Ausstellungsreihe

Kunst aus Dosen: Hermann Kassel stellt in Gelsenkirchen aus

Der Künstler Hermann J Kassel zeigt im Kunstmuseum Gelsenkirchen Werke aus  Aluminiumdosen.

Der Künstler Hermann J Kassel zeigt im Kunstmuseum Gelsenkirchen Werke aus Aluminiumdosen.

Foto: Joachim Kleine-Büning / Funke Foto Services GmbH

Gelsenkirchen.   Rund 2500 Dosen hat der Künstler Hermann J. Kassel in Kunst verwandelt. Die Werke sind in der Reihe „Open Up“ im Gelsenkirchener Museum zu sehen.

„Ich war eine Dose“ – mit diesem Slogan warb die deutsche Weißblechindustrie in den achtziger Jahren mit einer Kampagne für ihre Produkte, und zeigte zugleich die Zweitverwertungsmöglichkeiten auf. Eine „Recycling-Idee“ wurde dabei vergessen: Die Wiedergeburt der Dose als Kunstwerk.

Der Mechernicher Künstler Hermann J. Kassel möchte diese Lücke nun schließen: Auf Einladung des Kunstvereins

Gelsenkirchen hat er sich für den sechsten Teil der Ausstellungsreihe „Open up - Kunst, Technologie, Innovation“ von glänzenden Aluminiumdosen inspirieren lassen und sagenhafte Kunstwerke geschaffen. Ab Sonntag sind diese nun im Kunstmuseum Gelsenkirchen an der Horster Straße zu sehen. „Mehr als Einweg„ hat Kassel seine Werkschau mehrdeutig genannt. „Als mir der Kunstverein die Aluminiumdosen als Materialvorgabe zugewiesen hat, konnte ich mich erst gar nicht damit anfreunden – mein ökologisches Gewissen hat sofort Alarm geschlagen“, erzählt Hermann J. Kassel, der schon mehrfach mit seiner Kunst in Gelsenkirchen zu Gast war und hier unter anderem das Werk „Energie-Transformator“ (vor dem Musiktheater) schuf.

Kunstvoll hochgestapelt

„Doch je mehr ich mich dann mit dem Material beschäftigt habe, um so mehr hat es mich in den Bann gezogen. Aluminium ist zwar in der Herstellung ein echter Energiefresser, aber da die Recyclingquote deutlich höher ist als bei Glas, ist der okölogische Fußabdruck im Endeffekt gar nicht so schlecht“, erzählt Kassel, der im Werk der Gelsenkirchener „Ball Beverage Packaging Gelsenkirchen GmbH“ an der Emscherstraße auf Tuchfühlung ging mit dem Wertstoff – und dort teilweise für seine Kunst die Produktion stoppte. „Die Firma Ball war zwar anfangs sehr zögerlich, aber im Verlauf des Projektes sehr aufgeschlossen für seine Ideen“, betont Ulrich Daduna, der Vorsitzende des Kunstvereins.

Und so zog Hermann J Kassel Dose für Dose – die eigentlich für Bier gedacht waren – vom Band, bevor sie einen Deckel bekamen. 2500 von ihnen „verbaute“ er in seinen Werken, in dem er sie kunstvoll stapelte oder aneinanderreihte. So entstanden grafische Muster, in denen sich Licht und Umgebung spiegeln. Das macht sie zu kinetischer Kunst – je nach Blickwinkel ändern sie ihre Optik.

Der Blick auf den Wertstoff

Für ein imposantes Wandwerk hat Hermann J. Kassel 460 Dosen zu einem großen Ganzen kombiniert, in dem sich auch

die Betrachter selber wiederfinden. „Ich möchte mit diesem Werk dazu anregen, dass man sich selbst reflektiert und sich den eigenen Umgang mit Werkstoffen bewusst macht“, erklärt der Künstler, der auch eine zerbeulte Getränkedose ins Rampenlicht rückte – und ihr den Stempel „Ich bin wertvoll“ aufdrückte.

Wie wertvoll das einst so verpönte Material, das in Deutschland inzwischen eine Renaissance erlebt, wirklich ist, hat Hermann J. Kassel in den letzten Wochen erlebt: „Aluminium ist so wandlungsfähig, dass mir zahlreiche Projekte dazu einfallen. Und dies wird sicherlich nicht die letzte Dose sein, die ich bewegt habe“, sagt er mit Blick auf seine Werkschau.

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