Bergbau-Geschichte

Glückauf in Gelsenkirchen mit englischem Know-how

Die älteste Aufnahme der Zeche entstand 1860. Die Schachtgerüste links und rechts waren – wie in England üblich - aus Holz und laut Autor Koenen „von erstaunlicher Tragfähigkeit.“

Foto: Institut für Stadtgeschichte

Die älteste Aufnahme der Zeche entstand 1860. Die Schachtgerüste links und rechts waren – wie in England üblich - aus Holz und laut Autor Koenen „von erstaunlicher Tragfähigkeit.“ Foto: Institut für Stadtgeschichte

Gelsenkirchen.   Heimatbund widmet sich dem frühen Bergbau: Mit Technik von der Insel brachten Mulvany und Coulsen den Aufschwung für Hibernia und Gelsenkirchen.

Stahl und Kohle haben Gelsenkirchen geformt. Der Erfolg der Zechenbarone trieb das Wachstum der Stadt und der lokalen Wirtschaft voran. Aus einem verschlafenen Nest wurde Europas größter Kohlestandort. Der Gründerzeit, den frühen Pionieren und den Hauptakteuren widmet sich der Heimatbund Gelsenkirchen in seinem jüngsten Heft. Nummer zehn ist es in der Reihe. Titel: „Glückauf – Wie der Bergbau ins Dorf Gelsenkirchen kam“

Hans Joachim-Koenen hat wieder als Autor Geschichte aufbereitet und bebildert. „Glückauf“ heißt bekanntlich der alte Gruß, mit „dem man dem nach Erzen oder Kohle suchenden Bergmann Glück wünscht. Dieses Glück“, so Koenen, „hatten schon in den 1840er Jahren die ersten Männer, die im Gelsenkirchener Raum nach Kohle bohrten. Doch erst ab Ende der 1850er Jahre konnte sie auch zu Tage gefördert werden. Denn zum Glück gehörte auch Geld und das ,Gewusst wie’“.

Erster Ehrenbürger der Stadt

Das Heft stellt sie vor – die technischen Errungenschaften, mit denen früh Schächte niedergebracht, ausgebaut und vor allem vom Grubenwasser befreit wurden. Und es präsentiert die Menschen, die mit ihrem Unternehmergeist Gelsenkirchen prägten. Männer wie der legendären irische Ingenieur William Thomas Mulvany. Bereits 1864 wurde der Gründer der Zeche Hibernia zum Ersten Ehrenbürger Gelsenkirchens ernannt. 1855 hatte er mit der Abteufung begonnen. Gelsenkirchen hatte gerade einmal 1030 Einwohner. 1861, drei Jahre nach Förderbeginn, waren es bereits 2379.

Bereits 1846 hatte Ludwig von Oven durch „Schürfbohrungen am Wiehagen den Nachweis erbracht, dass in etwa 150 Metern Tiefe Kohleflöze vorhanden waren. Leider hatte er weder das Geld noch das Wissen, um bei diesen Gegebenheiten Kohle zu fördern“, sagt Koenen. Die Mittel und auch die Ingenieurtechnik für den Wechsel vom Stollenbau zu Tiefbauschächten brachten Mulvany, geboren 1807 bei Dublin, und William Coulson, Jahrgang 1791, aus England mit ins künftige Kohlerevier. Um 1844 hatten in Gelsenkirchen die Vorarbeiten zur Erschließung der späteren Zechen Dahlbusch, Rheinelbe und Holland begonnen. Die Köln-Mindener-Eisenbahn beschleunigte die Entwicklung rapide.

Eine der frühen Zechen mit Seilfahrt

In der (ab 1888 so genannten) Neustadt wuchs das Engländerviertel – mit schlichten Siedlungshäusern für die Belegschaft nahe der Zeche, deren Schacht bereits im Februar 1858 209 Meter tief sechs Kohleflöze durchteuft. Mit 195 Arbeitern wurden 18 371 Tonen Kohle in diesem Jahr gefördert. 1860 gewannen 583 Arbeiter bereits 148 853 Tonnen Steinkohle. Auf einer der ersten Zechen im Ruhrgebiet hatte Mulvany zu diesem Zeitpunkt die Seilfahrt eingeführt. Hibernia förderte bis 1925. Mulvany starb bereits im Oktober 1885 in Düsseldorf.

Das Heft 10 des Gelsenkirchener Heimatbunds kostet 5 Euro und wird u. a. in der Buchhandlung Junius verkauft.

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