Kunsthandwerk

Handgedrechselte Stifte, made in Gelsenkirchen-Erle

Vom alltagstauglichen bis zum Luxus-Füller reicht die Palette der Schreibgeräte, die Thomas Dieker aus Gelsenkirchen-Erle fertigt.

Vom alltagstauglichen bis zum Luxus-Füller reicht die Palette der Schreibgeräte, die Thomas Dieker aus Gelsenkirchen-Erle fertigt.

Foto: Jörg Schimmel / FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen-Erle.  Thomas Diekers Herz schlägt seit seiner Jugend für das Drechseln. Seit vielen Jahren fertigt der Gelsenkirchener Schreibgeräte aus Edelholz an.

„Das ist alles Handarbeit. Eine Maschine könnte so etwas gar nicht“, sagt Thomas Dieker und zeigt einen seiner handgedrechselten Stifte vor. „Diese stark gemaserten Hölzer würden maschinengeführt reißen“, erklärt er, dass es durchaus Feingefühl braucht, um die Besonderheiten der Edelhölzer heraus zu arbeiten.

Finnische Maserbirke, Rosenholz aus Brasilien, Coco Bolo aus Nicaragua oder Ebenholz aus Afrika: Der gebürtige Essener macht mit seinen Hölzern eine Reise um die Welt möglich. 24 verschiedene Edelholzarbeiten verarbeitet er in seiner kleinen mobilen Werkstatt. Und wenn er diese ankauft, zumeist in Hamburg, weil dort die Hölzer für den Instrumentenbau vertrieben werden, weiß er so richtig noch gar nicht, was in ihnen steckt.

Gelsenkirchener lagert Holz-Platten für drei Jahre zum Trocknen ein

„Ich fange mit einem Baumstamm an. Den säge ich mit der Bandsäge in Platten, die ich dann rund drei Jahre zum Trocknen bei mir lagere. Dann säge ich kleinere Stücke daraus, welche noch einmal sechs Monate in der Werkstatt liegen, bis ich sie verarbeiten kann.“ Im ersten Schritt werde der Rohling durchbohrt und eine Metallhülse eingeklebt, die später das Innenleben von Füllfederhalter, Kugelschreiber oder Tintenroller beinhaltet und den Druck aufnimmt, der beim Schreiben entsteht.

Schon in seiner Jugend findet Thomas Dieker zu seiner Passion. „Ich habe als 16-Jähriger den Essener Weihnachtsmarkt besucht. Da stand ein Drechsler, der fertigte vor Ort Handschmeichler an. Ich weiß noch genau, ich habe ihm stundenlang fasziniert bei der Arbeit zugeschaut.“ Mit Folgen. „Ich habe mich kundig gemacht und mir zunächst eine ganz einfache Einspannvorrichtung für die Bohrmaschine gekauft. Das hat einen Höllenlärm gemacht“, erinnert er sich und lacht. Dann verrät er, in Absprache mit den Eltern und den Nachbarn habe er bald Abstand genommen von dieser Art der Holzbearbeitung. „Ich habe mich durchgerungen, mir eine Drechselbank zu kaufen.“

Holzbearbeitung ist neben Kirchenmusik sein Hobby zum Ausgleich

Die Holzbearbeitung ist fortan sein ausgleichendes Hobby – neben der Kirchenmusik, der er ebenso lebenslang treu bleibt. Seit einigen Jahren ist der heute 60-Jährige als Kirchenmusiker in der Evangelischen Christus-Kirchengemeinde in Erle beschäftigt. Das Kunsthandwerk jedoch ist lange Jahre an erster Stelle sein Broterwerb.

Mit Mitte zwanzig reist Thomas Dieker zu einem Musikforum bei Chicago. Ganz in der Nähe stößt er auf ein Drechsel-Symposium, das er natürlich sofort besucht. „Da habe ich einen Hersteller von Druckbleistiftmechaniken getroffen“, erzählt er, dass er damals mit fünf Exemplaren und dem Kontakt nach Hause reist – und fortan hochwertige Stifte herstellt.https://www.google.com/search?q=http%3A%2F%2FHier_gibt_es_mehr_Artikel_und_Bilder_aus_Gelsenkirchen-Buer%7Besc%23225919991%7D%5Bteaser%5D&rlz=1C1GCEV_enDE848DE848&oq=http%3A%2F%2FHier_gibt_es_mehr_Artikel_und_Bilder_aus_Gelsenkirchen-Buer%7Besc%23225919991%7D%5Bteaser%5D&aqs=chrome..69i57j69i58.11751j0j4&sourceid=chrome&ie=UTF-8

Palette reicht vom alltagstauglichen Füller zum Luxus-Schreibgerät aus Thuja-Maserholz

Einige Beispiele hat er in einem Köfferchen zum Gespräch mitgebracht. Sie sind wunderschön anzusehen, dazu aber auch für den täglichen Gebrauch tauglich. Einige sind etwas bescheidener, andere echte Luxusobjekte. So wie ein Edelfüller, gearbeitet aus Thuja-Maserholz aus Marokko, kombiniert mit platinbedampften Teilen und Titan-Zierelementen. So viel Luxus hat natürlich seinen Preis: 540 Euro kostet das gute Stück. Schlichtere Füller gibt es aber ab 150 Euro. Kugelschreiber sind bereits ab 60 Euro zu haben.

Bis heute schlägt das Herz des Wahl-Erlers für jene besondere Form der Holzarbeit. Selbst in diesen schwierigen Zeiten, in denen der Absatzmarkt für Kunsthandwerk in Ermangelung der meisten Märkte nahezu zusammengebrochen ist, ist Thomas Diekers Faszination ungebremst. „Das Besondere ist doch, dass ich das Werkstück einmal einspanne und alle Arbeiten in einer Einheit ausführen kann. Das erlaubt mir, die Stifte vor Ort auf den Märkten anzufertigen, vor den Augen der Kunden.“ Die könnten sogar dabei sein, wenn ihr Stift entsteht. Und nicht selten stünden jene Menschen gleichsam fasziniert in seiner mobilen Werkstatt, erzählt Thomas Dieker, wie er es einst selbst auf dem Weihnachtsmarkt tat.

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