Polizeikontrollen

Gelsenkirchener mit Handy am Steuer: Der Tod tippt immer mit

Polizeihauptkommissar Markus Päpke kontrolliert einen Pkw-Fahrer. Im Blickpunkt bei der Kontrollaktion am Mittwoch standen Autofahrer, die sich durch die Benutzung ihres Handys ablenken lassen.Erneut wurden viele erwischt.

Polizeihauptkommissar Markus Päpke kontrolliert einen Pkw-Fahrer. Im Blickpunkt bei der Kontrollaktion am Mittwoch standen Autofahrer, die sich durch die Benutzung ihres Handys ablenken lassen.Erneut wurden viele erwischt.

Foto: Heinrich Jung

Gelsenkirchen.   Beim Aktionstag der Polizei gegen Handys am Steuer beteiligt sich auch die Gelsenkirchener Polizei. Die Beamten erwischten viele Handysünder.

Mit einem landesweiten Aktionstag geht die Polizei am Mittwoch erneut gegen Handy-Nutzer am Steuer oder Lenker vor. Auch in Gelsenkirchen kontrollieren Beamte den fließenden Verkehr – und zwar an vier stationären Checkpunkten sowie auch mit mobilen Einheiten, in zivil wie auch in Uniform, die ihren Standort über den Tag verteilt wechseln. Start war um neun Uhr am Morgen, die Aktion geht bis in den späten Nachmittag respektive frühen Abend.

Erstaunlich: Trotz der Erwähnung in den Nachrichten, etwa im Radio, haben viele Autofahrer die Mahnung ignoriert. „Wir kommen aus dem Schreiben nicht mehr heraus“, sagt Polizeihauptkommissar Markus Päpke, der vormittags mit einem Überwachungsteam an der Berliner Brücke an der Kurt-Schumacher-Straße Stellung bezog. Weitere Kontrollstellen sind/waren Polsumer Straße und Kärntener Ring.

Erwischte streiten Handynutzung ab

Meist, so der Polizei-Verkehrsexperte, stritten die Ertappten die Handynutzung rigoros ab. Eine rühmliche Ausnahme war Vormittag eine Frau aus Essen in ihrem Opel-Van. Sie gab zu, „dass sie aus Reflex nach dem Handy gegriffen hatte, weil es piepte“ – gerade also eine Nachricht eingegangen war. Die Frau war einsichtig und ärgerte sich über ihre gefährliches Handeln „selbst am meisten“.

Versteckter Beobachter am Straßenrand

Ein erwischter Autofahrer nahm es besonders genau: Er fuhr wütend zurück, um den Beobachter ausfindig zu machen, weil er sich „partout nicht weismachen lassen wollte“, dass man ihn mit Handy am Steuer beobachtet hatte – nicht wissend, dass er wie die anderen Fahrer auch vorab von einem versteckt postierten Beamten in Zivilkleidung am Straßenrand „beweissicher beobachtet wurden“, wie sie mit dem Mobilgerät in der Hand telefonierten, Nachrichten tippten oder sie abruften.http://funke-cms.abendblatt.de:8080/webservice/thumbnail/article/217123233

Bußgeld und Punkt in Flensburg

Die Strafe folgt auf dem Postweg: „100 Euro Bußgeld plus 28,50 Euro Verwaltungsgebühren und ein Punkt in der Flensburger Verkehrssünderkartei – bei acht Punkten wird der Führerschein eingezogen.

Dabei geht es der Polizei nicht ums Erwischen oder ums Kassieren, sondern ums Bewusstmachen. Denn, so lautet ein geflügeltes Wort bei den Polizisten: „Gestorben wird vor dem Auto.“

Der Tod tippt immer mit

Soll heißen: Bei einem Tempo von 50 Stundenkilometern bedeutet nur eine Sekunde Ablenkung „Blindflug“ über eine Strecke von 14 Metern. Reaktionszeit noch hinzugerechnet, sind es gut und gern 30 Metern. Da tippt beim Gebrauch des Handy auch der Tod mit. Nach Angaben des NRW-Innenministerium spielt Ablenkung durch Handys im Verkehr bei mittlerweile jedem zweiten Verkehrsunfall eine Rolle. Im vergangenen Jahr wurden landesweit 142.000 Autofahrer und 25.000 Radfahrer erwischt, die mit dem Smartphone herumhantierten.

87 Autofahrer begingen Handyverstöße

Die Bilanz der Gelsenkirchener Kontrollen: Zwischen neun und 17 Uhr haben die Beamten insgesamt 235 Fahrzeuge kontrolliert und darunter 202 Pkw-, 20 Lkw- sowie 20 Rad- und Pedelecfahrer ins Visier genommen. 87 Autofahrer nutzten während der Fahrt ihr Mobiltelefon. Sie erwartet nun eine Geldstrafe und ein Punkt in Flensburg. Die gleiche Strafe bekommen auch zwei Lkw-Fahrer, die ihr Fahrzeug nutzten und dabei ihr Handy bedienten. Bei den Fahrrad- respektive Pedelecfahrern stellten die Beamten drei Verstöße fest. Hier beträgt das Bußgeld 50 Euro.

Daneben fertigte die Polizei noch 13 Ordnungswidrigkeitsanzeigen, eine Strafanzeige und kassierte 22 Verwarnungsgelder wegen anderer Verkehrsverstöße.

>> Das Tempo entscheidet über Leben oder Tod

Je größer die Geschwindigkeit eines Autos, desto höher die Schwere der Verletzungen, falls es zu einem Crash mit einem Fußgänger oder Radler kommt. Sie sind am wenigsten geschützt.

Leicht verständlich wird dieser Zusammenhang und die Folgen, wenn man sich das anhand des freien Falls verdeutlicht. Eine Aufprallgeschwindigkeit von 30 Stundenkilometern entspricht einer Fallhöhe von 3,5 Metern, in etwa gleichzusetzen mit einem Sturz aus dem ersten Stockwerk. Ein Aufprall bei Tempo 50 entspricht einer Höhe von 9,8 Metern (3. Stock) und Tempo 70 von 19,3 Metern (6. Stock).

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