Verkaufsoffene Sonntage

Kritik am Sonntag als Einkaufstag

Mark Rosendahl (DGB Emscher-Lippe), Dieter Heisig (ev. Industrie- u. Sozialpfarramt), Michael Siever (Verdi), Werner Skiba (KAB Gelsenkirchen) und Probst Markus Pottbäcker (Katholische Stadtkirche) (v.l.) in den Räumen des Evangelischen Kirchenamts in Gelsenkirchen. Sie sprechen sich gegen erweiterte sonntägliche Ladenöffnungszeiten aus.

Mark Rosendahl (DGB Emscher-Lippe), Dieter Heisig (ev. Industrie- u. Sozialpfarramt), Michael Siever (Verdi), Werner Skiba (KAB Gelsenkirchen) und Probst Markus Pottbäcker (Katholische Stadtkirche) (v.l.) in den Räumen des Evangelischen Kirchenamts in Gelsenkirchen. Sie sprechen sich gegen erweiterte sonntägliche Ladenöffnungszeiten aus.

Foto: Michael Korte

Innenstadt.  Gewerkschaft und Kirchen kritisieren verkaufsoffene Sonntage. 60 Ratsvertreter wurden angeschrieben. Wie die Volksvertreter stimmen.

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An zwölf Sonntagen in diesem Jahr werden Menschen vermutlich wieder verstärkt die städtischen Einkaufsmeilen aufsuchen. Am 22. Februar wird der Rat der Stadt wohl die Verwaltungsvorlage zu zwölf verkaufsoffenen Sonntagen beschließen. Der Handelsverband NRW Westfalen-West hatte die Freigabe der Ladenöffnungszeiten von 13 bis 18 Uhr beantragt.

Widerstand kommt von Kirchen und Gewerkschaften. Zum ersten Mal schrieben die Kritiker einen offenen Brief an Politiker, die über den Antrag entscheiden müssen. „Wir wollen, dass das Thema nicht nur im stillen Kämmerlein der Politik, sondern in der Bevölkerung diskutiert wird“, sagt Sozialpfarrer Dieter Heisig. 60 Ratsvertreter sind angeschrieben worden. Mit elf Antworten war die Resonanz unter den Volksvertretern eher bescheiden. Die FDP und die Rechtsaußen im Rat äußerten sich nicht, die SPD antwortete durch Dr. Klaus Haertel mit einer Fraktionsmeinung. Die Sozialdemokraten halten die Zustimmung oder Ablehnung nicht für eine Gewissensentscheidung. Der Rat, so Haertel, hätte aktuell lediglich über räumlich, zeitlich und anlassbezogen begrenzte Ausweitung der gesetzlichen Ladenöffnungszeiten an Sonntagen zu entscheiden. SPD-Ratsherr Taner Ünalgan, der, wie auch die Fraktion, der Vorlage zustimmen wird, begrüßt den Anstoß von Kirchen und Gewerkschaft zu einer öffentlichen Debatte. Er warnte allerdings vor einer weiteren Ausweitung des Ladenöffnungsgesetzes, die bei der Landesregierung im Gespräch ist.

CDU ist geteilter Meinung

In der CDU ist die Meinung geteilt. Fraktionschef Wolfgang Heinberg hält das Thema für eine kommunalpolitische Gewissensfrage. Er lehnt die Vorlage ab, ist gegen eine „Kommerzialisierung aller Lebensbereiche und aller Lebenszeit. Wir müssen Überzeugungsarbeit leisten für den Grundsatz des arbeitsfreien Sonntags, für Zeiten des Innehaltens, für die Familie und das Miteinander.“ Fraktionskollege Sascha Kurth, der hinter der Öffnung steht, sieht die Beliebtheit der Sonntage und verweist auf einen Standortnachteil, der bei einem Verzicht entstünde.

Die Antworten von Abgeordneten der Grünen, der Linken und Auf sind eindeutig: Arbeitnehmerschutz, Verdrängung kleinerer Läden und zunehmende Konsumorientierung nennen die Politiker als Grund für ihre Ablehnung.

Gewerkschaft kündigt Widerstand an

Michael Sievers von der Gewerkschaft Verdi, kritisiert, dass weitere Liberalisierung auf den Rücken der Arbeitnehmer ausgetragen werde. 38 Prozent der Beschäftigten in Westdeutschland seien nur tarifgebunden. Für Stadtdechant Markus Pottbäcker ist es eine Frage der gesellschaftlichen Kultur, den Sonntag der Familie zu lassen: „Mit den verkaufsoffenen Sonntagen werden die Weichen gestellt, dass der Zug noch mal schneller fahren kann.“ Im nächsten Jahr wollen die Kritiker eher ins Thema einsteigen. Mark Rosendahl vom DGB Emscher-Lippe: „Wir werden nicht schweigen und den Widerstand erhöhen.“

>> 12 verkaufsoffene Sonntage verteilt auf vier Zentren

An vier Sonntagen sind die Geschäfte in diesem Jahr in der Innenstadt geöffnet. Am 8. April (Blumenmarkt), 3. Juni (GEspaña), 7. Oktober (Bauernmarkt und 4. November (1000 Lichter in der City).

Buer: 10. Juni (Buer live), 9. September (City-Fest), 9. Dezember (Weihnachtsmarkt).

Horst: 8. April (Mobilitätsshow), 10. Juni (Gaudium), 30. September (Horster Herbst) und 2. Dezember (Adventmarkt).


Erle: 6.Mai (Erle vereint). Die Werbegemeinschaft will auf der Cranger Straße, zwischen der Sparkasse und der Dreifaltigkeitskirche ein Bühnenprogramm präsentieren.

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