Lange Wartezeiten

Kfz-Zulassung: Geduldsspiel für Gelsenkirchener Autofahrer

Schilder und abgetrennte Wartebereiche regulieren den Andrang im Gelsenkirchener Straßenverkehrsamt.

Schilder und abgetrennte Wartebereiche regulieren den Andrang im Gelsenkirchener Straßenverkehrsamt.

Foto: Olaf Ziegler / Funke Foto Services GmbH

Gelsenkirchen-Bulmke-Hüllen.  Monatelange Wartezeiten für Termine sind in Gelsenkirchener bei der Kfz-Zulassung üblich. Das fördert in einigen Fällen offenbar skurrile Ideen.

Der Stress für Autofahrer spielt sich nicht nur auf den Straßen ab. Wer heute sein Fahrzeug an- oder ummelden muss, der kann sich auf extrem lange Wartezeiten einstellen. Wer den Weg über die online-Anmeldung wählt, muss bis zu zwei Monate warten, ehe er einen Termin in der Zulassungsstelle bekommt. Der direkte Weg ins Straßenverkehrsamt ist ebenso frustrierend.

Oft sind bereits um 8.30 Uhr alle Marken, die an dem Tag aufgerufen werden, bereits vergeben. Nicht immer reagieren Autofahrer besonnen, wenn sie ohne Anmeldung wieder den Heimweg antreten dürfen. Die Lautstärke bei Protesten nimmt zu. Stadtsprecher Martin Schulmann bestätigt die zunehmenden Probleme bei An- und Abmeldungen. „Die schwierigen Fälle erreichen bei der Anmeldung mitunter bis zu 80 Prozent.“

Bis zu 80 Prozent schwierige Fälle

Vor allem durch den Zuzug aus den EU-Ostländern wie Rumänien oder Bulgarien sind die Arbeitsabläufe komplizierter geworden. Oft fehlen Unterlagen und Nachweise, verzögern Sprachprobleme die Bearbeitung. Immer häufiger überprüfen Mitarbeiter der Behörde so genannte Scheinhalter. Diese müssen ihre wirtschaftlichen Verhältnisse offen legen wie auch dokumentieren, dass sie einen gültigen Führerschein besitzen. Sitzt der Eigentümer im Ausland, ist das Fahrzeug dort auch versichert, kann eine Überprüfung sehr lange dauern. Ist der Zoll nicht bezahlt, bestehen Steuerschulden, kann der Autobesitzer das Fahrzeug nicht anmelden. In anderen Fällen war die vorgelegte EVB-Nr, die elektronische Versicherungsbestätigung, falsch. Sie existierte nicht.

„Einen Großteil der Arbeitszeit müssen Kollegen dafür aufwenden, Zulassungsanträge abzulehnen“, sagt Schulmann. Von Mitte Mai bis heute gaben die Mitarbeiter der Zulassungsstelle über 9700 Wartemarken aus. In 713 Fällen lehnten sie die Anträge ab. In den letzten Jahren nahm die Zahl der An- und Abmeldungen im Gegensatz zur Bevölkerungszahl zu. Im Jahr 2012 meldeten Autofahrer 59.917 Fahrzeuge an oder um. Innerhalb von vier Jahren stieg die Anzahl kontinuierlich bis auf 67.332. Zwischen 150 und 300 Vorgänge bearbeiten die Mitarbeiter monatlich. Im August waren es in den ersten drei Wochen bereits 235.

Schwangere müssen Mutterpass vorzeigen

Lange Wartezeiten bringen so manchen Halter auf skurrile Ideen. Eine Schwangere wollte ihr Fahrzeug anmelden, musste dabei ihren Mutterpass zeigen. Der Security-Mann habe ihr mitgeteilt, dass andere Frauen schon Schwangerschaften hätten vortäuschen wollen. Um die Wartezeiten zu verkürzen, werden Schwangere gegen Vorlage des Mutterpasses schneller bedient. Das gilt auch für Schwerbehinderte und Senioren mit entsprechendem Ausweis.

Der Frust wird weiter anhalten

Martin Schulmann rät Autofahrern, wenn möglich Händler einzuschalten. „Sie wissen genau, welche Angaben für die An- oder Ummeldung erforderlich sind.“ Der Frust vieler Autofahrer wird dennoch weiter anhalten. Mit dem Auto-Boom nehmen auch die Probleme bei der Anmeldung zu. Es fehlt Personal, Mitarbeiter sind krank oder in Urlaub. Ein Auszubildender ist noch nicht so weit, darf nicht alle Arbeiten ausführen. Mitarbeiter aus anderen Abteilungen zu delegieren, sei schwierig, räumt Martin Schulmann ein. „Die Arbeitsabläufe und Überprüfungen sind immer komplizierter geworden.“

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