förmlich zum Tanz auffordern.

Gastmusiker bereichern mit historischen Instrumenten das Klangbild der Oper

Sopranistin Alfia Kamalova, wunderbar mal wieder solo zu erleben, sang klangschön und berührend den Eingangsprolog in der Rolle der Musica. Tenor Khanyiso Gwenxane stellte sich sonor in der Titelrolle des Orfeo vor. Neben Regisseurin und Tanzchef informierten auch die beiden musikalischen Leiter der Produktion, Alte Musik-Experte Werner Ehrhardt, und sein Assistent Massimiliano Toni über den Stand der Produktion. Die Neue Philharmonie Westfalen erhält im Orchestergraben Unterstützung von Gastmusikern, die mit historischen Instrumenten das Klangbild der Oper bereichern werden. Am Ende, so hofft Dirigent Ehrhardt, „wird die Musik Monteverdis erklingen wie das Rauschen im Blätterwald“. Magie auch hier in Zeiten der Pandemie.

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