Glaube & Kirche

In der Kirche St. Georg führt ein besonderer Weg nach Ostern

Maria Magdalena kniet klein vor der leeren Grabstelle. In der Weihnachtskrippe ist die Figur Maria, die Grotte der Geburtsstall.

Maria Magdalena kniet klein vor der leeren Grabstelle. In der Weihnachtskrippe ist die Figur Maria, die Grotte der Geburtsstall.

Foto: Olaf Ziegler

Gelsenkirchen-Altstadt.   Vom Kunstrasen im Garten Gethsemane zu Maria Magdalena vor dem leeren Grab in der Krippe: Ein Kreuzweg in Gelsenkirchen hat besondere Stationen.

Maria, die Mutter Gottes hat eine Wandlung erfahren. In der Weihnachtszeit war sie eine der zentralen Figuren in der Krippe neben Josef und Christkind, Ochs und Esel. Im Chorraum von St. Georg hatten die ehrenamtlichen Helfer des Fördervereins im Dezember wohl zum letzten Mal die gut 65 Quadratmeter große Weihnachtskrippe aufgebaut.

Maria Magdalena kniet auf Stroh und Plattenmoos

Nun ist die Heilige in anderer Mission im Einsatz: ihre Figur dient als Maria Magdalena, jener Begleiterin Jesu, die Zeugin seiner Auferstehung wurde. Sie kniet auf Stroh und Plattenmoos. Das Heilige Grab ist nachgebaut. Der Stall der Weihnachtszeit wird zur Felsengrotte, abgehängt mit einem fliederfarbenen Vorhang. Ein paar weiße Stoffbahnen auf dem Boden weisen darauf hin, dass sich der Heiland vom Tod und vom Leichentuch befreit hat. Die Szenerie ist Bild der Osterkrippe, die Michael Wagener hier aufgebaut hat und Kindergartenkindern aus der Nachbarschaft und Besuchern aus der Gemeinde bei einigen Führungen näher gebracht hat.

Auf dem Richterstuhl von Pontius Pilatus

„Wobei Osterkrippe vielleicht ein wenig irreführend als Begriff ist“, räumt der Schriftführer des Fördervereins ein. Es sei eher ein besonderer Kreuzweg, auf den er und sein Mitstreiter Reinhard Glenz die Menschen führen – entlang der klassischen Motivtafeln, aber eben auch zu besonders gestalteten Stationen. Angefangen am Ort des Gebets und Verrats im Garten Gethsemane, hier von Wagener „ganz bescheiden angedeutet“ mit einer Kunstblumen-Wiese auf grünem Rasen-Teppich, bis eben zur Krippe als Ort der Wiederauferstehung. Mit kurzen Lesungen und Gedanken leiten Wagener und Glenz durchs Kirchenschiff, das an diesem Apriltag noch winterlich kalt ist. An die 30 Menschen, einige junge und viele alte folgen ihnen.

Der Statthalter wäscht seine Hände in Unschuld

Neben dem Altar steht ein feudaler Sessel, eine Art Thron, daneben auf einem Tisch eine Wasserschale. Die Station steht für Pontius Pilatus. Der Präfekt des römischen Kaisers in der fernen Provinz Judäa fällte das Todesurteil und wusch der Legende nach seine Hände in Unschuld. Hatte er doch das versammelte Volk gefragt, ob er den Gottessohn oder Barabas, einen gefangenen Mörder freilassen solle. Wie der Mob entschied, zeichnen die Evangelien nach.

Mädchen und Jungen im Kindergartenalter hat Wagener Tage zuvor hier spielerisch eingebunden, ließ sie laut schreien, so massiv auf einen Präfekten im Kita-Alter auf dem Richterstuhl einwirken, auch um zu zeigen, was Volkes Wille und Zorn bewirken kann. Die Besucher jetzt passieren schweigend. Keiner mag Platz nehmen.

Lesungen und kurze Gedankenanstöße

Wie haben sich die Jünger verhalten, warum haben sie Jesus verraten, warum hat Pontius Pilatus so entschieden? Wie mag sich der Verurteilte gefühlt haben auf dem Leidensweg? Wagener gibt unterwegs Denkanstöße auf diesem „Lauf nach Ostern“ entlang der Stationen, die mit den drei heiligen Tagen zu tun haben. „Es wird ein wenig Arbeit auf sie zukommen“, warnt Wagener zu Beginn vor. Es geht dann aber eher um Besinnung und Auseinandersetzung mit dem Geschehen und der österlichen Botschaft von der Überwindung des Leids und der Auferstehung. „Das ist ein tolles Engagement, das die Ehrenamtlichen hier einbringen“, würdigt Pastor Mirco Quint den Einsatz, den besonders Kinder offenbar recht unbefangen und offen erleben. „Sie schauen auf die Details, scheuen sich nicht, Dinge anzufassen“. Vielleicht wissen sie am Ende auch mehr über Ostern.

>>> Die Filialkirche hat für die Gemeinde ausgedient

Die neuromanische Basilika, Baujahr 1906, wurde – begleitet von zunächst breitem Protest – 2007 Filialkirche der Propsteipfarrei St. Augustinus. 2018 wurde St. Georg pastoral ein kirchliches Auslaufmodell. Am 2. Februar feierte die Gemeinde dort die letzte Heilige Messe.

Vorerst wird die Kirche weiterhin von einer orthodoxen rumänischen Gemeinde genutzt. Bislang ist der Kirchenbau nicht profaniert. Ideen für eine weitere Nutzung werden gesucht.

1988 musste die Kirche von innen frisch gestrichen werden. Sie war völlig verrußt. Kinder hatten im Januar die alte Krippe in Brand gesetzt.

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