Kirche

Hohe Kosten: Kirche St. Franziskus in Bismarck schließt 2020

Pastoralreferent Artur Knickmann-Kursch (r.) informiert die Besucher der Info-Veranstaltung der Pfarrei St. Joseph über die Entwicklungen in der Franziskus-Gemeinde.

Pastoralreferent Artur Knickmann-Kursch (r.) informiert die Besucher der Info-Veranstaltung der Pfarrei St. Joseph über die Entwicklungen in der Franziskus-Gemeinde.

Foto: Joachim Kleine-Büning

Gelsenkirchen.   Die Pfarrei St. Joseph hat über die Schließung der Kirche St. Franziskus informiert. Die Besucher reagieren traurig und resigniert.

Die Stimmung im Consoltheater schwankte bei vielen Besuchern zwischen Trauer und Resignation. Die Kirche in St. Franziskus wird nach dem letzten Gottesdienst am 2. Februar 2020 geschlossen. Bischof Overbeck hatte die Notbremse gezogen. Der Unterhalt des Gotteshauses ist unbezahlbar geworden, Gottesdienst findet heute vor fast leeren Kirchenbänken statt.

Mitarbeiter der Gemeinde wollten den katholischen Christen an dem Informationsabend parallel zum Ende auch den Aufbruch erläutern. Das pastorale Leben soll in Bismarck weiter spürbar sein über Kommunikation zwischen Gemeindemitgliedern, Bürgergruppen, Vereinigungen und Verbänden.

Ein Defizit von 418.000 Euro

Gremien der Pfarrei St. Joseph hatten in Koordinierungs- und Arbeitsgruppen Konzepte entwickelt, wie die Zukunft der Pfarrei St. Joseph, die fünf Gemeinden vereinigt, aussehen könnte. Das Ergebnis: Neben St. Franziskus werden auch die Kirchen in St. Antonius in der Feldmark und St. Joseph in Schalke geschlossen. Der Entwurf wurde vom Bischof akzeptiert.

Die Ausgangslage war eindeutig und schloss ein Überleben aller Kirchengebäude aus. „Das Defizit für den Unterhalt von fünf Kirchengebäuden beträgt jährlich 418.000 Euro. „Ab 2030“, erklärte Hans-Georg Knickmann-Kursch vom Stadtteilladen, „würde der wirtschaftliche Totalschaden bei jährlich 500.000 Euro Defizit erreicht sein.“

92 Prozent weniger Besucher

Gleichzeitig besuchen immer weniger Katholiken den Gottesdienst. Einst wurden in den fünf Kirchen der Pfarrei 6600 Gläubige gezählt. Heute sind es 516 Besucher, die sich in den Gotteshäusern verlieren. Ein Rückgang um 92 Prozent. Die Anzahl der Gemeindemitglieder schrumpfte seit 1970 von 40.000 auf 15.000 Gläubige.

Gemeindereferentin Elvira Neumann versteht die Trauer und Verzweiflung vieler Gläubigen. Sie sieht vor allem bei Älteren ein „emotionales Problem, auf die vertraute Kirche, die stille Andacht verzichten zu müssen. Viele verbinden Kirche mit ihrer Lebensgeschichte.“

Sie ist überzeugt, dass pastorales Leben im Stadtteil weiter stattfinden wird: „Kirche muss zum Menschen gehen. Wir werden uns vernetzen, mit Menschen ins Gespräch kommen, Kontakte zu Vereinen, Parteien, Kindergärten, Verbänden und anderen bürgerschaftlichen Einrichtungen suchen. Wir müssen als Christen sichtbar bleiben.“

Für kleinere Treffs bietet sich der Stadtteilladen des Bistums an. Ganz auf Gottesdienst müssen die Mitglieder von St. Franziskus nicht verzichten. Zum Gebet steht noch die Michaelskapelle auf dem Friedhof Stäfflingshof zur Verfügung. An Begegnungsstätten gibt es neben dem Stadtteilladen, der Awo-Einrichtung, Kleingartenvereinen auch das Fritz-Steinhoff-Haus. In der „Alte Scheune Lahrshof“ besteht bei täglichem Mittagstisch und Kaffeeklatsch ebenfalls genügend Zeit zum Plausch und Gedankenaustausch.

Einigkeit bei den Besuchern

Die Besucher waren sich einig, dass auch sie ihren Anteil leisten müssen, ein neues Kapitel im Stadtteil aufzuschlagen. Kritisch sahen einige Bürger die Schließung des Franziskussaals. Hier hätte die Kirche ihrer Ansicht nach mehr Dampf machen müssen, um ihn als Treffpunkt für viele Gruppen erhalten zu können, meinte ein Gemeindemitglied. Eine Kirchgängerin sprach vielen aus der Seele, als sie feststellte: „Es tut verdammt weh. Wir können uns gegenseitig bedauern, aber auch Christen sein und auf andere Menschen zugehen. Dadurch werden wir reicher und nicht ärmer.“

Leserkommentare (1) Kommentar schreiben