Am Ende der Woche

Kneipen fördern – Jetzt erst recht

WAZ-Redakteurin Sibylle Raudies  

WAZ-Redakteurin Sibylle Raudies  

Foto: Martin Möller / FFS

Das Kneipensterben beschäftigte Gelsenkirchen diese Woche. Warum Kneipen fürs Miteinander in der Stadtgesellschaft wichtig sind. Ein Kommentar.

Es kann einer Stadt nicht gleichgültig sein, wenn ihre Gaststätten schließen. Die kleine Kneipe an der Ecke hat längst Seltenheitswert und damit auch der einst so selbstverständliche Treffpunkt der Nachbarschaft am Tresen nebenan. Freilich, manches Ritual wie der Sonntagsfrühschoppen hat sich überlebt. Gesellschaftliches Miteinander, reale Begegnung sind aber gerade heute unverzichtbar. Immer mehr Menschen ziehen sich zurück ins Private oder tauchen ab in virtuelle Welten, vereinsamen. Umso wichtiger ist es, neue, selbstverständliche Treffpunkte in der realen Welt zu schaffen, und zwar möglichst ohne lange Anreise.

Die Stadt Gelsenkirchen und viele Ehrenamtler tun mit ihrem Quartiersmanagement viel, um das Leben in den Stadtteilen lebenswert zu erhalten. Zum Teil haben auch Cafés die Funktion der Kneipen von einst übernommen. Doch eine Szene, die die Bezeichnung Nachtleben in der City zumindest ein wenig verdient, ist wichtig für die Stadtgesellschaft und das Lebensgefühl der Bürger. Eine Kneipendichte wie im Bochumer Bermuda-Dreieck ist in Gelsenkirchen sicher unrealistisch. Aber ein paar Anlaufstellen mehr dürften es schon sein.

Wirtschaftsförderer müssen sich mit dem Thema befassen

Gastronomen in Gelsenkirchen haben es unbestritten schwerer als in Bochum. Umso wichtiger ist es, dass die Wirtschaftsförderer der Stadt sich mit dem Thema befassen, am Ball bleiben. Auch wenn es beim „Burgers & Beer“ nicht den erhofften Effekt hatte: Ein Grund, die Förderung von Gastronomie aufzugeben, ist dessen Aufgabe ganz sicher nicht. Ganz im Gegenteil.

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