Bußgeld

Knöllchen-Ärger rund ums Gelsenkirchener Amphitheater

Das Amphitheater Gelsenkirchen war am Sonntag Schauplatz eines Konzerts der Band Toto. Während des Auftritts schrieben Politessen der Stadt rund 100 Knöllchen für Falschparker.

Das Amphitheater Gelsenkirchen war am Sonntag Schauplatz eines Konzerts der Band Toto. Während des Auftritts schrieben Politessen der Stadt rund 100 Knöllchen für Falschparker.

Foto: Hans Blossey / www.blossey.eu

Gelsenkirchen.  Beim Toto-Konzert schrieb die Stadt rund ums Amphitheater 100 Tickets für Falschparker. Abzocke, sagen einige – aber wer denkt an die Anwohner?

Vermutlich waren die meisten der gut 6000 Besucher des Toto-Konzerts am Sonntag bester Laune, als sie sich nach einer musikalischen Zeitreise in die 1980er-Jahre auf den Weg vom Amphitheater zurück zu ihren Autos machten. Einigen von ihnen dürfte die Laune dann aber schnell vergangen sein: Etwa 100 Scheibenwischer hatten sich in Knöllchen-Halter verwandelt. Abzocke, rufen einige. Aber ist das wirklich so?

Anwohner ärgern sich über Falschparker

„Falsch parken ist falsch parken“, sagt Stadtsprecher Oliver Schäfer. Und da kann grundsätzlich niemand widersprechen. Dennoch werfen Konzertbesucher der Stadt vor, die Situation vor Ort auszunutzen, um ordentlich Kasse zu machen. „So eine Situation hat immer zwei Seiten“, so Schäfer. „Es gibt auch Leute, die sich über die Falschparker beschweren.“ Rund ums Amphitheater gebe es nämlich auch Anwohner.

Auch beim Toto-Konzert habe es „massive Beschwerden von Anwohnern“ gegeben – genauso wie am Wochenende zuvor, als dort ein türkisches Musikfestival über die Bühne ging. An dem Wochenende wurden laut Stadt sogar 600 Knöllchen geschrieben.

Stadt muss Hinweisen nachgehen

„Wir müssen solchen Hinweisen aus der Anwohnerschaft natürlich nachgehen“, gibt der Stadtsprecher zu bedenken. Wobei er klar sagt: „Es geht uns dabei nicht um die Einnahmen, sondern um die Einhaltung der Straßenverkehrsordnung.“ Deshalb gingen die Politessen an solchen Abenden auch „mit viel Augenmaß“ ans Werk. „Es gibt Falschparker, die müssten eigentlich abgeschleppt werden“, sagt Schäfer. Man drücke hier und da schon mal ein Auge zu – „außer natürlich bei Feuerwehrzufahrten“.

Ein Konzertbesucher kritisierte die niedrige Anzahl der vorhandenen Parkplätze, was zwangsläufig zur Folge hätte, dass manch einer sein Auto widerrechtlich abstellt. Bettina Behrendt vom Amphitheater verweist auf die Richtzahlen für den Stellplatzbedarf. „Für fünf bis zehn Plätze im Veranstaltungsraum muss es einen Parkplatz geben.“ Das Fassungsvermögen des Amphitheaters gibt sie mit 6100 an. Demnach müssten 610 bis 1220 Parkplätze vorhanden sein. Laut Behrendt sind es aber mehr: „1365 Stellplätze sind in unmittelbarer Nähe vorhanden.“ Unmittelbare Nähe heißt: maximal 15 Minuten Fußweg.

Amphitheater will nachbessern

Aber Behrendt sagt auch: „Wir wollen nachbessern.“ Was jedoch nicht heißt, dass in naher Zukunft die Planierraupen anrollen, um die Zahl der Stellplätze am Nordsternpark zu erhöhen. „Wir denken über einen Shuttle-Service nach“, so Behrendt. Das Gedankenspiel: Das Amphitheater sucht sich einen Partner mit einem großen Parkplatz in der Umgebung und kutschiert die Konzertbesucher dann mit einem Bus zum Amphitheater und später wieder zurück.

Wobei bei aller Problematik gerade in der heutigen Zeit natürlich eine Frage sofort auftaucht: „Muss eigentlich jeder mit dem Pkw anreisen“, möchte auch Oliver Schäfer gerne wissen. Wobei das je nach Konzert mit dem ÖPNV ja so eine Sache ist: Im Falle von Toto kamen zum Beispiel nur elf Prozent der Gäste aus Gelsenkirchen und Essen, so Bettina Behrendt. 20 Prozent hatten sogar eine Anreise von über 100 Kilometern.

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