Ausländerrecht

Kalifornierin droht die Abschiebung aus Gelsenkirchen

Jodie Michelle Clark droht die Abschiebung zum 30. April obwohl sie den Staat nichts kostet. Ihr Partner, der Gelsenkirchener Stephan Sechtin, übernimmt alle Kosten für sie. Doch um dauerhaft bleiben zu dürfen fehlen ihr ein bestandener Sprachtest und die Scheidungspapiere.

Jodie Michelle Clark droht die Abschiebung zum 30. April obwohl sie den Staat nichts kostet. Ihr Partner, der Gelsenkirchener Stephan Sechtin, übernimmt alle Kosten für sie. Doch um dauerhaft bleiben zu dürfen fehlen ihr ein bestandener Sprachtest und die Scheidungspapiere.

Foto: Olaf Ziegler

Gelsenkirchen.   Jodie M. Clark möchte einen Gelsenkirchener heiraten, muss aber erst zurück in die USA – für die Scheidung vom Ehemann, der nun eine Frau ist.

Stephan Sechtin und Jodie Michelle Clark sind ein Paar. Der Gelsenkirchener und die Kalifornierin leben seit Juli 2018 zusammen in seiner Wohnung in Sutum. Ende April aber soll die US-Amerikanerin ausgewiesen werden, das entsprechende Schreiben erreichte sie in der Karwoche.

Dabei hat die 52-Jährige keinen Cent vom deutschen Staat erbeten, zahlt ihr Partner die Krankenversicherung für sie und ihren Lebensunterhalt, während sie seine schwerkranke Großmutter betreut. Seit sie das tut, kann er wieder mehr arbeiten, für die HRS, ein Hotelportal, das ein Kundencenter in Ückendorf betreibt.

Stephan Sechtin und Jodie M. Clark wollen heiraten

Beide wollen heiraten, zuvor muss sie jedoch von ihrem Ex-Mann geschieden werden. Er ist Ex-Mann im doppelten Sinne: Nach einer Geschlechtsumwandlung ist er zur Frau geworden. Einer Scheidung sollte somit nichts entgegenstehen, zumal beide laut Jodie bereits seit drei Jahren getrennt sind.

Dennoch ist die angekündigte Abschiebung der Amerikanerin rechtlich unumstritten, aus verschiedenen Gründen. Der wesentliche Grund: Jodie Clark reiste als Touristin ein, ohne Visum. Als solche hat sie nur eine begrenzte Aufenthaltserlaubnis. Um eine weitere Verlängerung genehmigt zu bekommen, hätte sie einen Sprachtest absolvieren müssen. Das müssen jetzt alle Zuwanderer, auch jene, die einen Deutschen heiraten.

Sie lernt Deutsch an der Volkshochschule

Mit dem dafür notwendigen Sprachkurs hat sie jedoch zu spät begonnen; erst im April. Weil sie nicht richtig informiert worden seien von der Behörde, klagt Stephan Sechtin; ein Vorwurf, der für die WAZ nicht nachprüfbar ist.

Außerdem, so Sechtin, habe er rund um den Jahreswechsel mit starken gesundheitlichen Problemen zu kämpfen gehabt, habe im Krankenhaus gelegen, was vieles verzögert habe. Mittlerweile lernt die verzweifelte Amerikanerin bei der Volkshochschule Deutsch. Bis es für das erforderliche Sprachniveau A1 reicht, wird es aber Ende Juni sein. Voraussetzung für die weitere Duldung wäre auch die Heirat mit Stephan Sechtin; die wegen fehlender Scheidungsurkunden noch nicht möglich ist. Sie müsste ein Jahr hier leben, um von hier aus die Scheidung vollziehen zu können. Der Versuch, als Pflegehelferin Geld zu verdienen wie in Kalifornien, schlug mangels Sprachkenntnissen fehl.

Hoffen aus ein Wunder

Kennengelernt hatte das Paar sich vor zehn Jahren, beim Online-Spielen. Später ist Stephan Sechtin nach Kalifornien gereist, um sie persönlich kennenzulernen. 2018, als die Ehe von Jodie längst zerbrochen war, beschlossen sie, es in Deutschland miteinander zu versuchen – Ende offen. Nun ist klar: Das Leben miteinander ist für beide kein Problem. Die Bürokratie umso mehr.

Das Paar hofft nun weiter darauf, dass die Behörde eine Ausnahme für sie macht. Dass jemand ihnen hilft, dass ein Wunder geschieht. „Wenn sie zurück muss, steht sie auf der Straße. Eine furchtbare Vorstellung für mich. Und ich muss meine Arbeitszeit wieder runterfahren, weil ich dann selbst meine Großmutter pflegen muss.“

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