Konzert

Hip Hop trifft in Gelsenkirchen auf klassischen Haydn

Der Flötist Nerses Ohanyan baute bei seinem Konzert mit der Neuen Philharmonie Westfalen Beatbox-Elemente in sein Spiel ein – und wurde damit gleichzeitig zum Schlagzeug.

Foto: Thomas Gödde

Der Flötist Nerses Ohanyan baute bei seinem Konzert mit der Neuen Philharmonie Westfalen Beatbox-Elemente in sein Spiel ein – und wurde damit gleichzeitig zum Schlagzeug. Foto: Thomas Gödde

Gelsenkirchen.   „Haydn im Dialog mit Beatbox Flute“ lautete das Motto beim dritten Sonntagskonzert der Neuen Philharmonie Westfalen in dieser Saison im MiR

Hip-Hop-Beats treffen auf Querflötenklänge und auf Musik von Joseph Haydn – wie soll das denn gehen? Das geht. Und es hört sich richtig gut an. Das bewies ein ungewöhnliches Konzert der Neuen Philharmonie Westfalen (NPW) am Sonntagmorgen im Kleinen Haus des Musiktheaters im Revier.

„Haydn im Dialog mit Beatbox Flute“, diese Ankündigung hatte schon etwas stutzig, aber auch neugierig gemacht. Die NPW hatte sich für ihr drittes Sonntagskonzert die Unterstützung des Folkwang-Absolventen Nerses Ohanyan gesichert, der sich mit der ungewöhnlichen Technik des Querflötenspiels mit gleichzeitiger Beatbox-Untermalung einen Namen geschaffen hat.

Das ganze Gesicht ist beim Beatbox im Einsatz

Bevor Ohanyan mit seiner Interpretation der Komposition „Native Tongues“ von Randall Woolf loslegte, erklärte er, wie er die typischen Beatbox-Geräusche erzeugt. „Das ganze Gesicht ist dabei im Einsatz. Mir kommt zu Gute, dass der Mundbereich beim Querflötenspiel sehr viel Freiraum hat. Bei der Oboe hätte man diesen Freiraum nicht.“

Als der Flötist dann loslegte, konnte das Publikum nur staunen – über den gleichzeitigen Einsatz mehrerer Atemtechniken. Auch Gastdirigent Enrico Calesso, als Generalmusikdirektor des Mainfranken Theaters spezialisiert auf „Crossover-Konzerte“, zeigte sich begeistert: „Schon die Proben haben sehr viel Spaß gemacht.“ Das merkte man der Aufführung auch an. Ohanyan dankte den anhaltenden Applaus mit seiner Version des „Rondos“ von Mozart. Mit Beatbox-Elementen versteht sich.

Synkopen im Mittelpunkt

Die Musiker der Neuen Philharmonie Westfalen spielten beim „Concerto for Beatbox Flute and String Orchestra“ zwar nur eine begleitende Rolle, traten mit den zwei anderen Werken aber aus dem Schatten heraus: Mit Elena Kats-Chernins rhythmusorientierter Komposition „Zoom and Zip“ und einer sehr klar strukturierten Aufführung von Joseph Haydns „Sinfonie Nr. 86 in D-Dur“, die mit kunstvollen Pausen und Synkopen der späteren Beatbox-Welle bereits zweihundert Jahre zuvor den Weg bereitet hatte, zeigten sie, wie viel Beat in ihnen steckt.

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