Architektur

Hohe Auszeichnung für Gelsenkirchener Bauten mit Perspektive

Der Riegel des Neuen Kesselhauses, vorn rechts, schließt die Kante des Gebäudeensembles der Vivawest auf dem Nordsterngelände in Gelsenkirchen nach Südwesten ab.

Der Riegel des Neuen Kesselhauses, vorn rechts, schließt die Kante des Gebäudeensembles der Vivawest auf dem Nordsterngelände in Gelsenkirchen nach Südwesten ab.

Foto: Hans Blossey / www.blossey.eu

Gelsenkirchen.  Das Pumpwerk auf der Emscherinsel und das Neue Kesselhaus der Vivawest auf dem Nordsterngelände werden mit dem Architekturpreis 2020 gewürdigt.

Zwei ungewöhnliche Bauwerke sind durch ihre Gestaltung und die Einbettung in die Stadtgeschichte ausgezeichnet worden. Der Architekturpreis 2020 des BDA, Bund Deutscher Architekten, Gelsenkirchen und Vest Recklinghausen würdigt das Neue Kesselhaus der Vivawest von JSWD Architekten in Köln mit „ausgezeichnet“, das Pumpwerk Gelsenkirchen der Emschergenossenschaft von B.A.S. Kooperschmidt und Moczalla Architekten in Dortmund mit „anerkannt“, den beiden obersten Preisrängen. Neun Arbeiten wurden diesmal eingereicht. Die Ausstellung zu den Arbeiten und die Preisverleihung fanden im Wissenschaftspark statt.

Auf dem Gelände der ehemaligen Steinkohlenzeche Nordstern ergänzt das Neue Kesselhaus den zentralen Campus um einen 120 Meter langen Bürokomplex der Vivawest. Dabei schließt das Gebäude, so die Einschätzung der Preisrichter, mit einer „schlichten und doch sehr selbstbewussten Architektur“ die Kante des teilweise denkmalgeschützten dreiseitigen Gebäudeensembles. Das Erdgeschoss zeige sich als geschlossener Sockel, der sich in die bewegte Topographie einfüge.

Die Farben greifen auf historische Zechengebäude zurück

Als „gläserne Fuge“, „Flöz“ genannt, bilde das offene Hauptgeschoss über Brücken die Verbindung der einzelnen Gebäude. Der Neubau greife die äußere Gestaltung der historischen Zechengebäude des Architekten Fritz Schupp farblich auf und übersetze sie in zeitgemäße Materialien. Das klare Gebäude überzeuge durch die Einbettung in den historischen und städtebaulichen Kontext. Die Durchgängigkeit der Gestaltungsidee und die Beziehung zwischen Innen- und Außenraum ließen regelrechte Raumerlebnisse zu.

Mit dem Bau des Pumpwerks Gelsenkirchen hat die Emschergenossenschaft den 1. Preis eines architektonischen Wettbewerbes aus dem Jahr 2005 für ein technisches Bauwerk realisiert und nach fünfjähriger Bauzeit 2019 eröffnet. Das Projekt steht damit in der Tradition der für das Ruhrgebiet wichtigen Technikgebäude, die neben der Ingenieurleistung auch Ausdruck eines zeitgenössischen Architekturverständnisses waren.

Grenzen zwischen Technik, Architekturund Naturkunst verschwimmen

Das Pumpwerk Gelsenkirchen setzt auf seine skulpturale Wirkung als Gebäudeensemble. Dabei wurden die beiden Hauptfunktionen Pumpwerk und Trafostation in getrennten Baukörpern organisiert, die frei zugänglich und begehbar im Landschaftsraum der Emscher liegen und die Grenzen zwischen Technik, Architektur und Naturkunst verschwimmen lassen. Das Ensemble definiert diesen Ort und macht ihn erst sichtbar.

Der Zweck zieht sich durch die Gestaltung zurück

Als Besonderheit sind die Dächer des Betriebsgebäudes als Aussichtsplattformen konzipiert. Der architektonische Ausdruck ist in Bezug auf die Besonderheit der Bauaufgabe austausch- und verwechselbar. Damit vermittelt das Ensemble in der Nah- und Fernwirkung auch eine Bescheidenheit, die angenehm wirkt und überzeugt.

Die mit einer „Auszeichnung“ prämierten Arbeiten aller regionalen Architekturpreisverfahren gehen im folgenden Jahr in die Ausscheidung um den Titel „Architekturpreis NRW“.

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