Schalke-Idol

In Herten wird keine Straße an Rudi Assauer erinnern

Bei der Abstimmung über die Ehrenbürgerschaft im Jahr 2017 verfolgen Assauers Tochter Bettina Michel (li.) und seine Zwillingsschwester Karin (Mitte) das „unwürdige Schauspiel“ im Hertener Ratssaal.

Bei der Abstimmung über die Ehrenbürgerschaft im Jahr 2017 verfolgen Assauers Tochter Bettina Michel (li.) und seine Zwillingsschwester Karin (Mitte) das „unwürdige Schauspiel“ im Hertener Ratssaal.

Foto: Carola Wagner

Herten/Gelsenkirchen-Erle.  In Herten wollten SPD und CDU ein Zeichen der Versöhnung setzen. Aber Rudi Assauers Familie lehnt dort eine Ehrung des Schalke-Idols strikt ab.

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In Gelsenkirchen ging alles schnell und unkompliziert. Schon kurz nach Rudi Assauers Tod am 6. Februar stand fest, dass in der Schalke-Stadt bald ein Straßenschild an den Manager und Fußballspieler erinnern soll. In der vergangenen Woche fasste die Bezirksvertretung Ost einstimmig und ohne Zögern den Beschluss, die Fläche vor der Arena, dort wo der Herbert-Burdenski-Weg verläuft, in Rudi-Assauer-Platz umzubenennen. Doch in Herten hadert man mit der Erinnerung an das Schalke-Idol.

Rudi Assauer selbst erfuhr von der Schmach nichts

Der Stachel sitzt tief bei Assauers Tochter Bettina Michel. Auf der Tribüne des Hertener Ratssaals musste sie 2017 erleben, wie die Mehrheit der Kommunalpolitiker Rudi Assauer die Ehrenbürgerschaft in seinem Heimatort verwehrte. Bettina Michel beschreibt die Situation rückblickend als „unwürdiges Schauspiel“, ist darüber noch heute empört.

Rudi Assauer selbst erfuhr von der Schmach nichts – er war bereits seit Jahren schwer an Alzheimer erkrankt. Sein Charakter freilich und die unverblümte Art lassen vermuten, dass seine Tochter goldrichtig lag mit ihrer damaligen Einschätzung: „Er hätte gesagt: Was stört es eine deutsche Eiche, wenn sich ’ne Wildsau an ihr schubbert!“

Am 6. Februar dieses Jahres verstarb der einstige Schalke-Manager. Und keine 24 Stunden nach seinem Ableben begann die Diskussion um eine Assauer-Straße in Herten – losgetreten ausgerechnet von Christian Bugzel, dem Fraktionsvorsitzenden jener SPD, die seinerzeit mit hoher Wahrscheinlichkeit in geheimer Wahl die Ehrenbürgerschaft verhindert hatte. Die CDU legte rasch nach mit einem entsprechenden Antrag an den Rat der Stadt, in welchem sie argumentiert, die Benennung einer Straße sei nach dem Ehrenbürger-Desaster ein adäquates Zeichen der Wiedergutmachung.

„Mein Vater hätte auf ihre Wiedergutmachung gepfiffen

Hertens Bürgermeister Fred Toplak konfrontierte Bettina Michel mit dem Ansinnen der Politik – sehr diskret und gefühlvoll, wie sie betont – und bat um ihre Meinung. Die hat sie nun geäußert und kam zu dem vernichtenden Urteil: „Mein Vater hätte auf ihre Wiedergutmachung gepfiffen!“ Rudi Assauer sei Zeit seines Lebens ein Kämpfer und Macher gewesen. „Für ihn waren Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit Grundtugenden!“ Die Familie verzichte daher auf eine „Ehrung dritter Klasse“ und sei an einer Versöhnung nicht interessiert. Sie appelliert: „Ziehen Sie aus Ehrfurcht vor einem großen Mann und Ehrenbürger des Ruhrgebiets ihre Anträge zurück.“

Parteien von der Reaktion betroffen

Mit Michels Vorwürfen konfrontiert, gibt Christian Bugzel sich verständnislos. Er habe mit seinem frühen Vorstoß doch nur mahnen und für einen sensiblen Umgang mit dem Thema und der Familie Assauers werben wollen. CDU-Sprecher Matthias Waschk bedauert, dass womöglich der Eindruck entstanden sei, man habe das Thema politisch ausschlachten wollen. Dies sei nicht der Fall. Er erinnert daran, dass Fraktionschef Stefan Grave im Hertener Rat die Abstimmung um die Ehrenbürgerschaft habe verhindern wollen, um der Familie die Schmach der Ablehnung zu ersparen. Dass die Angehörigen die Benennung einer Straße nach dem Verstorbenen nicht wünscht, nehme die Partei mit Bedauern zur Kenntnis. „Der Ratsantrag ist somit hinfällig“.

Kritik am Umgang mit dem Thema und der Familie

Dennoch wird in Herten der Name Rudi Assauer verewigt – auf dem Gelände der Katzenbusch-Kampfbahn. In welcher Form, das verrät Werner Wisotzki, Vorsitzender der DJK Spielvereinigung Herten, noch nicht. „Es ist in meinem Kopf“, sagt er. Die Familie Assauer sei involviert. Und fügt hinzu: „Die Politik soll sich da raushalten.“

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