Kunstaktion

Künstler rücken „ihr“ Ückendorf verlockend ins Licht

Gabi Rottes zeigte am Halfmannshof eine vertonte Video-Mapping-Installation, die Ückendorf in ein ganz neues Licht rücken.

Gabi Rottes zeigte am Halfmannshof eine vertonte Video-Mapping-Installation, die Ückendorf in ein ganz neues Licht rücken.

Foto: Ingo Otto / FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen-Ückendorf.  Seit zehn Jahren machen Künstler in Gelsenkirchen alljährlich „Licht an!“ für Besucher. Am Samstag eroberte das Leuchten ganz neue Dimensionen.

„Das Treppenhaus der Bochumer Straße 109 ist schon ein Kunstwerk an sich“, bemerkte Joachim Thierse, und machte gleich mal ein Foto. Der Gladbecker, „ganz klimaneutral mit ÖPNV angereist“, besuchte alle Ateliers zu Fuß. „Ein wunderschöner Spaziergang“. In der „109“ hatten sich viele Künstler zum 10. Geburtstag der Veranstaltung ganz spezifisch mit dem Thema „Licht“ beschäftigt. Farbintensiv in Aquamarintönen das „Meeresleuchten“ von Aleksandra Baumann, Spiele mit Helligkeit. Kollegin Bärbel Frank dagegen experimentiert mit dem Gegenteil. Ihre taktile Kunst muss ertastet werden, sie macht auch schon mal das Licht aus. „Ich habe das gängige Verbot, Kunst anzufassen, aufgehoben“. Andreas Paehge erfasst Lichtkegel einfahrender U-Bahnen fotografisch.

Auftragsarbeit zum Jubiläum von Gabi Rottes

Fotos sind auch der Ausgangspunkt der Lichtinstallation „Grüße aus Ückendorf“ von Gabi Rottes. Die Auftragsarbeit zum Jubiläum fängt bemerkenswert die vielen Facetten des Stadtteils ein, dort wo noch das Alte wohnt, hier, wo sich das Neue angesiedelt hat. Die Bilder sind mit einem japanischen Manga-Programm in Strichzeichnungen verwandelt auf vier Tafeln gedruckt, bei Einbruch der Dunkelheit überlappen und überschneiden sich dreidimensional aufbereitete Fotos in prägnanter Farbgebung und strahlen in der Dunkelheit. Aufgestellt war die Installation auf dem Halfmannshof vor dem „Daig“ (ehemals Alte Schmiede), wo sich am Samstag die Akteure am Ende des Tages zum gemeinsamen Festakt „10 Jahre Licht an!“ trafen. Rottes, die Wahl-Ruhrgebieterin aus Hamburg, wohnt hier seit zwei Jahren. „Es ist ein inspirierender Ort der Ruhe“, schwärmte sie.

Objekt- und Buchbinderkunst mit Tradition am Halfmannshof

Regina und Dietmar Klein mit ihrer Buchbinderkunst und Heiner Szamida wissen das nur allzu gut, sie sind seit den 1970er Jahren auf dem Gelände beheimatet. Auch Szamidas Atelier war dauerhaft besucht, seine Objektkunst geometrischer Formen aus dem Grundmaterial Spanholz fand viele Bewunderer. Unterstützt vom Verein „Jazz & Kunst“ boten er und seine Frau Gabriele rund um eine wärmende Feuertonne den frierenden Besuchern am kalten Abend heiße „Kulturwürstchen“, Glühwein und Hackfleischsuppe an.

Starke Botschaften

„Diese Veranstaltung ist eine Inspiration und Boden für Vernetzung“, schwärmte Ingrid Weck vom Verein. „Künstlerisch begeistert hat mich die Vielfalt von Materialien, aber diesmal auch der Themen. Starke Botschaften zu Umweltschutz und Flüchtlingsschicksalen“. „Es waren besondere Jahre hier im Gelsenkirchener Süden“, resümierte Oberbürgermeister Frank Baranowski zur Rückschau auf das vergangene Jahrzehnt. Jahre des Aufbruchs, und Aufbruch solle es auch in Zukunft bleiben, symbolisch immer zu Beginn des Sommers und des Winters. Damit lud er jetzt schon zum Frühlingspendant der Veranstaltung, zu „Tür Auf!“, ein. (2. und 3. Mai 2020)

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