Vortragsreihe

Institut für Stadtgeschichte gibt Impulse zur Verständigung

Das Bild entstand 1982 und zeigt eine Demonstration gegen Ausländerfeindlichkeit auf dem Gelsenkirchener Neumarkt.

Das Bild entstand 1982 und zeigt eine Demonstration gegen Ausländerfeindlichkeit auf dem Gelsenkirchener Neumarkt.

Foto: Institut für Stadtgeschichte

Gelsenkirchen.  „Lass uns reden“: Respekt, Toleranz und kulturelle Neugier thematisieren vier Vorträge des Gelsenkirchener Instituts für Stadtgeschichte.

„Lass und reden! Über Respekt, Toleranz und kulturelle Neugier.“ Bereits im Juni nahmen 223 Bürger aus Gelsenkirchen (geladen waren 2000) unter dem Titel an einer Veranstaltung im Hans-Sachs-Haus teil, bei der der Dialog mit der Stadtverwaltung im Mittelpunkt stand. In einer weiteren Veranstaltung wurden die Ergebnisse ausgewertet. Mit dem Format „Lass uns reden!“ sucht die Stadt neue Wege der Verständigung innerhalb der Stadtgesellschaft. „Im Zuge dessen haben wir uns überlegt, wie wir das Thema weiter aufgreifen können“, sagt Anette Berg, Vorstand für Kultur, Bildung, Jugend, Sport und Integration.

Das Institut für Stadtgeschichte (ISG) unterstützt die Aufforderung in den Dialog zu treten nun mit einer eigenen Vortragsreihe. Unter der Fragestellung „Auf dem Weg in die offene Gesellschaft?“ finden vier Termine mit verschiedenen Referenten und Themenblöcken statt, die besonders den Blick in die Vergangenheit werfen. Auch die Locations wechseln von Termin zu Termin. Schwerpunkt sind: Religiöse Vielfalt, Homosexuellenbewegung, migrantische Ökonomie und gemischtnationale Eheschließung.

Der Blick in die Vergangenheit hilft

„Es ist immer hilfreich zu schauen, wie Menschen früher mit Problemen umgegangen sind, auch, weil diese oft den heutigen Problemen ähnlich sind“, sagt Daniel Schmidt, Leiter des Instituts für Stadtgeschichte. „Nur an der Geschichte kann man einen Lerneffekt erkennen“, fügt Mustafa Cetinkaya, der städtische Integrationsbeauftragte hinzu. So befassen sich die Veranstaltungen mit gesellschaftlichen und kulturellen Wandlungsprozessen in der Vergangenheit, die auch für die Gegenwart prägend sind. Fragen nach dem Umgang mit Respekt und Toleranz und der Integration verschiedener Gruppen ständen dabei besonder im Fokus. Zudem ist es Ziel, dass nach den Vorträgen Dialoge zwischen den Bürgern entstehen. So hofft man auch, auf ein bunt gemischtes Publikum. „Vielleicht findet der ein oder andere auch Anknüpfungspunkte zur eigenen Geschichte“, so Berg.

Die Termine für die Vorträge

Der erste Termin findet am Donnerstag, 12. September um 18 Uhr in der Neuen Synagoge, Georgstraße 2, statt. Thomas Großbölting (Universität Münster) referiert unter dem Titel „Warum ist es so schwer, religiöse Vielfalt zu leben?“ Der Vortrag will am Beispiel des Ruhrgebiets die Entwicklung des Neben- und Miteinanders verschiedener Religionsgemeinschaften skizzieren.

Über das Thema „Homosexuellenbewegung in der Bundesrepublik – Emanzipation, Krise, Integration“ spricht Martin Lücke (Freie Universität Münster) am Donnerstag, 26. September um 18 Uhr. Der Vortrag im Wissenschaftspark, Munscheidstraße 14, diskutiert die wechselhafte Geschichte der Kämpfe dieser politischen Bewegung.

Charlotte Räuchle (Universität Osnabrück/FU Berlin) ist am Donnerstag, 10. Oktober, um 18 Uhr im Stadtbauraum, Boniverstraße 30, zu Gast. Sie referiert zum Thema „Chancen für die Stadtentwicklung? Die Bedeutung migrantischer Ökonomien in deutschen Kommunen“. Der Vortrag diskutiert am Beispiel verschiedener Stadttypen, wie Kommunen mit den vor Ort ansässigen migrantischen Ökonomien umgehen und welche Diskriminierungsmechanismen damit einhergehen können.

Chancen für die Stadtentwicklung

Die Vortragsreihe beendet am Donnerstag, 24. Oktober, um 18 Uhr Christoph Lorke (Universität Münster) im Wissenschaftspark, Munscheidstraße 14. Sein Thema sind gemischtnationale Eheschließungen in Deutschland im 20. Jahrhundert. Im Jahr 2017 war mehr als jede neunte Trauung hierzulande eine bi-nationale Heirat mit deutscher Beteiligung. Blickt man auf die Geschichte, waren solche Eheschließungen aber keinesfalls selbstverständlich. Der Vortrag skizziert den Umgang staatlicher Institutionen mit „grenzüberschreitenden“ Paaren und diskutiert dabei Kontinuitäten und Brüche.

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