Kunst & Kultur

„Honigpumpe“ will das Kreativquartier Ückendorf bereichern

Julian Gerhard und Anna Sellmann renovieren in Gelsenkirchen-Ückendorf eine Wohnung über dem Stadtteilbüro Bochumer Straße, in der die neue Kulturlocation „Die Honigpumpe“ ihre Heimat finden soll

Julian Gerhard und Anna Sellmann renovieren in Gelsenkirchen-Ückendorf eine Wohnung über dem Stadtteilbüro Bochumer Straße, in der die neue Kulturlocation „Die Honigpumpe“ ihre Heimat finden soll

Foto: Ingo Otto / FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen-Ückendorf.  Kreativquartier Ückendorf in Gelsenkirchen wird um einen Anlaufpunkt reicher: Am Rande der Bochumer Straße entsteht der Kulturort „Honigpumpe“.

Das immer weiter wachsende Kreativquartier Ückendorf wird schon bald um einen weiteren attraktiven Anlaufpunkt reicher sein: Julian Gerhard (36) und Anna Sellmann (37) renovieren derzeit eine Wohnung direkt über dem Stadtteilbüro am Rande der Bochumer Straße. Dies wird die Heimat der „Honigpumpe“ – ein Kulturort, an dem dank moderner Studiotechnik künftig Audioarbeiten entstehen und zudem Seminare und Workshops stattfinden sollen. Geplante Eröffnung: Ende November.

Benannt nach einer Documenta-Installation von Joseph Beuys

Allein der Name macht neugierig: „Honigpumpe“ – wofür steht das denn? „So hieß eine Installation von Joseph Beuys, der im nächsten Jahr ja bekanntlich seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte“, sagt Julian Gerhard. Zu sehen gab es besagtes Kunstwerk 1977 bei der Documenta 6 in Kassel. Es handelte sich dabei um eine technische Anordnung, die über mehrere Räume der Ausstellungshalle Fridericianum verteilt lag und die rund 150 kg Honig durch ein umlaufendes Schlauchsystem pumpte. „Wir fanden diesen Namen spannend und schön zugleich“, sagt Gerhard, der an der Folkwang Universität der Künste in Essen die Fächer Musikproduktion und Pop-Musik studiert hat.

Er und Anna Sellmann, die auch privat liiert sind, gehören zu den rund zehn Mitgliedern des Vereins Devising Theatre, der offiziell als Mieter der Räumlichkeiten auftritt. Er wurde 2017 in Bochum gegründet. Seitdem hat Gerhard dort zahlreiche Theaterprojekte realisiert und Stücke inszeniert. Er arbeitete dabei mit Flüchtlingen, aber auch dem Planetarium in Bochum zusammen. In der Nachbarstadt lag bislang auch der bevorzugte Wirkungsort des Vereins, wo er aber keinen festen Stammsitz hatte. „Mit den Räumlichkeiten in Ückendorf können wir als Verein erstmals richtig heimisch werden“, sagt Gerhard.

„In Ückendorf herrscht ein anderes Lebensgefühl als in Bochum“

Für ihn und seine Partnerin läuft derzeit der Prozess des Einlebens in neuer Arbeitsumgebung. Denn neben den Renovierungsarbeiten knüpfen beide bereits erste Kontakte zum direkten Umfeld – wie Imbisse, Trinkhallen, Restaurants oder andere Kultureinrichtungen. „Hier herrscht definitiv ein anderes Lebensgefühl als in Bochum. Alle Leute, die wir bislang kennen gelernt haben, waren nett und offen. Wir sind wirklich positiv angetan“, fassen beide ihre ersten Eindrücke zusammen.

Und welche Projekte wollen sie nach der Eröffnung der „Honigpumpe“ Ende November dann als Erstes angehen? „Ich biete einen Workshop für Kalligraphie und Tuschzeichnungen an“, sagt Anna Sellmann. Sie hat in Münster ein Studium der Sinologie und Ostasienkunde erfolgreich absolviert und arbeitet heute freiberuflich in der Museumspädagogik des Museums für Ostasiatische Kunst in Köln.

Kalligraphie-Workshop für Kinder und Jugendliche soll Ende November steigen

Sellmann schätzt vor allem den „medidativen Aspekt“ der Kalligraphie. Das Grundinteresse an Ostasien entsprang der Tatsache, dass ihr Vater einst dorthin ausgewandert ist. Ihr erstes Seminar soll sich an 10- bis 14-jährige Kinder und Jugendliche richten und findet im Rahmen des „Kulturrucksack“-Projektes statt. Ob – und wenn ja, mit wie vielen Teilnehmern – der Kurs stattfinden kann, hängt aber maßgeblich von der dann aktuellen Corona-Situation in der Stadt ab.

Gerhard, der bereits Hörspiele und Essays als Audioarbeiten verwirklicht hat, will seinerseits zu Beginn einen Audio-Walk durch Ückendorf konzipieren. An zehn Stationen soll jeder Rundgänger Schilder mit QR-Codes finden. Wer diese mit dem Smartphone einscannt, erfährt in den von Gerhard produzierten Audiodateien Wissenswertes und Spannendes zur Geschichte von Ückendorf und wie sich der Stadtteil im Laufe der Jahrzehnte und Jahrhunderte verändert hat. Das ist aber noch Zukunftsmusik. „Jetzt“, betonen Gerhard und Sellmann, „müssen wir erst einmal fertigrenovieren“.

Kontakt zum Verein und der „Honigpumpe“

Wer sich für die Audio- oder Workshop-Projekte interessiert oder das „Honigpumpen“-Team einfach mal kennen lernen will, der kann Kontakt knüpfen per
E-Mail an info@devisingtheatre.com oder im Internet unter: www.devising-theatre.com.

Ostasien-Expertin Anna Sellmann gibt auch Chinesisch-Unterricht. Beim ersten Kalligraphie-Workshop will die Gruppe auch die Asienwelt im „Zoom“ besichtigen und die dortige Pflanzen- und Tierwelt näher kennen lernen.

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