Klimaschutz

In Gelsenkirchen wird weiter getrennt fürs Klima gestreikt

Klimaschutz und Parteipolitik vermischen – das lehnen viele der Schülerdemonstranten ab und auch die deutsche Dachorganisation rät davon ab.

Klimaschutz und Parteipolitik vermischen – das lehnen viele der Schülerdemonstranten ab und auch die deutsche Dachorganisation rät davon ab.

Foto: Olaf Ziegler

Gelsenkirchen.   Am Freitag, 5. April, gehen Gelsenkirchener Schüler wieder für Klimaschutz auf die Straße. Getrennt: Einmal ohne, einmal mit Parteipolitik.

Am Freitag, 5. April, ruft „Fridays for Future Gelsenkirchen“ wieder zum Klimastreik. Es werden erneut zwei getrennte Aktionen sein. Die eine startet um 16 Uhr auf dem Bahnhofsvorplatz, mit überparteilichen Schülern und Eltern, die über die Bahnhofstraße ziehen werden. Die andere Aktion beginnt um 14 Uhr auf dem Heinrich-König-Platz; Teilnehmer und Passanten können hier ihre Meinung zu Umweltfragen auf Tafeln notieren. Diese Aktion wird organisiert von Klimademonstranten unter Leitung von Rebell-Mitgliedern im MLPD-Jugendtreff „Ché“.

Beim Auftakt der Klimaschutzproteste in Gelsenkirchen am 15. März, die Rebell-Mitglieder (als Friday for Future) angemeldet und moderiert hatten, waren viele überrascht worden von Rebell-Fahnen, Transparenten und Kapitalismuskritik übers Klimastreik-Mikrofon.

Abschreckung durch Polit-Parolen

Die Parteipolitik, zumal von der MLPD, die vom Verfassungsschutz beobachtet wird, schreckte manchen jungen Klimademonstranten ab. Zwar habe man kein Problem, wenn Rebell-Mitglieder dabei sind, ebenso wie Mitglieder anderer Parteien; aber nur ohne parteipolitische Wortbeiträge und ohne Parteifahnen. Da Rebell darauf jedoch nicht verzichten will (Rebell-Sprecherin Celina: „Ich vertrete meine Überzeugung im ganzen Leben – ich habe nicht eine „private“ und eine „politische“ Meinung“) gibt es nun zwei Gruppen und zwei Organisationstreffen. Das eine montags im Rebell-Jugendzentrum in Horst, das andere dienstags ab 18 Uhr im Bildungszentrum an der Ebertstraße, Treffpunkt vor der Bücherei. Beide Gruppen werfen einander nun die Spaltung vor. Es gibt offene Briefe, gegenseitige Ausschlüsse aus den WhatsApp-Gruppen, über die die Hauptorganisation bei beiden läuft.

Parteipolitik lenkt vom Kernthema ab

Jonas Holdkamp (18), Sprecher der überparteilichen Schüler, klagt: „Dadurch tritt das Thema Klimaschutz viel zu sehr in den Hintergrund, das nimmt uns Kraft.“ Auch Vanessa Pesch (18) bedauert die Ablenkung vom Thema. Die „Parents-for-Future“-Gruppe ist mehrheitlich froh über den Abstand von Rebell. Verena Borowy: „Wir stehen hinter den Schülern, als Unterstützer.“

Zurück zum Thema: In den Ferien soll in Gelsenkirchen auf jeden Fall weitergestreikt werden, schon um Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen, die Schülern „reines Schulschwänzen“ vorwerfen. Am Freitag, 26. April, auf jeden Fall, voraussichtlich mittags. Jonas Holdkamp: „Aber es bleibt beim Schulstreik, also auch während der Schulzeit, und zwar langfristig.“ In Arbeitsgruppen werden nun Redebeiträge für die Demonstrationen zu Themen wie Verkehr, nachhaltiger Energie, Klimawandel und Konsum vorbereitet.

Ärger um Einflussnahme auch in anderen Städten

Unstimmigkeiten mit Rebell-Klimademonstranten gibt es auch in anderen Städten. Fridays for Future Deutschland-Sprecher Ben Awenius dazu: „FFF sieht sich als überparteiliche Bewegung für wirksamen Klimaschutz und distanziert sich von allen Gruppierungen, die unsere Demonstrationen für massive Parteiwerbung und Ähnliches nutzen möchten. Wir rufen alle Beteiligten dazu auf, sich an Beschlüsse der Fridays for Future-Gruppen vor Ort zu halten und es zu respektieren, wenn dort Parteiflaggen, politische Botschaften, welche über Klimaschutz hinaus gehen, oder Ähnliches nicht oder nur in geringer Anzahl erwünscht sind.“

>> Streikende riskieren ein „unentschuldigt“

Transparente für den Demonstrationszug der FFF-Schüler am 5. April, 16 Uhr, ab Bahnhofsvorplatz werden beim Treffen im Alfred-Zingler-Haus, Margaretenhof 10-12, am heutigen Donnerstag, 4. April, ab 17 Uhr gebastelt. Die Schulen gehen unterschiedlich mit Klimastreikenden um. Zum Teil ist das Entschuldigen der Fehlstunden von Einzellehrern abhängig. In den meisten Fällen riskieren die Streikenden jedoch ein „unentschuldigt“.

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