Nach dem Steinwurf

Jüdische Gemeinde Gelsenkirchen erfährt breite Unterstützung

Nicht zum ersten Mal wurde ein Fenster der Synagoge zerstört: Im September 2016 schaute sich Schalke-Finanzvorstand Peter Peters mit Judith Neuwald-Tasbach den Schaden an.

Nicht zum ersten Mal wurde ein Fenster der Synagoge zerstört: Im September 2016 schaute sich Schalke-Finanzvorstand Peter Peters mit Judith Neuwald-Tasbach den Schaden an.

Gelsenkirchen-Altstadt.   Parteien verurteilen den Übergriff auf die Synagoge. Judith Neuwald-Tasbach fragt: „Warum werfen Menschen mit Steinen nach einem Gotteshaus?“

„Unsere Gemeinde ist völlig fassungslos über das, was geschehen ist“, sagt Judith Neuwald-Tasbach, Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, über den Steinwurf, der ein Fenster der Synagoge an der Georgstraße in der Altstadt getroffen hat. Und im selben Atemzug drückt sie ihre Freude aus, die Freude darüber, dass ihre Gemeinde mit dieser Situation nicht allein gelassen wird: „Wir haben ganz viele Solidaritätsadressen erhalten. Es ist schön zu sehen, wie die Menschen in Gelsenkirchen darauf reagiert haben. Dass die Gemeinde einen solchen Rückhalt hat, wissen wir zu schätzen.“

Gemeindevorsitzende ist betroffen und beunruhigt

Wie berichtet, hatten unbekannte Täter am frühen Mittwochabend einen Stein gegen ein Fenster der Synagoge geworfen und damit gegen 18.15 Uhr die Alarmanlage ausgelöst. „Es ist bereits das dritte Mal, dass sie ein Fenster unserer Synagoge zerstört haben“, sagt die Gemeindevorsitzende und fragt: „Warum tun Menschen so etwas: werfen mit Steinen nach einem Gotteshaus?“ Was sie beunruhigt: Die Tat ereignete sich am helllichten Tag, zu einer Zeit, als es reges Leben in der Innenstadt gab. Ihr ernüchterndes Fazit: „Der Steinwurf zeigt, wie wenig sich inzwischen Menschen schämen, eine solche Tat zu gehen. Sie riskieren bewusst, dabei gesehen zu werden.“

Zweite antisemitische Tat

Nach dem spontanen Besuch von Mitarbeitern des Kreiskirchenamtes vor der Synagoge am Donnerstag hatte Judith Neuwald-Tasbach Gelegenheit, auch noch einmal persönlich mit Superintendent Heiner Montanus zu sprechen. Für ihn bedeutet der Steinwurf mehr: „Der Steinwurf galt den Menschen jüdischen Glaubens in unserer Stadt und soll sie verunsichern. Und er trifft auch unsere Demokratie, die Grundordnung unseres Miteinanders.“

Marco Buschmann spricht von einem feigen Anschlag

Für den FDP-Bundestagsabgeordneten Marco Buschmann ist das „kein Bagatelldelikt“. Da eine jüdische Glaubenseinrichtung getroffen worden sei, müsse man von einem antisemitischen Übergriff ausgehen. Buschmann spricht von einem feigen Anschlag, der einer offenen und toleranten Gesellschaft unwürdig sei. Mit aller Härte müsse gegen Antisemitismus vorgegangen werden. Er erinnert daran, dass es die zweite antisemitische Tat innerhalb weniger Wochen ist: „Erst im Mai wurde die Gedenktafel für Emil Kochmann in Buer gewaltsam entfernt.“

CDU-Fraktion und -Kreisvorstand verurteilen die Tat

Wolfgang Heinberg, Fraktionsvorsitzender der CDU-Ratsfraktion, und Sascha Kurth, Kreisvorsitzender der CDU: „Wir verurteilen zutiefst die Handlungen, die ein oder mehrere Täter gegenüber der Jüdischen Gemeinde zum Ausdruck gebracht haben. Der oder die Täter müssen auf dem schnellsten Wege ermittelt, die Hintergründe aufgeklärt und die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden. Wir stehen fest an der Seite der Menschen jüdischen Glaubens und der jüdischen Gemeinde in Gelsenkirchen.“

SPD-Unterbezirk gründet Arbeitskreis gegen Rechts

Auch Martina Rudowitz, stellvertretende Vorsitzende der Gelsenkirchener SPD, zeigt sich fassungslos: „Es ist heute leider anscheinend wieder in Teilen der Bevölkerung salonfähig, rechte Positionen einzunehmen und diesen Positionen durch Sachbeschädigung Ausdruck zu verleihen.“ Unter ihrem Vorsitz hat beim Unterbezirk der Partei ein Arbeitskreis gegen Rechts seine Arbeit aufgenommen. Ratsfraktionsvorsitzender Klaus Haertel: „Partei und Fraktion stehen an der Seite der Jüdischen Gemeinde. Wir hoffen, dass die Person von der Polizei schnell gefasst und verurteilt wird.“

>> Info: Abgestimmtes Sicherheitskonzept

Ein Streifenwagen steht in aller Regel auf dem Platz vor der Synagoge, um das Umfeld zu beobachten. Polizeisprecher Thorsten Sziesze: „Wir zeigen dort ständig Präsenz. Das ist ein Teil des Sicherheitskonzeptes, das mit der Gemeinde abgestimmt ist.“

Die Ermittlungen laufen weiter. Zeugenhinweise erbittet die Polizei unter: 0209 365-8501

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik