Start up an der WH

Hochschul-Forscher führen zwei Projekte zur Praxisreife

So funktioniert es: Die Ultraschallbilder werden während der Untersuchung auf das Handy übertragen, wenn man die kostenlose BabyAR-App heruntergeladen hat. Für die Ultraschallbilder muss man allerdings bezahlen.

So funktioniert es: Die Ultraschallbilder werden während der Untersuchung auf das Handy übertragen, wenn man die kostenlose BabyAR-App heruntergeladen hat. Für die Ultraschallbilder muss man allerdings bezahlen.

Foto: Joachim Kleine-Büning

Gelsenkirchen.  Für die Entwicklung von SomaView haben zwei WH-Forscher selbst 300 000 Euro eingetrieben. Ihre Erfindungen sind preisgekrönt.

Es ist ein Junge, 20ste Woche. Aber die Mutter zu beglückwünschen wäre absolut fehl am Platz. Denn der Kleine ist aus Silikon und von der „Mutter“ gibt es auch lediglich den Bauch. Stefan Maas und Christian Sobotta arbeiten in der Westfälischen Hochschule (WH) und starten als Start-ups gerade richtig durch.

Sie wollen Anfang 2018 mit einer Technik auf den Markt, die werdenden Eltern besonders gefällt. Mit einer kostenlosen App kann man beim Ultraschall von den ungeborenen Kindern gestochen scharfe Fotos oder Videos gleich auf sein Handy laden und Bilder des Winzlings an Freunde und Verwandte verschicken. „Das ist vor allem für Väter eine sehr emotionale Angelegenheit. Viele hatten bei den Tests Tränen in den Augen“, sagt Maas, 41-jähriger Medizintechnik-Ingenieur.

Forscher holten Platz zwei von 52 eingereichten Ideen

Für die Ultraschallaufnahme müssen die Eltern allerdings bezahlen. Maas hat die Software zusammen mit dem 36-jährigen Informatiker Sobotta entwickelt und führt sie jetzt zur Praxisreife. „Die Baby-App ist unser Baby“, sagt Maas stolz. Für ihren Plan zur Vermarktung von „SomaView“ und BabyAR-App“ bekamen die beiden beim Bochumer Gründerwettbewerb „Senkrechtstarter“ den 2. Preis von insgesamt 52 eingereichten Ideen. So kamen sie in den Genuss von 10 000 Euro.

30 Schwangere wollten mitmachen

Um die BabyAR-App auszuprobieren, suchten die beiden per Facebook Schwangere und hofften, dass sich vielleicht eine Hand voll melden würde. „Aber knapp 30 Schwangere teilten mit, dass sie gerne mitmachen wollten, das hat uns völlig überrascht“, sagt Maas. Letztendlich wurde dann an 23 Frauen die Technik getestet.

Jetzt wollen die App-Entwickler die Software entweder Gynäkologen oder Herstellern von Ultraschallgeräten anbieten oder möglicherweise Hebammen die Software zusammen mit einem Ultraschallgerät verkaufen oder zum Leasing anbieten. Die Vermarktungswege werden zurzeit ausgelotet. „Das ist ja eher Spaß“, sagt Stefan Maas. Aber hoch interessant für die Medizin wird die Weiterentwicklung, an der die beiden Start-ups gerade sitzen mit dem Namen „SomaView“. Um Ultraschall geht’s da auch, aber um die sogenannte Nadelintervention. „Zurzeit ist es so, dass Ärzte auf einen Monitor sehen, wenn sie zum Beispiel bei einem Tumorverdacht einen Patienten untersuchen.“

Eine neue Brille soll das Arbeiten für Ärzte erleichtern

Das ist umständlich. Jetzt haben die beiden eine Brille erfunden, die es ermöglicht, am Patienten zu arbeiten, ohne auf einen Monitor gucken zu müssen, denn der Arzt sieht das Ultraschallbild, das auf die Brille übertragen wird. „So kann er auf die Stelle gucken, an der er tatsächlich arbeitet“, erklärt der 41-Jährige die Technik. Maas: „Alleine für diese Entwicklung haben wir 300 000 Euro eingetrieben. An der FH die höchste Summe, die bisher ohne Professor zusammenkam.“

Infos unter www.somaview.glass

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