Konzerte

Jazz-Veranstalter beklagen zu wenig Unterstützung

Zu den Veranstaltungsorten der hochkarätigen Konzertreihe „FineArtJazz“ gehört auch der Nordsternturm in Horst.

Foto: Robert Dyhringer

Zu den Veranstaltungsorten der hochkarätigen Konzertreihe „FineArtJazz“ gehört auch der Nordsternturm in Horst. Foto: Robert Dyhringer

Gelsenkirchen.  Bernd Zimmermann von der hochkarätigen Konzertreihe „FineArtJazz“ fordert mehr Kreativität der Kommunen und der Wirtschaft ein.

Mit hehren Zielen gingen sie 2013 an den Start, große Erfolge konnten sie bislang feiern. Dennoch hat sie die Wirklichkeit inzwischen eingeholt und ernüchtert, die Enttäuschung wächst. Als Veranstalter konzipierten Susanne Pohlen und Bernd Zimmermann ein neues Konzertformat für Gelsenkirchen: „FineArtJazz“ nannten sie ihre Reihe, mit der sie hochkarätige, internationale Jazz-Musiker an außergewöhnlichen Stätten in der Stadt auftreten lassen. Die Besucherzahlen stimmen, die meisten Konzerte sind ausverkauft.

Zahl der Konzerte bereits verringert

Damit das so ist, betreiben die Veranstalter einen immensen Aufwand. Darum gibt es zunehmend auch Enttäuschungen. Zum Beispiel über die – Zimmermanns Meinung nach – mangelhafte Unterstützung durch die Stadt oder die Wirtschaftsinitiative. „Inzwischen“, sagt Bernd Zimmermann, „haben wir die Zahl an Konzerten in Gelsenkirchen verringert und bauen stattdessen neue Standbeine in anderen Städten auf.“ In Gladbeck, in Dorsten, in Wulfen, in Herten. Hier erfahre man tatkräftigere Unterstützung.

Bernd Zimmermann bedauert es zudem, dass auch so hochkarätige Gelsenkirchener Events wie der Kultursommer auf Burg Lüttinghof oder das Blinddate-Festival in diesem Jahr abgesagt worden sind.

Brief an die Wirtschaftsinitiative

Darum schickte der 58-jährige Gelsenkirchener und Jazz-Experte kürzlich einen Brief an den Vorstand der Wirtschaftsinitiative und äußerte seine Bedenken: „Mit Besorgnis sehen wir die Absagen vor allem deshalb, weil hier scheinbar keinerlei Reaktionen erfolgen.“ Auch die „FineArtJazz“-Reihe habe sich „aufgrund fehlender Unterstützung vor allem seitens der Stadt Gelsenkirchen zum Teil zurückgezogen“. Zimmermann regt in dem Brief eine Diskussion über eine bessere Kulturunterstützung an: „Die Förderung und das Sponsoring kann und darf nicht allein Sparkasse, Volksbank und Ele aufgebürdet werden.“

Erst kürzlich war Bernd Zimmermann als Geschäftsführer des Vereins „nrwjazz“ im Kulturausschuss des NRW-Landtags zu Gast, um hier die vom Verein veröffentlichte Studie zur Situation des Jazz in Nordrhein-Westfalen vorzustellen. Auch hier betonte der Musikexperte mit vielen Kontakten in die deutsche und internationale Jazz-Szene, dass er sich bewusst für Gelsenkirchen als Vereinssitz entschieden habe. Die 42-seitige Studie trägt übrigens den Titel „Jazz we can!“ und mache, so Zimmermann, auf die Relevanz des Jazz für die Kreativwirtschaft und den weichen Standortfaktor aufmerksam.

Rege Diskussion im Landtag in Düsseldorf

Die Diskussion im Landtag sei rege gewesen und dokumentiere, „dass die Spielstätten und Veranstalter mehr Unterstützung brauchen“. Für FineArtJazz als professionellem Veranstalter fehle es an Werbe-Möglichkeiten im öffentlichen Raum: „Besonders in Gelsenkirchen gibt es keine Möglichkeit, kostengünstig zu werben.“ Vorhandene Werbeflächen würden nur von kommerziellen Anbietern betrieben. Plakate im Einzelhandel aufzuhängen, sei auch sehr schwierig: „Da lohnt es sich kaum, Plakate zu drucken.“

Bernd Zimmermann: „Seit Jahren verspricht das Kulturamt, Jazzangebote stärker herauszustellen. Bislang aber Fehlanzeige.“ Auch die Wirtschaft sieht der Veranstalter in der Pflicht: „Ein buntes Kulturangebot ist wichtig für qualifizierte Arbeitskräfte.“

Große Wertschätzung der Konzertreihe

Dr. Volker Bandelow, Referatsleiter des Kulturamtes, lobt das Engagement der Jazzer ausdrücklich: „Wir wertschätzen die Reihe sehr und haben keinerlei Interesse, das Angebot zu boykottieren.“ Die passende Werbung, zum Beispiel in der Broschüre „Kulturtipps“, sei einfach eine Frage der Abstimmung: „Wir werden nicht müde, auf Jazzveranstaltungen hinzuweisen.“ Einen Dissens zwischen den Jazzern und dem Kulturamt gebe es aber doch: Während Zimmermann sich Plakatsäulen für die Werbung wünscht, bezweifelt Bandelow deren Wirksamkeit.

Das erste Halbjahr der Reihe „FineArtJazz“ endet am 19. Mai auf dem Nordsternturm, Nordsternplatz 1, mit einen Konzert der Harfenistin Ulla van Daelen und dem Bassisten Urs Fuchs. Das Konzert beginnt um 20 Uhr, Einlass ab 18 Uhr.


Es erklingt ein Mix aus Jazz, Pop und Weltmusik. Karten im Vorverkauf: publicjazz.de, 21 Euro, Abendkasse 25 Euro.

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