Ballett

Kreativer Dialog der Kulturen und Nationen im Gelsenkirchener Musiktheaters

Das Ballett im Revier probt im Foyer des Musiktheaters gemeinsam mit der Flüchtlingsgruppe Heimatlos und dem Trio Vax mit Patrick Breiner.

Das Ballett im Revier probt im Foyer des Musiktheaters gemeinsam mit der Flüchtlingsgruppe Heimatlos und dem Trio Vax mit Patrick Breiner.

Foto: Foto: Martin Möller / Funke Fot

Gelsenkirchen.  Am Freitag, 8. Juli, verwandelt sich das Foyer des MiR in einen swingenden Tanzpalast. Die achte Jam Session nimmt Zuschauer mit auf eine Reise durch die Genres

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Unter den blauen Schwammreliefs von Yves Klein treffen sich für gewöhnlich die Opernbesucher zu Pausengesprächen bei Sekt und Selters. Seit einigen Tagen aber fließt an gleicher Stelle vor allem der Schweiß in Strömen. Das obere Foyer des Musiktheaters im Revier (MiR) mutiert zurzeit zur hektisch-wuseligen Probenbühne für Tänzer, Musiker, Dramaturgen, Choreographen. Sie alle studieren die Jam Session VIII ein, die am Freitag, 8. Juli, das Foyer in einen swingenden Tanzpalast verwandeln wird.

„Pssst“ zischt die Ballerina und scheint wie aus einem Traum zu erwachen. Mit ihren Armen greift sie elegant in den Raum hinein, räkelt, streckt und dehnt sich. „Pssst“ zischt neben ihr der Saxofonist und beginnt mit den Armen zu rudern. Ein ganzer Kreis von zunächst starr dastehenden Menschen gerät in Bewegung, wenn ein Sprecher den Text von John Lennons legendärem Friedenssong „Imagine“ rezitiert.

Grenzenlose Begegnungen

„Image all the people“: Grenzenlose Begegnungen zwischen Menschen und Kulturen thematisiert auch die nunmehr achte Jam Session, die Ballettdirektorin Bridget Breiner im Jahre 2012 am MiR ins Leben gerufen hatte.Mit der Folge acht geht sie zu den Wurzeln der Reihe zurück: Auch diesmal gastiert ihr Bruder, der amerikanische Saxofonist Patrick Breiner, um die tänzerischen und musikalischen Grenzen zu sprengen, um Gemeinsamkeiten auszuloten. „No Limits“ – keine Grenzen, so lautet das Motto der Session, die Tanz, Bewegung, Jazz, Weltmusik und Texte zu einer gut 75-minütigen Reise durch die Genres und Kulturen verbindet.

Zur internationalen Ballettcompagnie gesellt sich das New Yorker Jazztrio „Vax“. Als dritte Zutat tritt die Band „Heimatlos“ auf, die sechs aus Syrien geflüchtete junge Musiker im Begegnungszentrum „Kulturzimmer“ in Neukirchen-Vlyn gemeinsam mit dem Schauspieler und Regisseur Frederik Göke gegründet haben. Die Sänger und Instrumentalisten werden Lieder aus ihrer Heimat rockig bearbeitet präsentieren.

Aus diesen drei künstlerisch so unterschiedlichen Genres in internationaler Besetzung will das Team ein großes gemeinsames Ganzes kreieren, gewürzt aber mit jeder Menge Improvisation und Spontaneität. Miteinander agieren, aufeinander reagieren, mit dem Publikum kommunizieren, offen sein für jede Ausdrucksform: Damit will diese Session spielen und experimentieren, überraschen und unterhalten.

Eine Session ist harte Arbeit

Die Proben dieses kreativen Dialogs der Kulturen und Nationen funktionieren in englischer Sprache bestens. Mal wohlklingend harmonisch, mal schräg und witzig fallen sich Saxofon, Schlagzeug, Saz und Gitarre ins Wort, finden zu immer wieder neuen Harmonien und Kontrasten, während die Körper sich dazu im Rhythmus bewegen. Auch eine Session ist harte Arbeit, das erkennt, wer die intensiven Probenarbeiten unter den blauen Schwammreliefs beobachtet. Auch die Ballettchefin selbst wirft immer mal wieder neugierig ein Auge auf das ungewöhnliche Klang- und Bewegungserlebnis.

Das übrigens geht erstmals am Mittwoch, 6. Juli, in der Maschinenhalle der Zeche Padberg in Moers über die Bühne, ist dann am 7. Juli im Kunstmuseum Bochum (Kortumstraße 147, 44787 BO) zu sehen, um dann am 8. Juli die Zuschauer im Foyer des Großen Hauses im Musiktheater zu begeistern.

Apropos Zuschauer: Die werden selbst mitten drin sein im Geschehen und dürfen sich zwischen den Akteuren bewegen. Eine echte Session eben! Und die letzte Tanzproduktion der zu Ende gehenden Spielzeit!

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