Kultur

Kinder und Zuschauer nicht allein lassen

Im Vorfeld zur Premiere der Oper "Der Kaiser von Atlantis" von Viktor Ullmann gestalteten Kinder einer Trauergruppe des Instituts Lavia eine Ausstellung im Musiktheater im Revier in Gelsenkirchen; u.a. bemalten und beschrifteten sie (hier Sebastian) im Probensaal des Hauses alte Holzkreuze.

Im Vorfeld zur Premiere der Oper "Der Kaiser von Atlantis" von Viktor Ullmann gestalteten Kinder einer Trauergruppe des Instituts Lavia eine Ausstellung im Musiktheater im Revier in Gelsenkirchen; u.a. bemalten und beschrifteten sie (hier Sebastian) im Probensaal des Hauses alte Holzkreuze.

Foto: WAZ FotoPool

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Gelsenkirchen.Was passiert, wenn der Tod seine Arbeit niederlegt? Eva, Carolin, Anna und Sebastian fänden das schrecklich – und das, obwohl der Tod ihnen den Vater oder die Mutter nahm. Sie meinen: „Der Tod gehört zum Leben dazu und sollte kein Tabuthema sein.“ Begleitend zur Oper „Der Kaiser von Atlantis“, präsentieren 30 Jugendliche die Ausstellung „Der Tod dankt ab“. Bis zum 19. April sind die Exponate vor und nach den Vorstellungen im Foyer des Kleinen Hauses zu sehen.

In einem Zimmer malen Kinder Sonnen und Blumen auf Holzkreuze, die noch vor kurzem in Graberde steckten. „Ein Beerdigungsinstitut hat sie uns zur Verfügung gestellt“, berichtet Trauerbegleiterin Mechthild Schroeter-Rupieper, die die rund 30 Kinder und Jugendlichen betreut. Ohne Namen versteht sich.

Sterben soll kein Tabuthema sein

Die Kreuze sind nur ein Teil der Ausstellung, es gibt auch Texte, Gedichte, Filme und Hörspiele. Es geht um die Fragen Wer ist der Tod?, Was ist das Leben? Und vor allem: Was passiert, wenn sich beide begegnen? „Da treffen sich in einem Rollenspiel der Tod und das Leben zum Dialog in der Dönerbude“, verrät Carolin (22). Sie weiß, dass viele nur schlecht mit dem Thema Tod umgehen können und sieht in der Ausstellung daher auch eine Botschaft: „Wir wollen zeigen, dass Sterben kein Tabuthema ist.“ Und dass die Auseinandersetzung mit ihm nicht immer traurig sein muss. Der Tod gehört zum Leben dazu und muss nicht immer schlimm, „sondern kann auch erlösend sein“, weiß Eva.

Die heute Zwölfjährige verlor ihre Mutter als sie acht Jahre alt war – sie starb an ihrem Geburtstag. Seitdem arbeitet sie das Erlebte zusammen mit der Trauerbegleiterin Mechthild Schroeder-Rupieper auf. Zusammen mit 30 ihrer Klienten, die zwischen 6 und 24 Jahre alt sind, hat die Trauerbegleiterin die Projektschau realisiert. Es ist das erste Mal, dass das Musiktheater diesen Weg geht – und die Kinder dabei unterstützt, selbstständig die begleitende Ausstellung zu stemmen. „Die Oper ist ein sehr bedrückendes Stück“, erklärt Theaterpädagogin Sandra Wildgrube. „Damit wollen wir die Zuschauer nicht alleine lassen, die Ausstellung fängt das Thema auf.“

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