Malerei

Heike Feddern zeigt in Buer fabelhafte Menschenbilder

Heike Feddern erzählt in ihren auch handwerklich grandiosen Bildern Geschichten, für die der Betrachter eigene Interpretationen suchen soll. „Gewogen und zu leicht“ ist der Titel dieser Arbeit voller Anspielungen.

Heike Feddern erzählt in ihren auch handwerklich grandiosen Bildern Geschichten, für die der Betrachter eigene Interpretationen suchen soll. „Gewogen und zu leicht“ ist der Titel dieser Arbeit voller Anspielungen.

Foto: Lutz von Staegmann

Gelsenkirchen-Buer.   Die Gelsenkirchenerin Heike Feddern stellt öfter in Berlin als in ihrer Heimat aus. Jetzt sind ihre fabelhaften Menschenbilder in Buer zu sehen.

Zeit zum Schauen sollte mitbringen, wer sich die Ausstellung mit Arbeiten von Heike Feddern in der Sparkasse in Buer ansehen möchte. Die in Buer lebende, vor allem aber bundesweit ausstellende Künstlerin zeigt hier im Obergeschoss bis zum 16. September Arbeiten aus den letzten zehn Jahren. Ihre stets gegenständlichen Bilder sind voll von Geschichten, die der Betrachter sich allerdings selbst erschließen muss.

Wo der Wolf Rotkäppchen beschützt

Manche Assoziation liegt auf der Hand, die Interpretation nicht unbedingt. Beim Bild „Der Beschützer“ etwa, das einen gemalten Wolf und ein kleines Mädchen im roten Mantel zeigt, ist das so. Statt einem Rot-Käppchen trägt das Mädchen eine Palette auf dem Kopf; es malt sich den Wolf selbst, als Beschützer. . . Fedderns Ölgemälde mit dem Titel „Rotkäppchen“ wiederum, zeigt ein rätselhaft ins Nirgendwo blickendes Mädchen mit rotem Käppi, unter dem an Stelle eines linken Ohres eine Wolfspfote mit Krallen herauslugt.

Ihr Werk „Die Freiheit ist müde“ zeigt zwei offensichtlich schlafende, erschöpfte Schönheiten, aneinandergelehnt, gemalt in freundlichen Pastelltönen. Die Assoziation Prinzessin liegt nahe, doch keine Krone, sondern eine Anspielung auf die Freiheitsstatue bedeckt den Kopf der einen, die andere erinnert an Jeanne d’Arc-Darstellungen. Perfekt in Komposition und Ausführung fällt es schwer, den Blick von der Arbeit zu lösen.

Frauen-Porträts sind Teil der Ausstellung

Ein Teil der Ausstellung ist (Frauen-)Porträts gewidmet. In kühlen Farben blicken die Porträtierten den Betrachter zwar an, halten ihn jedoch zugleich auf Distanz; mal mit einer Geste der Hand, mal mit ihrer Mimik. Einige Figuren scheinen auf der Leinwand zu schweben, sind körperlos unter ihrem fein ausgeführten Gesicht, ein anderes Mal ist das Gesicht gar zur Maske reduziert, körperlich ist nur ein Unterarm.

Auf „Frau Krupp mit Kaffee“ hingegen zeigt sie eine makellose Grand Dame mit Hut, die über den Betrachter hinweg sieht. Ihr Gewand trägt das Kruppsche Logo mit den drei Ringen, die schlichte Kaffeetasse steht auf einem stählernen Tisch, auf dem sich das spärliche Licht bricht, die ganze Szene ist in kühles Grau gehüllt.

Auch farbenfrohe Werke sind dabei

Aber es gibt auch ausgesprochen farbfrohe Werke von Heike Feddern. Bei „Gleis 7“ etwa lässt sie das fantasievoll ausgestattete Personal verschiedener früherer Werke sich vor dem Zugfenster eines Mädchens drängen, das interessiert und ohne Scheu auf die Versammlung von Gauklern, Fabelwesen, Gesichtslosen und Masken blickt. Es ist eines von vielen Werken, die sich als wahre Fundgruben an Geschichten erweisen, die der Besucher erst auf den vierten und fünften Blick entdeckt, über durchscheinende Details im Hintergrund. Fabelwesen als Melange zwischen Mensch und Tier, Allegorien und gemalte Wortspiele gehören zu ihrem Repertoire. Sie alle verbindet die handwerkliche Perfektion der Künstlerin, deren Werke in Berlin und Stuttgart häufiger zu sehen sind als hier.

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