Interview

Heiko Sakurai: Manchmal übertrifft Realität die Karikatur

Ein mehr als dankbares Motiv ist Donald Trump.

Foto: Heiko Sakurai

Ein mehr als dankbares Motiv ist Donald Trump. Foto: Heiko Sakurai

Gelsenkirchen.   Der politische Karikaturist Heiko Sakurai signiert am Samstag im WAZ-Leserladen an der Ahstraße sein neuestes Buch. Hintergründe im Interview.

Der Karikaturist Heiko Sakurai hat seine bewegendsten Bilder des Jahres 2017 im Buch „Oh, wie schön ist Jamaika“ zusammengefasst. Auf dem Buchcover drehen sich Merkel, Seehofer, eine gelbe FDP-Ente und ein grüner Bündnisfrosch im Kreis. Es gibt aber noch viele andere Themen im Buch zu entdecken. Am Samstag, 9. Dezember, stellt Sakurai sein Werk im WAZ-Leserladen vor. Wir haben vorab mit ihm über seine Arbeit gesprochen.

Herr Sakurai, wie entstehen Ihre Karikaturen eigentlich? Und wie kommen Sie auf die Themen?

Bevor ich mit dem Zeichnen anfange, beginne ich meinen Arbeitstag erst einmal mit Zeitungslesen. Dann informiere ich mich übers Internet und das Fernsehen über die aktuellen Themen des Tages. Es gibt Themen, die springen einen an, dann zeichnen sich die Bilder fast von alleine. Es gibt aber auch Tage, da dauert die Ideenfindung etwas länger. Wenn ich mich für ein Thema entschieden habe, zeichne ich erst eine Skizze von Hand und scanne sie dann ein. Die Feinheiten füge ich am PC hinzu. Auf diese Weise entstehen bis 16 Uhr täglich etwa zwei bis drei Karikaturen.

Wie schaffen Sie es denn, Politiker so zu zeichnen, dass man sie auf den ersten Blick erkennt?

Das ist ein Lernprozess, man muss sich so ein Gesicht erst einmal erarbeiten. Manchmal ändern sich die Bilder aber auch: Die Angela Merkels, die ich vor fünf Jahren gezeichnet haben, sahen anders aus als jene, die ich heute zeichne.

In Ihrem aktuellen Buch ist eine Karikatur zu sehen, in der ein Mädchen mit seinem Vater aus dem Fenster blickt – und draußen ist alles schwarz. Das Bild entstand nach dem Anis-Amri-Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt im vergangenen Jahr. Ist es schwer, solche Momente in Karikaturen festzuhalten?

Ja, ich habe das erstmals bei den Anschlägen auf das World Trade Center 2001 gemerkt: Solche Nachrichten machen einen ja sprachlos. Und selbst wenn einem dazu eine Karikatur einfällt, muss man den richtigen Ton treffen. Man kann den Terror ja nicht witzig verpacken, das wäre nicht angemessen. Ich setze dann eher auf symbolische Bilder, auch um dem Betrachter zu verdeutlichen, wie sprachlos ich selber bin.

Beim Blick in Ihr Buch sieht man quasi das ganze zurückliegende Jahr am inneren Auge vorbei ziehen. . .

Ja, mir ging das auch so, als ich am PC die Bilder dafür ausgesucht habe. Manchmal ist es kaum zu glauben, dass die Ereignisse erst wenige Monate zurück liegen. Der Hype um Martin Schulz etwa, der als Heilsbringer der SPD gesehen wurde. Das ist noch gar nicht so lange her, wie man meint.

Auch Donald Trump spielt in Ihren Karikaturen eine große Rolle. . .

Ja, der ist wirklich eine dankbare Figur für uns Karikaturisten. Schlimm ist nur, dass seine Äußerungen in Wahrheit ja oft die Karikaturen noch übertreffen.

Sie haben für die offizielle Vorstellung des Buches ja diesmal Gelsenkirchen ausgewählt. Wie „liest“ man denn öffentlich aus so einer Karikaturensammlung?

Ach, das wird keine Lesung im klassischen Sinne. Aber ich freue mich darauf, Menschen zu begegnen und werde auch gerne viele Fragen beantworten.

Politischer Karikaturist für die WAZ seit 17 Jahren

>> Heiko Sakurai ist politischer Karikaturist aus Köln. Geboren in Recklinghausen, machte er dort sein Abitur, studierte in Münster Germanistik, Geschichte und Politik. Er zeichnet seit 2000 für die WAZ.

>> An der Uni Münster hatte er 2006 einen Lehrauftrag für Politische Karikatur. 2009 brachte er mit Miriam Hollstein den Politcomic „Miss Tschörmänie“ heraus, den ersten Comic über die Kanzlerin Angela Merkel.

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